126 Novellen Wie dem auch ſei, gegen Ende des Winters 1780 erhielt der Ritter von Langeac ein Billet, worin Herr A... ihn über zehn Tage zum Abendeſſen einlud. Man ſoupirte damals noch, und meine geheimen Denkwürdigkeiten verſichern, daß eine ſo lange vorher erhaltene Einladung eine feierliche Sitzung und ein Feſtmahl erſten Ranges anzeigte.
Er kam am beſtimmten Tage und Stunde und fand mußte alſo unthätig bleiben und, wie man in der Muſik zu
zehn Gäſte verſammelt, alle Freunde der Freude und leckeren Mahlzeiten. nicht aus dem Griechiſchen abgeleitet oder wenigſtens noch nicht im Gebrauche wie heute.
Bald wurde ein tüchtiges Eſſen aufgetragen. Man ſah unter Anderem einen ungeheuren Lendenbraten vom Ochſen, eine wohlgarnirte Fricaſſée von Hühnern, ein ſchönes Stück Kalbfleiſch und einen prächtigen gefüllten Karpfen.
Das Wort„Gaſtronom“ war damals noch
Zeitung.
lebt, der Appetit kam zurück, das Kopfweh verſchwand, ein ironiſches Lächeln ſchien ihren Mund zu vergrößern, ſie tran⸗
ken jetzt ihrerſeits auf die Geſundheit des Ritters, deſſen Kräfte erſchöpft waren. 3
Doch hielt er ſich noch wacker und ſchien dem Sturme die Stirne bieten zu wollen, aber beim dritten Biſſen empörte ſich ſeine Natur und ſein Magen drohte ihn zu verrathen, er
ſagen pflegt, Pauſen zählen.
Was fühlte er aber nicht, als er bei dem dritten Wechſel Dutzende von kleinen Schnepfen erſcheinen ſah, die auf herr⸗ lichen Brodſchnitten in blühendweißem Fette ruhten; als ein Faſan kam, damals ein ſeltener Vogel, der von den Ufern
der Seine geſchickt worden war; als ein friſcher Thunfiſch
und Alles, was die Küche und der Backofen der Zeit an
All' das war ganz ſchön und gut, entſprach aber in den feinen Zwiſchenſpeiſen erzeugen konnte, aufgetragen wurden!
Augen des Ritters nicht den Hoffnungen, die er auf eine Einladung auf zehn Tage hinaus geſetzt hatte.
Noch eine andere Sonderbarkeit fiel ihm auf. Die Gäſte, die ſonſt vortrefflichen Appetit hatten, aßen entweder gar nicht oder thaten nur ſo; der Eine hatte Kopfweh, der Andere einen Schauder, der Dritte hatte ſpät zu Mittag gegeſſen, der Vierte die Einladung vergeſſen und ſchon etwas geknuspert. Der Ritter wunderte ſich über den Zufall, der ſo ungeſellige Anlagen auf den heutigen Abend vereinigt hatte, und da er alle dieſe Invaliden erſetzen zu müſſen glaubte, griff er kühn an, ſchnitt tüchtig zu und ſtopfte ſo viel wie möglich ein.
Der zweite Gang beruhte auf nicht minder ſoliden Grundlagen. Ein gewaltiger Truthahn von Crémieu ſtand einem blaugeſottenen Hechte gegenüber, und war wie gewöhn⸗ lich von ſechs Zwiſchengerichten begleitet, unter denen Maca⸗ roni mit Parmeſankäſe ſich auszeichneten.
Bei dieſer Erſcheinung fühlte der Ritter ſeine zu Ende gehende Tapferkeit ſich neu beleben, während die Anderen den letzten Seufzer auszuſtoßen ſchienen. Gehoben durch die Aenderung der Weine, triumphirte er über ihre Ohnmacht,
und trank auf ihre Geſundheit zahlreiche Gläſer, womit er
ein großes Stück Hecht begoß, das dem Schenkel des Trut⸗ hahns gefolgt war.
Er that den Zwiſchenſpeiſen der Reihe nach alle Ehre an, und vollendete glorreich ſeine Laufbahn, indem er ſich nur ein Stück Käſe und ein Glas Malaga für das Deſſert reſervirte, denn er aß niemals Zuckerwerk.
Wie man ſieht, hatte er ſchon zwei Ueberraſchungen während des Abends gehabt, die erſte, ein zu ſolides Eſſen zu finden, die zweite, ſich unter ſo ſchlecht disponirten Gäſten zu ſehen;— er ſollte noch eine dritte, weit größere Ueberra⸗ ſchung erleben..
In der That trugen die Diener, ſtatt das Deſſert zu ſerviren, Alles ab, was auf dem Tiſche war, ſelbſt Tiſchtü⸗ cher und Silberzeug, deckten auf's Neue und ſetzten vier Entrées auf, deren Geruch ſich zum Himmel hob.
