142 Novellen⸗Zeitung.
Lebens. Von der einfachen Vernunft geleitet, welche allen Menſchen befiehlt, gerecht zu ſein, erkannten ſie keine andere Belohnungen an als die Ruhe der Seele.
Sie betrachteten den Tod als eine heroiſche Handlung, wenn er allein der Schmach der Todesſtrafe oder der Schande einer Niederlage entziehen konnte. Sie glaubten an einen Gott, den Herrn des ganzen Weltalls, aber ſie beſchränkten ſich darauf, ihm für alles Gute zu danken, das ſie ihm ganz allein zuſchrieben, während ſie für alle Uebel, unter denen die arme Menſchheit leidet, nur ſich ſelbſt verantwortlich machten. Dieſe Philoſophen, welche in allen Punkten die Doctrin des Confucius befolgten, deſſen Andenken in Japan ebenſo geachtet iſt wie in China, waren früher ſehr zahlreich und ſie widme⸗ ten ſich ganz beſonders den Künſten und Wiſſenſchaften. Leider hat dieſe Secte den Götzendienern weichen müſſen. Die Einführung der Götzendiener erregte im Lande einen allgemeinen Enthuſiasmus, dem die Philoſophie aufgeopfert wurde. C.
Ehedem mie heute.
Man macht ſich hier und da noch ſehr irrige Vorſtel⸗ lungen von dem Alterthume, beſonders wenn man glaubt, es ſei ganz aus Erz gegoſſen oder in Marmor gehauen geweſen. Die Lectüre derjenigen Autoren, welche uns mit den Sitten in dem Zeitalter des Auguſtus bekannt machen, beweiſen uns dies deutlich, namentlich auch in Betreff der römiſchen Frauen. Dieſelben waren nicht alle Camilla's, Cornelia's und Lucre⸗ tia's, und wohl nur wenige konnten wie die Mutter der Gracchen von ſich ſelbſt ſagen, daß ihre Kinder ihr einziger
Schmuck ſeien. Allerdings waren ſie ebenſowenig alle Meſſa⸗
linen, Imperia's oder Claudia's, indeſſen galt von den Römerinnen im Allgemeinen, wie von der Frauenwelt und dem menſchlichen Geſchlecht zu allen Zeiten, das Wort des Luſtſpieldichters Terenz:„Ich bin ein Menſch und nichts Menſchliches kann mir fremd ſein.“ Was die Raffinements der Toilette anbelangt, ſo ſtanden die Römerinnen des high- life den heutigen Pariſerinnen in nichts nach; die Haarfärbe⸗ mittel in allen Farben, mit Ausnahme von gelb und blau, wovon nur die Courtiſanen von Profeſſion Gebrauch mach⸗ ten, die Schminke, das Färben der Brauen und Wimpern, um den Glanz der Augen zu erhöhen, der Reispuder zur Er⸗ zeugung weißer Schultern und Arme, die Schönpfläſterchen, die Corſets, alle dieſe Toilettenbedürfniſſe waren den Röme⸗ rinnen bekannt und ſie waren ebenſo geſchickt, Mängel zu verbergen, als die Schönheit ſelbſt noch zu erhöhen. Hatten dieſe Zaubermittel ihre angemeſſene Verwendung gefunden, ſo ſtellte ſich die Römerin vor einen ungeheuer großen Spie⸗ gel, der ihr erlaubte, ſich vom Kopf bis zum Fuß zu betrach⸗ ten:„specula totis paria corporibus.“ Es wurde wohl auch eine alte ausgediente Sclavin herbeigeholt, welche von der Nadel zum Spinnrocken degradirt war und deren Ausſpruch als Geſetz galt, ſo viel lag ihr daran, ſich zu vergewiſſern, daß ſie ſchön war. Daß eine ſolche Toilette ſehr viel Zeit wegnahm, wird man glauben, wenn Terenz darüber ſpotten konnte:„Dum moliuntur, dum comuntur, annus est (während ſie ſich ankleiden, während ſie ſich die Haare machen, geht ziemlich ein Jahr dahin). Ovid hat auch einen wahren Codex zum Gebrauch der Frauen entworfen, in welchem er ihnen empfiehlt, kein Mittel zu vernachläſſigen, um ihre Schönheit zu cultiviren.„Wie kann ich wiſſen,“ ſagt er, „wie die Weiße Deiner Haut entſtanden iſt? Betrachtet dieſe glänzenden Zierrathen, welche die Scene ſchmücken, prüfet ſie
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näher, es iſt nichts als ein mit einem dünnen Goldplättchen belegtes Stück Holz; aber es darf ſich kein Zuſchauer nähern, ehe Alles vollendet iſt, und nur ohne jeden Zeugen darfſt Du Deine künſtlichen Reize ſchaffen.“ Er verbreitet ſich auch über die Art und Weiſe zu lachen und zu weinen—„mit Thränen,“ fügt er hinzu,„erweicht man ſelbſt diamanten“— ſowie zu ſprechen, namentlich über das Anſtoßen der Zunge, als ob man ſtammle. Ferner beſchäftigt er ſich mit den Stellungen, die eine Frau bei großen Gaſtmählern, im Thea⸗ ter und auf der Promenade annehmen ſoll. 3
Betreten wir den Palaſt einer vornehmen Römerin bei einem Feſte im Jahre 30 oder 40 vor chriſtlicher Zeitrech⸗ nung.
