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und merke auf: Gaſterea, die ſchönſte aller Muſen, begeiſtert mich; ich werde verſtändlicher ſein als ein Orakel und meine Vorſchriften werden Jahrhunderte dauern.
„Die Zahl der Gäſte ſoll zwölf nicht überſchreiten, damit die Unterhaltung ſtets allgemein ſein könne.
Die Gäſte ſollen ſo gewählt ſein, daß ihre Beſchäftigung zwar verſchieden, ihr Geſchmack dagegen ähnlich ſei, und ſie ſollen Berührungspunkte genug haben, damit man der unleid⸗ lichen Formalitäten des Vorſtellens überhoben ſei.
Der Speiſeſaal ſoll ſplendid erleuchtet, das Tiſchzeug außerordentlich rein und die Luft des Zimmers zwiſchen 13— 16 Grad Réaumur erwärmt ſein..
Die Männer ſollen witzig ohne Anmaßung, die Frauen liebenswürdig ohne allzuviel Koketterie ſein.
Die Speiſen ſollen ausgezeichnet gewählt, aber nur wenig zahlreich ſein, und die Weine, jeder in ſeiner Art, von vor⸗ züglicher Qualität.
Die Reihenfolge der Speiſen ſoll von den kräftigen zu den leichten fortſchreiten, diejenige der Weine von den leichten ſüffigen zu den ſchweren Sorten.
Die Verzehrung ſoll mäßig voranſchreiten, da das Nacht⸗ eſſen die letzte Tagesbeſchäftigung iſt; die Gäſte ſollen zuſam⸗ menhalten, wie Reiſende, die zugleich an demſelben Ziele an⸗ kommen wollen.
Der Kaffee muß kochend und die Liqueure ganz beſon⸗ ders fein gewählt ſein.
Der Salon, in dem die Gäſte nach dem Eſſen weilen, ſoll groß genug ſein, um eine Spielpartie für diejenigen zu organiſiren, die es nicht laſſen können, und doch Raum für die Geſpräche nach Tiſche zu gewähren.
Die Gäſte ſollen durch die Annehmlichkeit der Geſell⸗ ſchaft zurückgehalten und durch die Hoffnung belebt werden, daß der Abend nicht ohne weitere Vergnügungen vorübergehen werde.
Der Thee ſoll nicht zu ſtark ſein, die Butterſchnitten reichlich fett und der Punſch ſehr ſorgfältig angemacht.
Vor elf Uhr ſoll man nicht weggehen, aber auch um Mitternacht Jeder im Bette ſein können.“
Wer bei einer Mahlzeit war, die alle dieſe Bedingun⸗ gen vereinigte, kann ſich rühmen, ſeiner eigenen Apotheoſe beigewohnt zu haben; je mehr dieſe Regeln vernachläſſigt wurden, deſto weniger Vergnügen wird man gehabt haben.
Ich habe behauptet, daß das Tafelvergnügen, ſo wie ich es bezeichnet habe, einer ſehr langen Dauer fähig iſt; ich will vies beweiſen, indem ich die umſtändliche und wahrheitsgetreue Beſchreibung des längſten Mahles gebe, welches ich in meinem Leben mitgemacht habe: es iſt ein Zuckerplätzchen, das ich meinem Leſer aus Dank für die Gefälligkeit, die er gehabt hat, mich bis hierher zu leſen, in den Mund ſtecke. Alſo:
Ich hatte hinten in der Rue du Bac eine Familie von Verwandten, folgendermaßen zuſammengeſetzt: der Doctor, 78 Jahre alt; der Capitän, 76 Jahre; ihre Schweſter Jea⸗ nette, 74 Jahre. Ich beſuchte ſie zuweilen und ſie empfingen mich ſtets ſehr freundſchaftlich.
„Wohlan,“ ſagte mir eines Tages der Doctor Dubois, indem er ſich auf die Zehen ſtellte, um mir auf die Schulter klopfen zu können,„Du rühmſt uns ſchon ſo lange Deine Fondues(Eier mit Käſe zuſammengerührt) und machſt uns damit den Mund wäſſern, daß es ein Ende haben muß! Der Capitän und ich wollen einmal bei Dir frühſtücken, da⸗ mit die armen Seelen Ruhe bekommen.“(Es war, glaube ich, um 1801, als er mich ſo neckte.)„Mit Vergnügen,“ erwiderte ich,„Sie ſollen'ſie in ihrer ganzen Glorie haben
Novellen⸗
Zeitung.
