Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
146
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146 Novellen

Fürſten aus dem Felde geſchlagen!Er iſt ja ein ſtattlicher Mann, und ich wette, eine Handvoll Du⸗ katen führt das Mädchen in Seine Arme. Er wird ſiegen und Romanow's Aufenthalt in Berlin zu Ende ſein! Ich vertraue Seinem Genie!

Und mit dieſem Auftrag, den die eigene Be⸗ gierde ſchon für genau vollführt hält, ſtürmt Louche die Treppen empor, reißt die Thür auf...

Was wollt Ihr? ruft Reſt, hinter den Tiſch flüchtend,Seppi, biſt Du in der Kammer? Schnell, ſchnell!

Wie der Wind iſt der Bruder da. ſchreit er,ich hol' meinen Stock...!

Dummer Junge! Platz hier!... Sieh her, mein liebes Kind, zehn neue Dukaten... ei, was ſperrſt Du Dich, Du ſollſt mir gut ſein, wir wollen koſen! Und er kommt näher, mit einem Ruck iſt der Tiſch in die Ecke geſchleudert, er umfaßt die Zitternde, die Seppi vergebens fortzureißen ſucht...

Da ſchlägt abermals die Thür zurück, und her⸗ ein ſtürmt, den Degen ziehend, Fürſt Romanow. Blitze ſchießen ſeine Augen, er iſt bleich bis in die Lippen. Wicht! Schuft Du! donnert er,in die Hölle mit Dir!

Heilige Jungfrau! ſchreit Reſi auf,um Jeſu willen! kein Mord! Erbarmen mit... ich... Da fällt ein Schleier auf ihre Augen, ihre Sinne ſchwin⸗ den, ſie fühlt noch den Blutſtrahl, der ihr Kleid und Antlitz netzt, dann ſinkt ſie wie leblos zu Boden.

Gleich einer Steinſäule ſteht Seppi.

Louche iſt todt.

Der Fürſt taumelt nach einem Stuhl, der ge⸗ färbte Degen entfällt ſeiner fliegenden Hand. Dann preßt er dieſe Hand gegen die tropfende Stirn; iſt's Wirklichkeit, kein Traum?... Er hatte Berlin gleich nach ſeiner letzten Begegnung mit Sabinen verlaſſen wollen, allein eine Krankheit, die ihn plötzlich be⸗ fallen, hatte ihr despotiſches Halt! gerufen. Langſam war er geneſen und an dieſem Tage zum erſten Mal hinausgegangen, erquickende Luft ſtatt der mit Me⸗ dicamenten geſchwängerten zu athmen. Was trieb ihn nach der Kurſtraße und in die Nähe des goldnen Adlers⸗? Ein Ruf von oben oder die Hoffnung, das Mädchen, welches er ja immer noch liebte, viel⸗ leicht ſehen zu können? Ja, er liebte es trotz der Abweiſung, die er empfangen; ſein Ausruf in Auer⸗ bach's Keller:Was ſie ſchön iſt! hatte ihn gleich lieblichen Phantaſiegebilden unabläſſig auf ſeinem Krankenlager umgaukelt.

Wie er in die Kurſtraße einbog, ſah er vor ſich Louche. Doch hatte er nicht eher ſonderlich auf ihn Acht, als bis er bemerkte, daß Jener in das Haus

Zurück!

Zeitung.

trat, in welchem Thereſta wohnte.Louche kann nichts Gutes bringen! dieſer Gedanke ſchoß wie der Blitz durch ſeinen Kopf und darum hielt er für nöthig, ihm leiſe zu folgen. Es gelang ihm, unbemerkt die Treppen zu paſſiren. Er horchte und ward ſo Zeuge von Louche's Zudringlichkeit, die ihn dergeſtalt em⸗ pörte, daß ihn ſein wildes überſchäumen des Blut zu der entſetzlichen Handlung hinriß.

Iſt's Wirklichkeit? Kein Traum? Die erſchüt⸗ terten Hausbewohner, welche, vom Tumult gerufen, jetzt in die offene Stube drangen, riſſen ihn aus ſeinem Sinnen. Er ſprang wieder empor; wieder ſchlug Reſi die Augen auf; in Seppi kam neues Leben. Da befahl der Fürſt, den Todten fortzu⸗ ſchaffen, allein die Leute, gleich einen Meuchelmord vermuthend, ſchrieen nach der Juſtiz. Aus den Fen⸗ ſtern und aus der Thür erſchallte der Ruf:Mord! Mord! den die gegenüberliegenden Häuſer zurück⸗ gaben und der ſich fortpflanzte durch die ganze Straße.

Da raſſelten Säbel die Treppen hinan. Drei Diener der Gerechtigkeit, welche in einem Keller hinter einer Flaſche Spandauer Bier geſeſſen, erſchienen mit echten Amtsmienen. Ein dichter Volkshaufe folgte. Platz für die Obrigkeit! Keiner rührt ſich!

Ah, rief einer der Vögte, nachdem ſein flüch⸗ tiger Blick die Stätte des Verbrechens durchmeſſen, ſapperlot, das iſt ja das Mädchen, was nebenan bei Willmers Muſik macht! Hui, bläst der Wind aus dieſer Ecke?

Eine nette Sorte! fügte ſein College hinzu, Harfenvolk und Pranger und Stockhaus, das iſt vor unſerer hochweiſen Obrigkeit alles eins! Keine Um⸗ ſtände mit dieſem Geſindel!

Stricke her! rief der Dritte.

Regungslos ſtand Thereſia da. Solch' ein Schmutz mußte wirkungslos von dieſer reinen Seele abprallen.Spring' hinüber, Seppi, und ruf' Herrn Willmers.

Der iſt in Geſchäften nach Oranienburg ver⸗ reiſt, bemerkte Jemand aus dem Haufen.

Tief feufzte da Thereſia auf und ihr Herz wim⸗ merte:Joſef! Joſef!

Stricke her! befahl wieder der dritte Vogt.,

Jetzt aber traf ihn ein ſo markiger Fauſtſchlag

Romanow's, daß er gegen den Ofen taumelte.Wer will was von dieſem beſten aller Mädchen? Ich er⸗ ſtach dieſen Elenden, weil er ſich gegen ſie verging. Keiner rühre ſie an! Hier mein Degen; ich bin Euer Gefangener!

Eine Stille trat ein, der ein dumpfes Gemurmel folgte.Ich kenne ihn.Er iſt ein Fürſt.Er kommt bei Hofe.Der iſt's, der die Geſchichte mit

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