Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
164
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den Herrn und Heiland, damit Er dieſem Unglücklichen ein gnädiges Ende geb'! Und Walter ſprach das, die Hände wie zum Gebet gefaltet...Schäm' Dich, Joſef. Ja, wenn er Dir gegenüberſtänd' und er wär' halt ebenſo ſtark und geſund wie Du, dann wärs ganz recht, wenn Du riefeſt: Du oder ich! Aber ſo! Bei meiner Seel'! Gott ſtraft ihn hart genug. Lauter Geſpenſter ſehen und nit leben und nit ſterben können, o Himmel, bewahre einen Jeden vor ſolch' einem Ende!.. Komm', Junge, wir wollen gehen. Beatrix und Erhard wachen doch nicht wieder auf, und Reſi?..

Weinend ſank da Joſef in ſeine Arme.Reſi! Ach, Ohm, nimm mir die Hoffnung nicht, ſonſt iſt's auch mit mir aus! Ja, Du haſt Recht, das Richten kommt mir nicht zu; ja, geb Gott dieſem Unglücklichen ein ſchnelles und gnädiges Ende!

Am nächſten Tage war's und gegen Mittag.

Gewiß tauſendmal war Seppi bereits vor die Thür gelaufen, nach dem Vater auszuſchauen, und wohl ebenſo oft war Reſi zu gleichem Zwecke an das Fenſter getreten. Doch noch immer war von dem Er⸗ ſehnten nichts zu erblicken, und trotz aller Liebe und Güte Frau Sabinens wollten die Geſchwiſter dennoch faſt vor Sehnſucht vergehen.

Aber heute! Seppi ſtand vor der Thür und ſchirmte die Augen mit der Hand. Da plötzlich ſchrie er laut auf und rannte die Straße hinunter und kletterte in ſeiner närriſchen Freude faſt an Joſef und Walter empor. Und ſo berauſcht war er von dieſem Wiederſehen, daß er ſich gar nicht verwunderte, den Vater nicht zu erblicken; bald fiel er dem Ohm, bald dem Neffen um den Hals.

Dieſer mußte ſich förmlich losreißen.Haſt Du Reſt geſehen? Und was haſt Du von i r gehört?

Reſi? Ei, die iſt in der Stube bei der Tante Erhard und ſingt ihr ein Lied vor, was der arme Herr Renatus ſo gern gehört hat, und..

Reſi? Junge, biſt Du toll, was aussei Du?

Junge, trinkſt Du hier über den Durſt?

AIch toll, ich? Ach ja,'s iſt ja wahr, ihr könnt as noch gar nicht wiſſen. Die Reſi iſt reich, ſehr reich, achttauſend Thaler gehören ihr, denn ſie hat ſie geerbt von Herrn Renatus... ach, der arme Herr Renatus, der iſt todt... und die eine Hälfte von all' dem Reichthum behält die Reſi und die andere Hälfte wird ehrlich getheilt... und wie er todt war, da iſt Tante Sabine zum König gelaufen und da iſt die Schweſter gleich, gleich frei gekommen... und die Tante iſt ſeelensgut und bittet jede Stunde, wir

Novellen⸗

Zeitung.

möchten bei ihr bleiben, und die Reſi hat das viele Geld gar nicht nehmen wollen, aber die Tante hat nicht eher nachgelaſſen! So plauderte er und tän⸗ zelte er die Straße wieder hinauf, und die Männer, deren wonnepochende Herzen faſt zu ſpringen drohten und die wirklich nicht wußten, ob ſie vor grenzenloſer Freude lachen oder weinen ſollten, eilten mit Rieſen⸗ ſchritten hinterdrein und hinein in das verräucherte Haus.

O, wer vermöchte all' den Jubel zu beſchreiben! Joſef breitete die Arme aus, Reſi ſank hinein, und ſo ruhte Herz an Herz und Lipp' an Lippe. Keiner hatte dem Andern geſagt:ich war dir gut vom erſten Augenblick an... aber weßhalb Worte? Hell ſchlugen jetzt die Lerhen auf, die bisher ganz leiſe in der Bruſt geſungen.

Aber plötzlich entwand ſich das Mädchen der Umarmung und fragte mit der Miene der Beſtürzung: Der Vater? Warum iſt er nicht gekommen? Um Gotteswillen! er iſt doch nit...?

Wenn er hört, daß es ſeiner Reſi gut geht, wird er flugs wieder kerngeſund ſein, fiel Joſef ein und zog die Geliebte von neuem an ſein Herz.

Und nun wurde erzählt bis in die Nacht hinein. Die Fragen hüben und drüben wollten gar kein Ende nehmen, und Reſi vergaß ihre Leiden, und Walter und Joſef vergaßen die tauſend Sorgen, welche ſie ausgeſtanden; nur ein Schatten trübte die glänzenden Augen: das Gedenken an Renatus.

Als ſie dann endlich auseinandergingen, ſagte Joſef:Herzensreſi, morgen ſchreib' ich an Deinen Vater.

Nein, verſetzte da das Mädchen,wir packen gleich morgen auf und ziehen heim. Schau, ich werd' nit eher wieder froh, als bis ich wieder in meinem lieben, lieben Presnitz bin... Und nicht wahr,

Tante Sabine, fuhr ſie gegen dieſe fort,Du biſß

der Reſi darum nicht bös'? Schau...

Aber Sabine ſchloß ihr mit einem innigen Auſſe den Mund. Gleich bei Joſef' Erſche nen hatte ſie ſich ſagen müſſen, daß un Recht mehr habe in das Mädchen zu dringen, bei ihr zu bleiben und ihr Kind zu werden. Zwar Mahir ſie jetzt noch den Verſuch, wenigſtens den lieblichen Knaben an ſich zu feſſeln, allein Seppi hing ſich ſo ängſtlich an der Schweſter Arm, als fürchtete er, dieſe könnte ſtatt ſeiner ihre Zuſtimmung geben.

Da ſchwieg denn die Frau, doch in derſelben Nacht noch faßte ſie einen Entſchluß, welchen ſie, falls die Geſchwiſter ihr Anerbieten ausſchlagen wür⸗ den, bereits in der Stille genährt. Sie fühlte, daß ohne dieſe Beiden fortan ihr Daſein jedes Frohſinns

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