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Novellen⸗Jeitung.
„Kommen ſie jetzt?“„Ja, ſie kommen.“„Aufgepaßt! Briefe nach Leipzig und Berlin und wieder zurück ge⸗
Stillgeſtanden!“
Und ſie kamen. Am Eingang dieſer Reihen blieb Joſef ſtehen, warf die Mütze in die Luft und rief:„Schönſten guten Tag allerſeits von uns Beiden. Hier iſt mein Schatz und gegen Oſtern wird die Hochzeit, wozu ihr Alle geladen ſeid!“
Und nun mitten durch. Das Vivatrufen nahm kein Ende. Die Tücher wurden vom Kopf geriſſen und geſchwenkt. Sah's denn nicht wirklich ſo aus, als wären Joſef und Reſi König und Königin von Presnitz? Sie nickten nach rechts und links, ſie warfen ein Wort hierhin und dorthin, und Joſef deutete auf einen lieblichen Platz und ſagte:„Da muß unſer Haus zu ſtehen kommen.“(Die echte Majeſtät freilich hätte»Unſer⸗ Haus geſagt.) Der Bürgermeiſter, die Eltern nebſt den übrigen Kindern folgten, und das Stadtoberhaupt rief ein über das andere Mal:„Solch' ein Gaſſenlaufen laß' ich mir gefallen!“
Jetzt verdrängte, dem König und der Königin zu Ehren, ein Feſt das andere. Noch am ſelben Abend gab der Pfarrer eine muſikaliſche Soiree, der Lehrer am nächſten Mittag ein Diner, dem wieder ein Souper beim Bader folgte. Entzmann und der Bürgermeiſter tranken ſich einen ganz niedlichen Spitz, aber hinſichtlich dieſer Huldigungsfeierlichkeiten ver⸗ übelte es ihnen Niemand.
Und es geſchah nach Reſi's Willen: ihr Reich⸗ thum ward getheilt. Die eine Hälfte nahm ſie für ſich, für den Herzliebſten und die Eltern, die andere empfingen die Nothleidenden. Wie auch dieſe ſich wehren mochten, die Glücksſpenderin ließ nicht nach. Und nun hatte ſie bis zu den heiligen Oſtern ſo viel zu ſchaffen, daß ſie wirklich nicht wußte, wo ſie an— fangen und wie ſie nur fertig werden ſollte. Einmal mußte an die Ausſtattung gedacht werden, und zwei⸗ tens ſchien es beinah, als ob ſie eine Feſtung ge⸗ worden, die hartnäckig belagert würde. Denn ſtets ſah ſie ſich von Groß und Klein umgeben. Alle wollten hoͤren, wie es ihr ergangen, und wer das ge⸗ nau erfahren, kam dennoch abermals wieder, denn ihr konnte ja derweil noch etwas eingefallen ſein. Und ſie erzählte und erzählte und war endlich, endlich fertig, als Oſtern und der Hochzeitstag vor der Thür ſtanden.
O, war das ein wonniger und ſonniger Tag, ein echter Tag des Herrn! Und was gab es für Ueberraſchungen! Da brachte ein Wagen Onkel und Tante Brunner, die lieben Leutchen aus dem Leipziger weltberühmten Keller, und einem andern Wagen ent⸗ ſtieg Tante Sabine aus Berlin. Denn ſtets waren
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wandert, und darum hatten ſich die Entfernten nicht
verſagen können, zu dieſem Freudenfeſte in Presnitz
zu erſcheinen. Vor dem Hauſe des Schulmeiſters
ordnete ſich der Zug. Die Muſtkanten ſpielten auf,
die Vögel ſangen, der Himmel lachte, die Tannen dufteten, und oben auf dem Berge brummten zwei Kanonen, die zwar etwas heiſer waren, aber ſie brummten doch.
Die Kirche war in Grün gekleidet. So herrlich, wie der Pfarrer heute ſprach, hatte er nie geredet. Aus tiefſtem Herzen kamen ſeine Worte und ſie drangen in die innerſten Herzenskammern. Joſef und Reſi glaubten, ſchon im Himmel zu ſein, und als das Amen erklang, da war's ihnen gerade, als ob Millionen Engel Amen, Amen ſängen.
Und weiter? Ja, meine Freunde, die Ihr Reſi's Geſchichte mit Antheil vernommen, greift nur zum Stabe und wandert ein in Presnitz. Seht all' die freundlichen weißen Häuſer und die ſchmucken rothen Dächer und blitzenden Fenſter. Iſt es nicht, als ſtehe darauf geſchrieben: Wohlſtand und Freude und Friede?
Und dort das Haus, welches außen wie innen ſo ſauber ausſieht, juſt wie ein Schmuckkäſtchen,— darin wohnen jetzt die Nachkommen des Zimmermanns Joſef Kober. Er erbaute es für ſich und ſein Her⸗ zensweib, und das Glück war ihr Gaſt bis zu Ende... Und weiter oben das ſtattliche Gebäude,— die darin gewohnt, hieß Frau Sabine Erhard. Ihren Entſchluß, den ſie einſt in ſtiller Nacht gefaßt, führte ſie bald nach Reſi's Hochzeit aus: ſie verkaufte das verräu⸗ cherte Haus in der Spandauerſtraße und ließ ſich in Presnitz nieder, fortan die Freundin aller Redlichen, die Mutter aller Bedrängten. Oft ſah man ſie an milden Abenden nach der Waldwieſe ſchreiten. Da ſtand unter dem ſchirmenden Blätterdach einer Buche ein ſchlichtes Denkmal. Es war ein Würfel von Granit, darauf ein Aſchenkrug; auf der Vorderſeite dieſes Würfels ſtand: Renatus, und auf der Rückſeite: In den Himmel iſt er gegangen und unſere Herzen ſind ſein Grab.
Wie es heißt, verließ Gräfin Stephanie die Re⸗ ſidenz, um ſich in ein Kloſter am Rhein zu flüchten. Hatte ſie doch ein ganzes Daſein zu bereuen, und wir wollen hoffen, daß der Abend ihres Lebens ein freund⸗ licher geweſen. 8 E
Und damit nehmen wir Abſchied von unſeren Lieben in Presnitz. Ja, das Glück war Reſi's und Joſef's ſteter Gaſt. Sie ſahen ihre Kinder heran⸗
wachſen und ihren Heerd ſich gründen, und als ſie
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