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ſon's Bauernnovellen von Edmund Lobedanz; Molière's „Miſanthrop“,„Tartüffe“ und„Gelehrte Frauen“ von Laun“; Walter Scott's„Fräulein vom See“ von Viehoff; die„Odyſſee“ von Ehrenthal;„König Lear“ von Jordan; George Sand's„Ländliche Erzählungen“ von Conelius; das„Wintermärchen“ von Simrock; „Timon von Athen“ von Seeger;„Figaro's Hochzeit“ von Dingelſtedt;„Paul und Virginie“ von Eitner; „König Johann“ von Seeger und„Viel Lärm um Nichts“ von Simrock.
Wie Sie ſehen, iſt bei dieſer Edition das elaſſiſche Drama mehr berückſichtigt worden, als man erwarten durfte, denn es iſt ja bekannt, daß im Allgemeinen das große Publicum viel lieber zur Romanlectüre als zu der dramatiſcher Dichtungen greift, welche immer ſchon einen viel höheren Bildungsgrad voraus⸗ ſetzt. Und doch war gerade in dieſem Gebiet von der deutſchen Ueberſetzungsliteratur ſo viel Verſäumtes nachzuholen, denn wir haben ſchon anderen Orts darauf hingewieſen, daß Schlegel die Arbeit ſeiner Shakeſpeare⸗Ueberſetzung unvollendet gelaſſen hat und das unter Tieck's Aegide Hinzugekommene nicht Alles für muſtergültig anerkannt werden kann.
Ebenſo hat der gediegene und verdienſtvolle Mit⸗ arbeiter an dieſer Schlegel⸗Tieck'ſchen Shakeſpeare⸗ Ueberſetzung, der Graf Bandiſſin, erſt kürzlich bei Veranlaſſung ſeiner ausgezeichneten Uebertragung Molisre'ſcher Luſtſpiele, die er in deutſchen Jamben und nicht in franzöſirenden Alexandrinern gegeben hat, über den großen Mangel geklagt, der an guten Ueber⸗ tragungen jenes einzig daſtehenden Poeten ſowohl für die Bühne als für die Lectüre ſo ſehr fühlbar iſt. Laun's ſchon im hier gegebenen Inhaltsverzeichniß der ausländiſchen Claſſikeredition mitgenannte Ueberſetzung der„gelehrten Frauen“ hat allerdings die Alexandriner⸗ form des Orinals beibehalten; doch iſt ſie in einem ſehr gewandten, lesbaren Deutſch geſchrieben, und wenn auch die oft eintretende unvermeidliche Noth um den Reim manche Abweichungen von der wörtlichen Genauig⸗ keit des Ausdrucks mit ſich bringt, ſo hat doch der Verfaſſer möglich zu machen geſucht, was möglich zu machen war. Ein Dilemma wird hier bei der Wahl der Versform immer eintreten; der Jambus iſt als echter Theatervers ſowohl engliſch als deutſch, aber franzöſiſch⸗Molisre'ſch iſt er niemals. Außerdem bleibt ein Weglaſſen des Reims auch ein Verſtoß gegen die Merkmale des Originals, und wenn wir dieſe Merkmale auch nur rein äußerliche, techniſche nennen wollten. Ferner fällt mit dieſem Reim zugleich im Leſer eine ge⸗ wiſſe Spannung weg und der Vortrag wird an Stellen, wo es nicht zu ſeinem Vortheil gereicht, ernſthafter, ja ſchleppender. Alle dieſe Mängel verhütet der ge⸗
Novellen⸗
Zeitung.
reimte Alexandriner, der dagegen nur den Fehler hat, daß er an ſich undeutſch und nicht im Genius unſerer Sprache gedichtet iſt. Zwiſchen dieſen beiden Vers⸗ formen bringt alſo die Wahl nicht allein die Qual, ſondern noch ganz unvermeidliche Schattenſeiten mit ſich.
Laun hat außer den„gelehrten Frauen“ auch noch den„Tartüffe“ bearbeitet und beide Stücke mit einer beachtenswerthen Einleitung verſehen. Eine ſolche iſt bei Molière noch viel wünſchenswerther als bei Shakeſpeare. Ich will dies durch einen Satz andeuten, zu deſſen weiterer Ausführung, die überhaupt zu dra⸗ maturgiſch ſein müßte, mir hier der Raum gebricht: die Shakeſpeare'ſche Bühne und Dramatik iſt nämlich inſofern viel moderner denn die Molièreſche, als ſie viel ewiger, viel allgemeiner und daher für alle Zeiten paſſender iſt. Die Wahl der Sujets bedarf bei Shake⸗ ſpeare kaum einer Erklärung, während dieſe Wahl bei Molièére mit der Sitten⸗, ja mit der Tagesgeſchichte von Frankreich und oft ſogar nur von Paris eng verflochten iſt. Shakeſpeare geißelt im Luſtſpiel die Narrheiten der geſammten Menſchheit, Molidre die einer menſchlichen Geſellſchaft. Dies iſt zwar nicht ausnahmslos zu verſtehen, ſondern nur durchſchnittlich; immerhin trägt es aber dazu bei, die Productionen des Franzoſen häufiger als die des Briten einer Ver⸗ altung durch Veränderung der geſellſchaftlichen Ver⸗ hältniſſe und ihrer Zuſtände und Sitten, ja ſogar ihrer Moden anheimzugeben. So viel nur über dieſes umfangreiche Thema.
Es wird daſſelbe noch ferner verdeutlicht werden, wenn wir ſehen, wie viel Commentar eigentlich nöthig iſt, um die Lectüre„die gelehrten Frauen“ als eine Zeiterſcheinung ohne Anſtoß zu verſtehen. Da dies Stück nicht auf dem Repertoir iſt, bietet es Intereſſe dar, hier Einiges hervorzuheben.
Es iſt bekannt, welch' wichtige Rolle die Literatur
unter Ludwig XIV. ſpielte, der in Beförderung derſelben ein Mittel zu Anſehen, Ruhm und Glanz ſah und nicht ohne Sinn und Geſchmack für dieſelbe war; bekannt iſt auch, welch eigenthümliches, conventionelles, national⸗abgeſchloſſenes und ariſtokratiſch⸗elegantes Gepräge ſie durch den Einfluß des Hofes, der Haupt⸗ ſtadt und der vornehmen mit ihr ſich befaſſenden und ſie protegirenden Kreiſe erhielt. Hierin trat nun immer mehr die Theilnahme der Frauen als wichtig und maßgebend hervor. Der Centralpunkt, ſo zu ſagen die Mutterloge dieſer immer mehr Mode werdenden literariſchen, von Damen päſidirten Salons war das ſprüchwörtlich gewordene Hotel Ramboulllet. Die Beſitzerin derſelben, Madame de Ramboulllet, die gefeierte Muſe mittelmäßiger Poeten, die der beſſeren Romantik wegen ihren Namen Cathérine in
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