Er ging, er ging befriedigt. Denn trotz all’ ihrer äußeren Gleichgültigkeit hatte dennoch ſein ſcharfer Blick den Zweifel erkannt, der ſie beſchlichen. Das war ihm genug und er ſprach zu ſich:„Jetzt, Renatus, bin ich gerächt und Du, Du mußt gehorſam zu Kreuz kriechen. Ich kenne Deine Mutter!“
Und wirklich, ihr anfänglicher Zweifel wuchs und wuchs. Mit aller Kraft zwar ſtemmte ſich ihre Ver⸗ nunft dagegen, ſie wollte Alles für unmöglich, für einen fürchterlichen Scherz halten, aber dennoch, wenn ſie wieder ihres Sohnes Hang zur Schwärmerei gedachte und klar ward, wie wenig er hisher den Ruf des Hauſes und ſeine zukünftige Stellung in’s Auge gefaßt, ſo mußte ſie ſich dennoch geſtehen, daß die Unmöglichkeit leider nicht ausgeſchloſſen ſei. Wie mußte ſie jetzt ihren ganzen Muth zuſammenraffen, ruhig zu erſcheinen. Und was hätte ſie darum gege⸗ ben, hätte ſie gleich in dieſem Augenblick ein Ja oder Nein fordern und, wenn Erſteres erklungen, mit Letzterem antworten können! Doch verging faſt noch eine Woche, bevor Renatus zurückkehrte, und darum erreichten Sabinens Gedanken hin und wieder beinah die Höhe von Fieberphantaſien.
Endlich kam er an. Als ſie ihm entgegentrat, war ſie wieder völlig die kühle berechnende Sabine. Allein in ihren Worten, da ſie nach dem Stand des Geſchäftes fragte, lag doch etwas Haſtiges, und kaum hatte ſie vernommen, daß der engliſche Makler ſiegreich geſchlagen und das Korn unterwegs ſei, als ſie auch ſchon direct auf ihr Ziel losſteuerte.
„Ich höre,“ rief ſte,„Du biſt in ein Harfen⸗ mädchen mit Namen Entzmann verliebt. Willſt Du nicht zu ihr? Zufällig erfuhr ich, daß ſie ſich in Ber⸗ lin befindet.“
Nicht anders glaubte Renatus, als daß der Boden unter ſeinen Füßen wanke. Lange ſah er ſprachlos in das blitzende Auge der Muͤtter, dann ſtieß er hervor:„Der Fürſt! Der Fürſt war bei Ihnen!“
„Gewiß, das war er,“ verſetzte ſie mit ſcharfer
Betonung,„o, und er hat ſeine Schuld getilgt, er
iſt wieder der reiche Mann und, wie mir ſcheint, bei vollem Verſtande!“
„Der Elende!“
Dicht trat ſie vor ihn hin. Mädchen?!“
„Rede wahr! Durch Nacht zum Licht!“ rief ſein Herz, und da rief auch ſein Mund:„Gott weiß es, wie innig ich Thereſia liebe!“
Höhniſch lachte ſie auf:„Zum Scherz zu viel!“
„Mutter, welche Worte! Ich ſchwöre, es iſt mein
„Liebſt Du das
novellen⸗ Jeitung.
ſo ſei das Deiner Jugend verziehen, jetzt aber werde
„Du Narr!“ Ein paarmal durchkreuzte ſie das Gemach, dann blieb ſie wieder vor ihm ſtehen.„Mein ¼ Kind, Du dauerſt mich. Wann wirſt Du endlich ein⸗ ſehen, daß die Jahre, welche wir die thörichten nennen, vorüber? Haſt Du in Leipzig eine Liebelei angeknüpft,
ein Mann... ich fordere es!“ „Liebelei?“ fragte er mit dumpfer Stimme,„ſo nennen Sie das Heiligthum meines Herzens, das
Glück nennen Sie ſo, das meine ganze Seele erfüllt? Mutter, ich bete Thereſia an, und nur die Hoffnung, daß ſie meine Liebe erwidern wird, läßt mich das Furchtbare dieſer Stunde vergeſſen!“
Abermals ertönte ihr höhniſches Lachen:„Ab, immer beſſer, immer luſtiger! Gar an eine Heirath denkſt Du?“ 8
Er fühlte, daß von dieſer Antwort das Wohl ſeiner ganzen Zukunft abhing, er ſelbſt bewunderte ſeinen Muth, den die Macht der Liebe geweckt, der ihn anſpornte, ſich diesmal nicht vor der mütterlichen Autorität zu beugen.„Frau Mutter,“ rief er daher, „Sie ſprechen es aus. Wenn das Mädchen an dieſem Herzen ruhen will, wird mein Leben ein ewiger, ewiger Frühling ſein!“
„Genug!“ Und ſie warf die goldene Doo mit ſolcher Kraft auf den Tiſch, daß der Tabe Bücher und Papiere flog.„Willſt Du das
„Nein! Nein!“*
„Gut, ſo laufe zu ihr und mache ſie zu Deiner Herzliebſten. Das iſt denn doch einmal wieder ein herrlicher Skandal für die ganze Reſidenz. Aber merke wohl, Du allein biſt's, auf den man die ſpötti⸗ ſchen Pfeile abſchießen wird, denn Niemand wagt ſich an mich, an Sabine Erhard! Und vergiß auch das Eine nicht: Nach dem Teſtament Deines Vaters gehö⸗ ren Geſchäft und Vermögen mir, alſo kann ich frei darüber verfügen. Vermählſt Du Dich dem Harfen⸗ mädchen, wirſt Du mein Erbe nicht, ich ſchwör’s!“ Dann bleibt Dir Dein mütterliches Erbe. Knapp achttauſend Thaler... ha, ha, zum Lachen! Das wird
iſt der Bettler Renatus fertig! O, geh' nur, geh'!“
Oftmals hatten die Pagoden auf dem Kamin genickt, bevor Renatus wieder das Wort ergriff. Und als er nun anhob, da hatte ſeine Stimme etwas Getragenes, Feierliches.„Frau Mutter, ich werde gehen, ich muß Gewißheit haben. Wo ich Thereſia finde, ich weiß es; dieſer Zweifel raubt mir den Frieden... O, woran erinnern Sie mich? An mein mütterliches Erbe. Gewiß, das iſt kein unabſehbarer Schatz, da haben Sie Recht, aber ein ſicheres Fundament iſt's,
heiliger Ernſt!“
mädchen vergeſſen? Ja oder Nein?“ 4
aufgezehrt, dann kommen Sorgen und Noth und dann.
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Knabe. Da er, wie es nur zu geſteh ſr's Ler Sch untetbto den To