Es iſt ſchon ſpät. Lange Reihen von Equipagen(car- ruca) fahren nach dem Palaſt, deſſen reich illuminirte Fagade die ganze Via ſacra beleuchtet(luxerit et tota flamma secunda domo ſagt Properz). Beide Thorflügel ſind geöff⸗ net, mit Blumen geſchmückte Laternen ſind längs der Trep⸗ penſtufen aufgehangen; im Veſtibul legt man die Mäntel und Pelze ab und empfängt dagegen eine elfenbeinerne Marke mit der entſprechenden Nummer. Hierauf fragt der Thür⸗ ſteher:„Wer biſt Du?“ und ruft laut den Namen aus. Die Herrin vom Hauſe hielt ſich nicht am Eingange der Salons auf, ſondern ganz hinten in einem Boudoir, wo ihre Freunde mit ihr die Eingeladenen erwarteten. War man endlich bis zu ihr durchgedrungen und gehörte man zu ihren näheren Bekannten, ſo drückte man ihr die Hand—„dextram dextra premat“—, außerdem begrüßte man ſie achtungsvoll, und wurde man ihr zum erſten Male vorgeſtellt, ſo nannte ein Ceremonienmeiſter den Namen, worauf man eine zierliche Verbeugung machte.
Was den Luxus des Feſtes betrifft, ſo iſt er ſchwer zu beſchreiben. Tauſende von Wachskerzen(cerei) verbreiten, wie Ovid ſagt, Fluthen ihres nächtlichen Lichtes, kryſtallene Kronleuchter hängen von der Decke herab. Eine elegante Menge erfüllt die Säle, die jungen Frauen verbreiten mit den köſtlichen Eſſenzen, mit denen ſie die Haare balſamirt haben, die herrlichſten Wohlgerüche, mit Schleifen verzierte Guirlanden bedecken Kopf und Schultern. Die Römerinnen liebten es leidenſchaftlich, ſich mit Edelſteinen zu ſchmücken, auch trugen ſie Handſchuhe und hielten reichgeſtickte Schnupf⸗ tücher in der Hand.
Das Feſt begann gewöhnlich mit einer Vorleſung von Poeſien, deren Gegenſtand eine Lobpreiſung des Amphitryon war. Sclaven brachten hierauf Kuchen, beſonders liba, eine Art von Pfefferkuchen, der ſehr beliebt war, Sorbets und Gefrornes. Dann wurde muſicirt oder getanzt. Ovid ſchilt heftig auf die jungen Leute, welche, wie es ſcheint, ſchon damals ſich gern vom Tanz zurückzogen.„Die einfachen Quadrillen(coronae saltantes),“ ſagt er,„langweilen Euch? Nun wohl, legt die Hand um die Taille Eurer Tänzerin und berührt mit Eurem Fuß den ihrigen.“(Velle latus digitis et pede tange pedem.) Scheint hiermit nicht unſer Walzer beſchrieben zu ſein?
Die älteren Gäſte plauderten mit einander und bei die⸗ ſer Gelegenheit bemerkt Ovid, nachdem er den Rath ertheilt hat, nicht nach dem Alter der Damen zu fragen, oder ob ſie ſchon beginnen, ſich graue Haare auszuzupfen, daß man gern von Pferderennen geſprochen und der Aerzte und ihrer Miß⸗ geſchicke bei ihren Kranken geſpottet habe. Die ſcherzhafte Frage:„Doctor, wie viel Menſchen haben Sie heute umge⸗ bracht?“„quem trucidasti hodie?“ datirt aus dem alten Rom. In einem beſonderen Salon ſpielte man Schach oder Würfel
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