136 Novellen⸗
Literariſche Briefe von Otto Banck.
Goethe's Frauengeſtalten von Adolf Stahr. (Schluß.)
Goethe hatte durch ſeine Verlobung, wie er ſich aus⸗ drückt, Gelegenheit erhalten„zu erfahren, wie es einem Bräutigam zu Muthe ſei“. Aber dieſe Erfahrung war für ihn keine angenehme, und wenn wir ſeine damals geſchriebenen Briefe an die Gräfin Auguſte Stolberg, die Schweſter ſeiner beiden bald zu erwähnenden Freunde, leſen, ſo gewinnen wir einen weit tieferen Einblick in den Zuſtand ſeines unruhig bewegten Innern, als ihn uns ſeine ſpätere Darſtellung im letzten Theile von Dichtung und Wahrheit zu gewähren vermag. Es geht aus dieſen Briefen unzweifelhaft hervor, daß die Liebe zu dem jungen reizenden Welt⸗ kinde Lili, an deren Seite er ſo oft auf feurigem Roſſe durch die grünen Fluren Frankfurts dahinſprengte, und deren ſüßer Stimme er mit Entzücken lauſchte, wenn ſie ihm die Lieder am Klavier ſang, die er für ſie gedichtet, ſein Herz nicht ganz, nicht allein erfüllte, daß er nicht umhin konnte, auch an andern„recht lieben und edlen weiblichen Seelen“ einen Antheil zu nehmen, der die Grenzlinie der Freundſchaft bei der damals in ihm und um ihn her herrſchenden Gefühlsüberſpannung nicht immer einhielt. Selbſt das Bedürfniß jenes Briefwechſels mit der jungen Gräfin Stolberg iſt ein Zeichen, daß ihn ſein Verhältniß zu Lili nicht ganz ausfüllte, und die damals entſtandene Dichtung ⸗Stella» iſt eigentlich nur der Ausdruck derſelben Empfindung. Zwar bemühte er ſich zu gleicher Zeit, ſich in Frankfurt für ſeine Verbindung mit Lili eine bürgerliche Stellung zu begründen, und Lili empfand es ſchwer, daß ihn dieſe Bemühungen öfter und mehr, als ihr lieb war, ihrem Dienſte entzogen; aber insgeheim lähmte ihn dabei doch immer wieder der Gedanke, daß doch Alles, was er in Frankfurt erlangen könne, nicht hinreichen werde, den Bedürfniſſen und Lebensgewohnheiten ſeiner Verlobten zu entſprechen. Dazu kam, daß die bereits damals mit dem jungen Fürſten von Weimar angeknüpfte Bekanntſchaft und die von demſelben erhaltene Einladung nach Weimar ihn in die Ferne lockte, hinaus aus den Beſchränkungen des verknöcherten reichsſtädtiſchen Lebens, aus der „quetſchenden Enge⸗ eines bürgerlich proſaiſchen Daſeins, hinaus in eine freiere Welt der Unabhängigkeit, wie ſie der poetiſche Geiſt jener Sturm- und Drangperiode ſich auszumalen liebte. Dahin deutet es, wenn er in dem in jenen Tagen ſeines wunderſamen Hin⸗ und Herſchwankens gedichteten Drama«Claudine von Villa Bella» den abenteuernden Rugantino ausrufen läßt:„Wo habt Ihr einen Schauplatz des Lebens
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Jeitung.
für mich? Eure bürgerliche Geſellſchaft iſt mir uner⸗ träglich! Will ich arbeiten, ſo muß ich Knecht ſein; will ich mich luſtig machen, muß ich Knecht ſein! Muß nicht einer, der halbweg was werth iſt, lieber in die weite Welt gehen?“
In die weite Welt ging er nun zwar für's Erſte nicht, wohl aber in die Schweiz, wozu ihn die beiden jungen Grafen Stolberg bei einem Beſuche, den ſie ihm in Frankfurt abſtatteten, dringend aufforderten. Er nahm ihre Aufforderung um ſo lieber an, als ſeine innere Unruhe über das Verhältniß, in welches er ſich verſtrickt ſah, bis zu einem ſolchen peinigenden Grade gewachſen war, daß er ſich„zu aller und jeder Thätigkeit unfähig fühlte“. Mit unbeſtimmter An⸗ deutung ſeines Vorſatzes,„aber ohne Abſchied“ trennte er ſich von Lili. Er wollte„den Verſuch machen, ob er ſie entbehren könne!“ Wer ſolchen Verſuch unter⸗ nimmt, iſt ſchon entſchieden.— Sein Vater beſtärkte ihn in dem Reiſeentſchluſſe auf's Aeußerſte, und rieth dringend, die Reiſe bis nach Italien auszudehnen; denn auch dem Herrn Rath ſchien Entfernung, und zwar eine möglichſt lange, als das beſte Mittel, um die ihm widerwärtige Verbindungs auf anſtändige Art zu löſen.
Unterwegs beſuchte Goethe ſeine Schweſter Cornelie in Emmendingen. Sie empfahl, ja„befahl“ ihm, wie er ſich bezeichnend ausdrückt, eine Trennung von Lili gleichfalls auf das Dringendſte. Die unbeugſam energiſche, aller Sentimentalität todtfeind⸗ liche, äußerlich reizloſe und von jeder ſinnlichen Ader freie Cornelie Goethe war innerlich und äußerlich der ſchärfſte Gegenſatz zu Lili, der ſich denken läßt, ihre Abneigung gegen dieſelbe daher um ſo tiefer und die Herrſchaft, welche ihr männlicher Geiſt über den weicheren Bruder ausübte, faſt eine unbeſchränkte zu nennen. Sie verſtand es, ihn im gegenwärtigen Falle
bei der Seite zu faſſeu, wo er am leichteſten zugänglich
war, indem ſie ihm ſein Feſthalten an der Verbindung mit Lili als eine Ungerechtigkeit gegen dieſe klüglich darzuſtellen wußte. Es ſchien ihr, wie ſie ihm ſagte, grauſam, ein ſolches Frauenzimmer, von dem ſie ſich die höchſten Begriffe gemacht hätte, aus ihrer glänzenden, lebhaft bewegten Exiſtenz herauszuzerren und in ein Haus und in Verhältniſſe wie die des Goetheſchen Vaterhauſes zu verſetzen, deren Enge und Schwere ſie ſelbſt nur allzuhart empfunden hatte. Ja, ſie gab ihm zu verſtehen, daß Lili ſelbſt eine heimliche Scheu und Abneigung gegen eine ſolche Verpflanzung hege. Er ſchied von der Schweſter, im Innern überzeugt, doch ohne ſich zu Entſchluß und Verſprechen aufraffen zu können,„mit dem räthſelhaften Gefühle im Herzen, woran die Leidenſchaft ſich fortnährt; denn Amor, das Kind, hält ſich noch hartnäckig feſt am Kleide
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