134
Wie der Blitz wandte ſie ſich wieder.„Herr Erhard, ſeid Ihr böſe auf Reſi Entzmann?!“
Schmerzlich lächelnd verſetzte er:„Nein, nein, nie fann man Reſi böſe ſein.“
Er ſtieg die Treppe hinab, er trat auf die Straße, er ging. Wohin und wie lange? Abend war's, als er das väterliche Haus wieder vor ſich ſah, und als er eintrat, lag tiefſte Ermattung auf ſeinen Augen und Marmorbläſſe auf ſeinem Antlitz. Wie er der Mutter einen guten Abend bot, klang ſeine Stimme leiſe wie aus dem Grabe..
Ein ſcharfer Blick genügte, da wußte Sabine genug, alles. Nur mit Mühe hielt ſie ihren Jubel zurück und ihr Gedanke lautete:„Er iſt gerettet!“ Es kam eine Stimmung über ſie, ſo milde, faſt herzlich, die Renatus' Bruſt zu anderer Zeit mit Entzücken erfüllt hätte; heute jedoch prallte ſie ab von ſeinem Herzen, das wie todt war.
„Haſt Du einen Wunſch?“ fragte ſie.
„Nein,“ entgegnete er, das Haupt ſchüttelnd.
„Vielleicht möchteſt Du ein anderes Land, andere Menſchen ſehen? Sprich doch, wenn Du einmal zu Deiner Erholung reiſen willſt?“
„Ach, mir iſt alles gleich!“ rief er, die Augen bedeckend und tief, tief ſeufzend.
Dann fragte ſie nicht mehr.„Die Zeit,“ dachte ſie,„iſt ja der beſte Arzt, und morgen ſchreibe ich nach Wien an Jungfer Tendlerin.“
Rabenſchwarze Nacht.
Immer verhaßter ward nun Thereſien der Aufent⸗ halt in dieſer Stadt, in die ſie ja bereits mit trüben Ahnungen eingezogen war. Sie wußte, daß ihr Freund litt, und dieſe Ueberzeugung raubte ihr alle Freudigkeit und allen Frieden. Hätte ſie nur weiterwandern können! Wie gern wäre ſie der ungewiſſen Zukunft entgegen⸗ gegangen und hätte den reichen Erwerb im Stich gelaſſen, der ſich hier ihr bot! Allein das Verſprechen, bis zum Chriſtfeſt auszuharren, band ſie an den Wirth des«goldnen Adlers«, der ſeit ihrem erſten Auftreten in ſeiner Schenkſtube alle Urſache hatte, vergnügt mit den Augen zu blinzeln und ſich beſtändig die Hände zu reiben.
Alſo mußte ſie bleiben. Wie geſagt, der im Bette verſteckte Strumpf, der den Geldbeutel vorſtellte, war ſchon wieder bis an den Rand gefüllt. Herr Friede⸗ mann Willmers theilte redlich; er war Anſelmus Brunner's würdiger Vetter, ebenſo freundlich und rechtſchaffen wie dieſer.
Und wieder ward die anſehnliche Summe jetzt gezählt, mit Hülfe Willmers' in Gulden umgepechſelt und nach Presnitz geſandt. Und ſo ſchnell oder langſam
Novellen⸗
Zeitung.
es ging, traf auch derweil ein Schreiben von Vater Entzmann ein. Reſi küßte faſt das Siegelwachs weich ſo ohne Maß war ihre Freude.
Der Brief war ſehr lang und der Grüße am Ende waren ſo viele, daß Reſi ſcherzend ausrief: „Schau, Seppi, jedes liebe Menſchenkind daheim iſt gelaufen gekommen!“ Zuerſt meldete Vater Entzmann den Eindruck, den ihre Leipziger Sendung gemacht. Wie ein neuer Geiſt, erzählte er, ſei es über die Presnitzer gekommen und wer bisher noch keinen Trieb und keine Kraft zum Wiederaufbau verſpürt, habe plöͤtzlich, als er das Geld in Händen gehabt, nach Meiſter Zimmermann gerufen. Er habe ſein Schulhaus längſt nothdürftig wiederherſtellen laſſen, und der ihm dabei die beſten Dienſte geleiſtet, ſei Joſef Kober geweſen. „Denk' Dir, Reſi, kaum warſt Du fort, da zog Joſef einen neuen Menſchen an. Er ritt hinüber nach Wehlen, verhandelte da ſein Pferd und kaufte ſich für das Geld Handwerkszeug und ging zum Meiſter Zimmermann in die Lehre. So lang er lebt, will er hier bleiben, ſagte er. Der Bürgermeiſter iſt nun ganz närriſch drüber, wie unſer todter Moor, wenn er'nmal einen Knochen kriegte, und Joſef ſpricht alle Tag bei mir ein und fängt immer gleich von Dir an. Wie's bekannt ward, daß von Dir ein Brief gekommen, waren die Beiden gleich bei mir, und wie ich nun die Stelle vorlas, wo Du ſagſt, Du wärſt Herrn Erhard ſo gut wie Deinem Bruder, was ich ganz natürlich finde, da ſprachen die Beiden was miteinander, wovon ich nichts verſtanden habe. Der Joſef nämlich wurd kirſchroth und rief: Da haben wir's! O hätt ich nur beim Abſchied geſagt, wie ich denk! Da haſt Du Deine Klugheit, Ohm!“ Und Walter ſchlug auf den Tiſch, daß er knackte, und rief: ⸗Halt den Mund, Junge, ja ich habe meine Klugheit! Wenn er ſie auch zehnmal freien will, ſie will doch nicht, ſie muß wieder her, ſie ⸗ iſt hier angewachſen! Behalt Du guten Muth und lern was und halt davon den Mund!“ So nämlich redeten die Beiden und ich theil Dir's mit, vielleicht findeſt Du einen Sinn... War das ein Jubel, als das Geld vertheilt wurd, aber der Pfarrer und der Bürgermeiſter und der Bader wollten keinen Kreuzer nehmen, und dem Joſef wurd nichts angeboten, weil er beim großen Brand nichts verloren hat, auch hätt er gewiß nichts genommen.“ Weiter erzählte Entzmann, wie unzählig oft er ihr Schreiben hatte vorleſen müſſen; er ſei ſeitdem noch völlig heiſer. Und alle Frauen und Mädchen hätten geweint und die Männer wären dageſtanden ganz beſchämt. Reſi habe das Ungemach der Fremde zu tragen, hätten ſie gerufen, und von ihr nähmen ſie Geld an! Ob's nicht wie
ein Almoſen und am Ende ſchimpflich wäre? Ein
i⸗
drauch ich D Dein armer, weil Du ſeine zuſ wie ich⸗ Ob ich auch die Worte, w mann werde ſechsmal rech Gleich ei ſie wieder un Sie weinte al ſe wcht, ald Dich, Deine und atbeite O. ſelige Was vwaren einen berau könne nicht doch, grade ſo rabenſchr ein ſchwache umtlammer Denn die Thür al
Stumm Erſtirbt Ein Hirf Und wie