— ich werde die Fondue ſelbſt machen. Ihr Vorſchlag macht mich glücklich. Alſo morgen um zehn Uhr— militä⸗ riſch!“
Zur angezeigten Stunde kamen meine beiden Gäſte, raſirt, friſirt und gepudert; zwei kleine Greiſe, aber vollkom⸗ men friſch und geſund.
Sie lachten vor Vergnügen, als ſie die Tafel gedeckt ſahen; blendend weißes Tiſchzeug, drei Gedecke und an jedem Platze zwei Dutzend Auſtern mit einer goldenen glänzenden Citrone.—
An beiden Enden der Tafel ſtand eine Flaſche Sauterne, wohl abgeſtäubt mit Ausnahme des Stopfens, der mit Sicher⸗ heit anzeigte, daß der Wein ſchon ſeit langer Zeit abgezo⸗ gen ſei.
1 Ach Gott! Ich habe ganz oder beinahe dieſe Auſtern⸗ frühſtücke verſchwinden ſehen, die früher ſo häufig und ſo fröhlich waren, wo man die Auſtern zu Tauſenden verſchlang! Sie ſind dahin gegangen mit den Abbés, die niemals weni⸗ ger als ein Groß(12 Dutzend) ſchlürften, und mit den Rit⸗ tern, die nie enden konnten. Ich weine ihnen nach, aber als Philoſoph; wenn die Zeit ſogar die Regierungen wegſtäubt, warum ſoll ſie nicht daſſelbe bei einfachen Gebräuchen thun?
Nach den Auſtern, die man ſehr friſch fand, kamen Nie⸗ renſchnittchen am Spieße, eine Gänſeleber⸗Paſtete mit Trüf⸗ feln und zuletzt die Fondue.
Die zu ihrer Bereitung dienenden Stoffe lagen in einer Kaſſerole, welche mit einem Weingeiſtbrenner auf den Tiſch gebracht wurde. Ich arbeitete auf dem Schlachtfelde und die Vettern verloren keine meiner Bewegungen aus den Augen.
Sie lobten die Reize dieſer Zubereitung und verlangten das Recept, das ich ihnen auch gab und zwei Anekdoten dazu erzählte, die der Leſer vielleicht an einem anderen Orte finden wird.
Nach der Fondue kamen die Früchte der Jahreszeit, Con⸗ fituren, eine Taſſe echten Mokkas nach Dubelloy, dann zwei Arten Liqueur, ein ſtarker zum Magenputzen, einanfter zum Schmeidigen.
Nach dem Frühſtück ſchlug ich meinen Gäſten vor, ſich einige Bewegung zu machen und zu dieſem Zwecke meine Zimmer zu beſichtigen, die zwar nicht ſehr elegant, aber geräumig und bequem ſind, und in denen meine Freunde ſich um ſo heimiſcher fanden, als die Decken und Vergoldun⸗ gen aus den Zeiten Ludwig's XV. ſtammen.
Dann zeigte ich ihnen einige Abgüſſe der ſchönſten Antiken, einige werthvolle Malereien, meine Jagdgewehre, meine muſikaliſchen Inſtrumente und einige ſchöne franzöſiſche und fremde Werke.
Bei dieſer vielwiſſenſchaftlichen Reiſe wurde ſogar meine Küche nicht vergeſſen. Ich zeigte ihnen meinen ökonomiſchen
Kochofen, mein Bratöfchen, meinen Bratenwender mit Uhr⸗
werk, meinen Verdampfer. Sie unterſuchten Alles mit klein⸗ licher Sorgfalt und verwunderten ſich um ſo mehr, als bei ihnen noch Alles ſo zuging, wie zu den Zeiten der Regent⸗ ſchaft.
Als wir in den Salon zurückkamen, ſchlug es zwei Uhr. „Peſt!“ ſagte der Doctor,„da ſchlägt es zwei und Schweſter Jeanette erwartet uns zum Eſſen! Wir müſſen fort zu ihr. Ich verſpüre zwar keine große Eßluſt, aber ich muß meine Suppe haben. Das iſt eine alte Gewohnheit und wenn es mir begegnet, daß ich keine eſſe, ſage ich mit Titus: Diem perdidi!(Ich habe einen Tag verloren!)“„Lieber Doctor,“ antwortete ich,„warum wollen Sie ſo weit gehen, um das
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