Da waren Kalbsmilcher mit Krebsſauce, Karpfenmilcher mit Trüffeln, ein geſpickter und gefüllter Hecht und Stein⸗ hühnerbrüſte mit Champignons.
Wie jener ſteinalte Zauberer, von dem Arioſt berichtet, nur ohnmächtige Verſuche machte, um die ſchöne Armida zu bezaubern, die er in ſeiner Gewalt hatte, ſo war der Ritter bei dem Anblick ſo vieler guten Dinge, denen er keine Ehre mehr anthun konnte, förmlich niedergeſchmettert, und er begann zu vermuthen, daß man ſchlechte Abſichten gehabt habe.
Die übrigen Gäſte im Gegentheil ſchienen wie neu be⸗
Er rathſchlagte und war auf dem Punkte zu bleiben,
fortzufahren und als Tapferer auf dem Schlachtfelde zu V ſterben.
Dies war der erſte Schrei der wohl oder ſchlecht verſtandenen Ehre. Aber bald kam der Egoismus ihm zu
V Hülfe und brachte ihm gemäßigtere Gedanken bei.
Er bedachte, daß die Klugheit in einem ſolchen Falle keine Feigheit iſt, daß der Tod aus Unverdaulichkeit etwas Lächerliches hat und daß die Zukunft ihm ganz gewiß einige V Entſchädigung für ſeine Täuſchung bieten werde. Er ent⸗ ſchloß ſich, warf ſeine Serviette weg und ſagte zu dem Ban⸗ kier:„Herr! Man ſetzt ſeine Freunde nicht in ſolcher Weiſe aus. Das iſt eine Treuloſigkeit von Ihrer Seite, ich werde Sie im Leben nicht wiederſehen.“ Sprach's und verſchwand. Sein Abgang fiel nicht ſehr auf, er verkündete nur den Erfolg einer Verſchwörung, welche man gemacht hatte, ihm ſein gutes Eſſen vorzuſetzen, das er nicht verzehren könne. Jedermann war im Geheimniß.
Indeſſen grollte der Ritter länger, als man dachte. Es bedurfte einiger Zuvorkommenheiten, um ihn zu beſänftigen. Endlich kam er mit den Baumpiepern wieder, und dachte bei
hatte.
Die Abnahme der alten Krieger.
In Paris iſt jetzt der 79 Jahr alte Diviſions⸗General Parchappe geſtorben, der den Feldzügen des erſten Kaiſer⸗ thums beigewohnt hat. Bei dieſer Gelegenheit bemerken die Pariſer Blätter, daß die Zahl der Krieger, welche unter Napoleon I. gekämpft haben, und die jetzt noch der franzöſi⸗ ſchen Armee angehören, ſehr zuſammengeſchrumpft iſt, ſo daß man ſie mit leichter Mühe zählen könne. Im activen Dienſt finde man ſie nur noch unter den Marſchällen und den Divi⸗ ſions⸗Generälen, welche ein Ober⸗Commando bekleidet hätten, und die deshalb nicht in die ſogenannte Reſerveſection verſetzt, d. h. verabſchiedet würden. 7
Vier der jetzt lebenden Marſchälle haben ein Recht auf die St. Helenamedaille, weil ſie vor 1815 gedient haben, und zwar Graf Valllant, der als Ingenieur⸗Capitain an der Schlacht bei Waterloo Theil nahm; Baraguay d'Hilliers, der als junger Cavallerie⸗Officier 1813 in der Schlacht von Leipzig ſchwer verwundet wurde; Randon, welcher zuerſt als Unterofficier, dann als Officier 1812 den Feldzug in Ruß⸗ land mitgemacht hat und 1815 dem Generalſtabe ſeines Oheims, des Generals Marchand, attachirt war; Regnault de Saint⸗Jean⸗d'Angely, der zur Zeit des erſten Kaiſerthums ein ſehr junger Cavallerie⸗Officier war, denn er trat erſt im
den Trüffeln nicht mehr an den Streich, den man ihm geſpielt
Sepenber 1813 den 1 nalt beim d Tagferet Von] noch: der „Ornano im ackioen, bei Auſuei Unti welche drſ noch nann 1815 kihe Marui d denzeul ang bi ſimm Fabdzuge ge 5 6 d him Maͤd daen einund Was d vährend der haben, ſo fi üffieiere un Zahl derer s foſt als Stodi oder Die
die Stern Alle Napoleon ger Diviſi Gräd der 1848) fün v de
G
General acht von Un von der zehn von ſidentſcha Die Zahl abg beträgt 1
We die jetzge lebende h anem Co ſind oder
J Oſtind geſproch von ein fahren; in Perſe eine aus richtung.


