Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
145
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z Leipzld

Vierte Folge.

e. Ade

Erſcheint regelmäßig jeden Freitag.

Eine MWochenckronik für Niteratur, Kunst, ſchäne Miſſenſehmſten und Geſellſchaft.

Leipzig, am 9. März 1866.

IV. Jahrgang.

Abonnementspreis jährl. 5 ½ Thlr.

Thereſia Entzmann.

Erzählung von Karl Neumann ⸗Strela.

(Fortſetzung.)

Nun, Fürſt Romanow, der Du bereits unter dem Galgen ſtehſt, an den Galgen mit Dir! Das zu be⸗ werkſtelligen, war jetzt des Kammerdieners Wille. Von Leipzig heimgekehrt, hatte er Gräfin Stephanie alles getreulich berichtet und dann auf ihren Wunſch ſeiner ausgebreiteten Bekanntſchaft erzählt, welche Niederlage der Fürſt durch einen Handelsmann erlitten. Das war darauf gleich einem Lauffeuer durch die Reſidenz gegangen, und was die Gräfin gewollt, hatte ſie damit erreicht: man hatte eine ganze Zeit über Romanow gelacht. Es mußte ſich eine Gelegenheit finden, den Feind an den Galgen zu bringen, und jetzt fand ſich nach ihrer Meinung eine ſolche.

Denn dem Spionsgenie Louche's war nicht ent gangen, daß der Fürſt bei Thereſien Einlaß gefordert, jedoch abgewieſen worden. Und kaum hatte er Stepha⸗ nien darüber Mittheilung gemacht, als ſie auch ſchon darauf ihren Hauptplan baute, der, glücklich ausge⸗ führt, Romanow nicht nur allgemeinſtem Hohn preis⸗ geben, ſondern ihn zwingen würde, Berlin ſo ſchleunig wie möglich zu verlaſſen. Was war in ihren Augen ein Harfenmädchen! Sie verſicherte Louche, daß der Fürſt mit Freuden wäre empfangen worden, wenn er nur dem Mädchen ein Dutzend Goldſtücke durch den Thürſpalt gezeigt hätte. Gold allein werfe bei dieſer Menſchenſorte alle Tugendphraſen über den Haufen!

Halb errieth da der Kammerdiener bereits den Auftrag, der ihm werden ſollte und den er ja nur mit Vergnügen annehmen konnte. Er langweilte ſich oft, und Thereſia war ſchön... Die Gräfin ſetzte ihm darauf auseinander, daß Spott und Gelächter keine Grenzen fänden, ſobald es in der Reſidenz be⸗ kannt werde: einem Kammerdiener ſei gelungen, wo⸗ nach ein Fürſt geſtrebt, es habe ein Diener einen

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