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Cine Mlochenchronik für Niteratur, Aungt, ſchöne Miſſenſchaſten n
Erſcheint regelmäßig jeden Freitag.
Ceipzig, am
Jahrgang.
6 nd Geſellſchaſt.
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23. März 1866.
Der Gefangene des Künigs.
Hiſtoriſche Erzählung von
Karl v. Keſſel. Es war im Jahre 1727 zu Anfang des Monats
November, als in einem in der Lauſitz gelegenen
Dorfe, in der Schenke ⸗zum tapferen Grenadier⸗ noch tief in der Nacht vier Perſonen um den großen Kamin des Gaſtzimmers verſammelt waren, aus
welchem eine angenehme Wärme drang.
Dieſe ſpäten Gäſte hatten Alle ſteinerne Deckel⸗ krüge vor ſich ſtehen, aus denen ſie von Zeit zu Zeit einen herzhaften Zug thaten, während ihre Aufmerk⸗ ſamkeit ſich vorzugsweiſe Eiuem aus ihrer Mitte zuwendete, der indeſſen die Huldigung, welche für ihn darin lag, mit einer Gleichgültigkeit hinnahm, aus der man wohl ſchließen konnte, daß er ſich ſeines Uebergewichts in dieſem Kreiſe bewußt war.
Dieſe Perſon, welche ſich im Beſitz eines Trink⸗ bechers befand, der ſich durch ſeine in die Augen fallende Größe auszeichnete, war vollſtändig nach militäriſcher Weiſe gekleidet. Eine weiße Uniform mit blauem Kragen und blauen Aufſchlägen, eine ins Gelbliche fallende Weſte mit langen, bis an die Hüften reichenden Schößen, Kaſchmir⸗Beinkleider von gleicher Farbe, an die ſich hohe ſchwarze Ga⸗ maſchen anſchloſſen, bildeten die Hauptbeſtandtheile des Anzuges. Hierzu kam ein hoher dünner Hals, ein ſchmaler Kopf von ungewöhnlicher Länge und eine ſehr umfangreiche Naſe, die an der Spitze eine Art ſtumpfen Winkel bildete, welcher allem Anſchein nach durch eine ungeſchickt ausgeführte Operation ent⸗ ſtanden war. Endlich hob auch ein kleiner Stutz⸗ bart, deſſen Spitzen feſt zuſammengedreht waren, ſo wie ſtark gefärbte Augenbrauen das ſonderbare Aeußere dieſes Gaſtes noch mehr hervor, obgleich er ſelbſt ſich deſſen nicht im Mindeſten bewußt zu ſein ſchien.
Indeſſen erfreute ſich Lieutenant Hähnchen—


