Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
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das mit dem bezeichnenden Ausrufe:Liebe, Liebe, laß mich los! ſchließt. Aber die Liebe ließ ihn diesmal nicht los; dasZauberfädchen ſchien un⸗ zerreißbar und das erſte Gedicht fand ſeine Fortſetzung in jenem zweiten ebenfalls an Lili, die hierBelinda genannt iſt, gerichteten Liede, das ſeine Klage aus⸗ ſpricht über die ihm auferlegte bittere Nothwendigkeit, ſich in dem nichtigen Glanze leerer Geſelligkeit der Liebſten zu Gefallen umhertreiben, ihr zu Liebe die ſchönſten Mondſcheinabendeam Spieltiſche aus⸗ halten undoft ſo unerträglichen Geſichtern ſich ge genübergeſtellt ſehen zu müſſen. Aber doch ſchließt dies Gedicht noch mit dem Bekenntniſſe, daß die Geliebte ihn das alles vergeſſen laſſe:

Reizender iſt mir des Frühlings Blüthe

Nun nicht auf der Flur;

Wo Du, Engel, biſt, iſt Lieb und Güte,

Wo Du biſt, Natur.

Das Verhältniß war allmählich ein engeres ge⸗ worden. Der junge Dichter hatte von den Lippen des reizenden Weſens das Geſtändniß gehört, daß ſie anfänglich auch an ihm nur die Kraft ihrer Gabe anzuziehen habe verſuchen wollen, daß ſie aber dafür ihre Strafe dadurch gefunden habe, daß ſie auch ihrerſeits von ihm angezogen und gefeſſelt worden ſei. Sein Herz jubelte auf bei dieſem Geſtändniſſe, und dasMailied überſchriebene Lied:

Wie herrlich leuchtet Mir die Natur ꝛc.

iſt der Ausdruck des Entzückens, mit welchem er dieſe Kunde vernahm. Doch gab es auch nur zu bald Stunden, in welchen ihn das Gefühl einer gewiſſen innerlichen Unzuſammengehörigkeit, verbunden mit der peinigenden Empfindung, welche Lili's Luſt und Be⸗ thätigung ihrer unwiderſtehlichenAnziehungsgabe wie er die Koketterie des leichtherzigen, weniger tief angelegten als glänzend begabten, aber eben wegen dieſer heitern Leichtherzigkeit nur um ſo un⸗ widerſtehlicheren Mädchens nennt faſt zur Ver⸗ zweiflung brachte. Aus dieſer Stimmung entſtand das kleine DramaErwin und Elmire, in welchem die Gefallſucht einer Geliebten, die dem Liebhaber zur Pein wird, das Thema bildete. Es mochte eine Warnung für Lili ſein ſollen, und da dieſe Warnung noch nicht ſtark genug war, ſo verſtärkte er die Gabe in dem GedichteLili's Park, das Kaulbach mit ſeinem Bilde verkörpert hat.

Das Gedicht ſelbſt bedarf kaum einer weiteren Erklärung. Die proſaiſche Schilderung, in welcher Goethe im letzten Theile vonDichtung und Wahr⸗ heit das Beſtreben der reizenden Zauberin inmitten des Schwarmes ihrer jungen und ältern Verehrer dargeſtellt hat, wird hier poetiſch zu dem Bilde einer

Novellen⸗

Zeitung.

modernen Circe, die umgeben von einem Gehege ver⸗ zauberter Thiere, unter denen Goethe ſelbſt, der Un⸗ geberdige, oft genugbrummend unzufrieden Schmol⸗ lende, als Bär figurirt. Die gewandte Leichtigkeit und artige Neckerei, mit der die Schöne jedem ihrer Verehrer etwas Artiges und Freundliches zu ſpenden wußte, wird in dem Gedichte durch das Futterkörbchen veranſchaulicht, aus welchem ſie jeder Creatur eine Gabe zuzuwerfen weiß. Es iſt ein Gelegenheitsge⸗ dicht im vollen Sinne des Wortes, ein geiſtreicher Scherz mit der Schnelligkeit und dreiſten Sicherheit des jugendlichen Genius hingeworfen nach einem ſolchen Geſellſchaftsabende, an welchem Lilt ihre Gabe, alle Welt anzuziehen, mit ganz beſonderer Meiſter⸗ ſchaft und zu ganz beſonderer Unzufriedenheit Goethe's geübt haben mochte. Aber es iſt ein Scherz, dem auch der Ernſt nicht fehlt. Wenn Lili am Tage nach jenem Abende das ihr zugeſandte Blatt las, in deſſen wild hingewühlten Zeilen ihr das Bildihrer Koket⸗ terie in ſprechender Klarheit und farbiger Kraft ent⸗ gegentrat, da mochte ſie doch wohl betroffen werden über den faſt drohenden Ernſt des Schluſſes, an welchem der Dichter ausruft:

Und Ich! Götter iſt's in euren Händen,

Dieſes dumpfe Zauberwerk zu enden,

Wie dank' ich, wenn ihr mir die Freiheit ſchafft!

Doch ſendet ihr mir keine Hülfe nieder

Nicht ganz umſonſt reck' ich ſo meine Glieder:

Ich fühl's, ich ſchwör's! Noch hab' ich Kraft!

Und es ſollte ſich zeigen, daß er ſie hatte, wenn wir nicht lieber ſagen wollen: es ſollte ſich zeigen, daß die Verſtrickung doch nicht ſo feſt, die Gewalt der Neigung, die ihm die Zauberin eingeflößt hatte, doch nicht ſtark genug geweſen war, um eine Alles vergeſſende, Alles überwindende Leidenſchaft daraus hervorgehen zu laſſen, jene Leidenſchaft der Liebe, die Alles duldet, Alles trägt, dieſtark iſt wie der Tod und feſt wie Scheol ihr Wille. Dieſe Liebe, wenn er ſie je gekannt, hat Goethe erſt ſpäter empfunden, empfunden, als es zu ſpät war für ſein Glück.

Der weitere Verlauf ſeines Liebeshandels mit der ſchönen Lili iſt folgender. Goethe ſchmachtete fort in den Feſſeln, ohne ſie weder zerreißen, noch ſein Verhältniß zu einem beſtimmten Abſchluſſe bringen zu können; und Lili, die reizend Uebermüthige, wiegte ſich mit Behagen in der Herrſchaft, die ſie über den ſchönſten und begabteſten jungen Mann ihres Kreiſes ausübte, ohne ſelbſt den inneren zwingenden Drang zu fühlen, ihre ſechzehnjährige Freiheit um das Band der Ehe hinzugeben. Das gab dann ein quälendes Verhältniß, welches zuletzt beide Liebende gleichzeitig peinigte und drückte, bis ein Deus oder vielmehr

eine Dea ex machina ihnen zu Hülfe kam. Eine mit

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