170 Novellen⸗Zeitung.
Die Haare kämmen,— délabyrinthiser les cheveux. Tanzen,— tracer des chiffres d' amour. Marmor⸗ ſtatuen,— des muets illustres u. ſ. w. Von den Unterröcken, denn auch die Toilette hatte ihre beſondere Nomenclatur, hieß der obere la modeste, der mittlere la friponne und der untere la secrète.— Dieſe Auswüchſe der an ſich löblichen Sorgfalt, mit der gerade damals die Schrift⸗ und Converſationsſprache cultivirt wurde und ihr noch beute, trotz den Romantikern, beſtehendes Gepräge erhielt, waren für des Komikers ge⸗ ſunden Sinn reiche Beute, die Molière redlich benutzte.
Doch waren es nicht allein Sprache und Literatur, ſondern auch die ſtrengeren Wiſſenſchaften: Phyſik, Chemie, Aſtronomie, Philoſophie, Philologie u. ſ. w., mit denen man ſich in den eleganten Cirkeln befaßte.— Die ſich entwickelnde Verſchiedenheit in der Geiſtes⸗ richtung und Lebensweiſe der Preciöſen rief aber bald eine Trennung in drei verſchiedene Kreiſe hervor, die ſich oft lebhaft bekämpften. Der wichtigſte blieb der von Madame de Rambouillet gegründete, an dem auch die berühmte Sevigné Theil nahm. Dieſe Preciöſen hießen les spirituelles, ſie beſchäftigten ſich beſonders mit Moral, Philoſophie und Aeſthetik, urtheilten gern über Verſe und Proſa, laſen Plato und Pascal, Gomberville und Calprenède und wechſelten zwiſchen Einſamkeit und Geſellſchaft,zwiſchen geiſtlichen Uebungen im Gebetzimmer und dem Beſuch der Salons und Akademien. Einen Gegenſatz zu ihnen bildeten die galantes, die Begründerinnen der ſpäter ſo frivol werdenden feinen Salons, die erſten Vertreterinnen der libertiniſchen Lebensphiloſophie, an deren Spitze die bewunderte Ninon de l' Enclos mit ihrem philo⸗ ſophirenden Freunde St. Evremond ſtand; bei ihnen handelte es ſich beſonders um Geiſt, Witz, Anmuth und Lebensgewandtheit. Eine dritte Claſſe bildeten die savantes, die ſich mit den eigentlichen Wiſſen⸗ ſchaften befaßten und au courant der neueſten Ent⸗ deckungen und Syſteme waren; zu ihnen gehörten die Davier, die Deshouillières und Andere.
Die lächerliche Seite dieſer Zuſtände und Be⸗ ſtrebungen innerhalb der höheren Stände, die Molière in mehreren ſeiner Stücke, z. B. in der Critique de TEcole des femmes, im Impromptu de Versailles und im„Miſanthropen“ im Vorübergehen mit ſati⸗ riſchen Geißelhieben bedenkt, trat aber erſt dann recht hervor und wurde bedenklicher und zugleich noch ba⸗ rocker, als der Bürgerſtand anfing, die Vornehmen auch hierin nachzuäffen, als nicht blos Herzoginnen und Marquiſen, ſondern auch Kaufmannsfrauen und Pächterstöchter anfingen, ſtatt dem Haushalt den ſchönen Wiſſenſchaften obzuliegen und ſich im oft gar nicht verſtandenen Jargon der Preciöſen zu ergehen.
Daraus entſtanden im Schooß der Familien Zer⸗ würfniſſe und Conflicte, die dem Molière den Stoff zu ſeinen Précieuses ridicules und zu unſerem Stücke gaben. Jenes erſte einactig in Proſa verfaßte Stück, das ſchon 1659 am Anfang ſeiner Laufbahn erſchien, iſt als ein erſter Entwurf, als ein Vorläufer der„ge⸗ lehrten Frauen“ anzuſehen, welches letztere Stück alles dort nur Skizzirte ſorgfältiger ausführte. Zwei von der Schöngeiſterei befallene Bürgerstöchter geben darin, auf einmal vornehm geworden, ihren früheren Liebhabern aus Hochmuth den Laufpaß. Dieſe wiſſen ſich aber zu rächen. Sie ſchicken ihre beiden gewitzigten Be⸗ dienten zu ihnen, die ſich unter der Maske von ſchöngeiſtigen Marquis bei ihnen inſinuiren und durch Schönthuerei und Affectation reißende Fortſchritte in ihrer Gunſt und Intimität machen; ſie ſind damit im beſten Zuge, als ihre Herren plötzlich erſcheinen, ſie im Beiſein ihrer Verehrerinnen entlarven und zur Be⸗ ſchämung derſelben tüchtig durchwalken.
Nach allen Zeugniſſen der Zeit erregte das kühne, ſich an die Verſpottung einer Modethorheit wagende Stück ein ungeheures Aufſehen und trug nicht wenig zur Rückkehr in eine vernünftigere Denk⸗ und Redeweiſe bei. Doch dieſer erſte Schlag, auf den die Verſpot⸗ tung des Krautjunkerthums in der„Comteſſe d'Eſcar⸗ bagnas“ folgte, genügte noch nicht; Molière fühlte, daß er noch einen zweiten eindringlicheren thun müſſe, und führte dreizehn Jahre ſpäter, 1672, die Femmes savantes auf, die neben den Blauſtrümpfen zugleich die Pedanten und Schöngeiſter verſpotten und zeigen ſollten, welche Verheerung mißverſtandene weibliche Bildung, der nur Eitelkeit zum Grunde liegt, in den Gemüthern und in den Familienverhältniſſen anzu⸗ richten vermag, wie dieſelbe, ſtatt zu heben und zu bereichern, nur von Natur und Wahrheit entfernt und die gewöhnlichen Schwächen um eine neue, an⸗ ſpruchsvolle Affectation vermehrt.—
Daß dies Molisére's Abſicht war, geht hinreichend aus dem reizenden Bilde ſchöner Weiblichkeit hervor, das er in Henrietten den Zerrbildern derſelben ent⸗ gegengeſtellt hat, wie er ja auch ihr natürlich wahres Liebesverhältniß zu Clitander mit dem verſchrobenen Platonismus der Schweſter contraſtiren läßt.— Wie
Schlegel aber aus dieſem Stück eine Geringſchätzung
aller höheren Bildung herausleſen und dieſe aus Molière's Erziehung und Lage deuten konnte, muß Jedem, der einſeitige, einer dramatiſchen Perſon in den Mund gelegte Aeußerungen nicht mit des Dichters Anſicht verwechſelt, und der zugleich weiß, daß Molisre, der umfaſſende literariſche Studien gemacht hatte, mit ſeiner Bildung ganz auf der Höhe ſeiner Zeit ſtand, ja über dieſelbe hinausragte, unbegreiflich erſcheinen.—
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