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oſtrömiſche Reich bleibend getrennt wurden. Dadurch entſtand eine Zerſplitterung der Kräfte, eine innere, unheilbare Schwäche, unfähig, den von allen Seiten ſich häufenden Gefahren zu widerſtehen. Denn kaum waren hundert Jahre verfloſſen, ſo erlag Rom den Siegen der fremden Völkerſchaaren, während nach göttlicher Zulaſſung das weit hinfälligere oſtrömiſche Reich ſein Daſein unbegreiflicher Weiſe noch tauſend Jahre lang fortſchleppte,— ein in der Weltgeſchichte unerhörtes Schauſpiel!— Zu kräftig, um völlig un⸗ terzugehen, zu geſchwächt, um ſich zu irgend einer böheren Bedeutung aufzuraffen, glich die Exiſtenz dieſes byzantiniſchen Kaiſerreichs der einer allmählich ausbrennenden Lampe, welche, hie und da erfriſchen⸗ des Oel erhaltend, aufflackert, um, lange Zeit ein trübſeliges Licht verbreitend, endlich ganz zu er⸗ löſchen. Eben dieſes Schickſals wegen flößt denn die Geſchichte des oſtrömiſchen Reiches weniger allge⸗ meines Intereſſe ein, als die Annalen anderer, ſelbſt minder bedeutender Länder.
Es iſt eine ebenſo ſchwierige als undankbare Aufgabe, in dies Gewebe von Ereigniſſen zu dringen, welche nur wenige erfreuliche, welthiſtoriſche oder das Gemüth erhebende Momente bieten. Man wendet ſich nur zu gern von den Gräueln der innern und
Religionskämpfe, von der Herzählung nicht endender Kriege mit beinahe allen Volksſtämmen, wie von der Perſönlichkeiten ab, welche auf jenem Schauplatz eine geſchichtliche Rolle ſpielten. Dennoch iſt ein näheres Bekanntwerden mit den ſo ſehr ver⸗ wickelten, zum Theil bizarren Begebenheiten dieſes Bas Empire», wie man es nannte, nicht ſo ganz ohne Reiz. Es greifen da in oft wunderbarer Weiſe die Geſchicke Europa's und Aſiens in einander; eine ganz eigene Miſchung von Bildung und Rohheit der Sitten, von Gelehrſamkeit und Aberglauben, Geſtalten
Mehrzahl der
der auffallendſten Art treten uns da auf jeder Seit entgegen.
in der Schwierigkeit, dieſen Stoff zu behandeln. E
drückt uns da eine ſo verworrene Maſſe, daß die
muthigſte Feder davor zurückſchrickt. Auszüge, de
gehörigen Zuſammenhanges entbehrend, feſſeln nicht; das Ganze aber beſchwert unnützer Weiſe das Ge⸗ dächtniß und befriedigt deshalb weder eine edle Wiß⸗ begierde, noch den Trieb, weiter auf dieſem wenig
lohnenden Felde zu forſchen.
Ein recht ſchlagender Beweis, wie in dieſem wüſten morgenländiſchen Kaiſerthum Empörung und
die blutige Metzelei gegen Gerechte und Ungerech
Novellen⸗Zeitung.
Gelang es daher bis jetzt nicht, Geſchichts⸗ freunde und Leſer überhaupt für dieſe Vorgaͤnge und Perſönlichkeiten zu erwärmen, ſo lag die Urſache wohl
an der Tagesordnung war, liefert die Thatſache, daß
ſelbſt die lichtvollen Momente guter Regierungen eine unglückliche Wendung nahmen und hier ſelten ein Herrſcher auf ſegensreichen Bahnen blieb und friedlich eendete. Es iſt lehrreich und zugleich erſchütternd, dies an einem großen Beiſpiel zu ſehen. Ein ſolches bietet der berühmte Kaiſer Mauritius dar, welcher 582 zur Regierung kam. Er war, ein ruhmreicher Feldherr, als Nachfolger eingeſetzt von dem edlen Tiberius, dieſem Titus des Morgenlandes, und hatte ſich ſiegreich erwieſen gegen den Perſerkhan Chosroös und gegen deſſen blutdürſtigen Nachfolger Hormisdas, welchen er ebenfalls noch unter Tiberius' Regierung demüthigte.
Sehen wir, wie ſelbſt dieſer Mauritius auf Ab⸗ wege gerieth, wie er endete, und wir haben ein für allemal einen Blick in die Zuſtände eines Reiches gethan, deſſen Fäulniß auf der einen Seite Verrath und Uſurpation und auf der andern Seite den Wankel⸗ muth der Moral und Feſtigkeit ſo begünſtigte, daß die ſchönſten Anläufe, die ſtolzeſten Hoffnungen des Landes und der Geſchichte endlich in einer Blutlache ihrer eigenen bald hervortretenden Sünden ertranken.
Mauritius herrſchte im Sinn ſeines kaiſerlichen Freundes und Wohlthäters— ſein ſchönſtes Lob! Zwanzig Jahre bewährte er ſeine Fähigkeiten, und waren Charakter und Benehmen auch nicht immer tadelfrei, warf man ihm oft Härte, Geiz, Verirrungen vor, ſo blieben ſeine achtungswerthen Seiten hervor⸗ ragend genug, um jene Schwächen zu decken.
Mäßig in allen Dingen, dem Prunke wie der Schmeichelei abhold, wenig zugänglich für Bittſteller, mit ernſten, beſonders kriegswiſſenſchaftlichen Studien beſchäftigt, mehr überlegt als raſch zur That, dem Aeußern nach von ſtarkem, unterſetztem Körperbau, den Kopf mit wenigen röthlichen Haaren bedeckt, ohne Bart, ſo war Kaiſer Mauritius.
Aber auch ſein Familienleben gewährt ein freund⸗ liches Bild. Mild und rein von Sitten, befand ſich Mauritius nicht nur gern unter den Seinigen, er s unterhielt ſich auch mit ihnen über Gegenſtände der Kunſt und Poeſie. Vater und Mutter, die er ehrte s und liebte, lebten noch, und ſie wohnten dem Feſte ſeiner Krönung wie der feierlichen Vermählung mit Conſtantia, der Tochter des Kaiſers Tiberius, bei, Feſte, welche von einzelnen rührenden Zügen und dem endloſen Jubel der verſammelten Menge be⸗ gleitet waren.
Ueber zehn Jahre dieſes Reiches waren mit den denkwürdigen Vorgängen in Perſien augefüllt. Mau⸗ zwar nicht mehr unmittelbar Theil an aber ein General nach
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te ritius nahm dieſen fortwährenden Kriegen,
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