118 Reichthums, dabei bemerkend, daß wohl der Pfarrer und Bürgermeiſter und Bader die Annahme verweigern würden, da ja das Feuer ihre Häuſer verſchont hätte; dann ſchrieb ſie weiter:„Verbraucht's mit Geſundheit und wenn es all iſt, wird die Reſi, wenn der liebe Gott es will, ſchon mehr ſchicken. Die Meſſe iſt gleich vorbei und Onkel Anſelmus macht ein Geſicht, wie der Horſtbäuerin ihr Aelteſter machte, als er nämlich von Vater Hiebe kriegte, weil er die heiligen Bitten nicht lernen wollt. Weiß Vater das noch? Aber nicht deßhalb macht Onkel ſolch ein Geſicht, weil's leerer in ſeinem Keller wird, nein, weil ich und der Seppi fortmüſſen, deßhalb ſchleicht er herum wie die Katze um den Milchbrei⸗ Er ſpricht von Berlin und ach, er iſt ſo ſeelensgut, und in Berlin hat er einen Vetter, der ein großes Schenkhaus hat, und an den hat er wegen uns geſchrieben. Tante Chriſtine weint oft und küßt mich. Und wenn dieſer Brief naß bei euch ankommt, ſo dürft ihr euch nicht ein biſſel wundern, denn meine beiden Augen ſind ſo thränigt, als ob ich Zwiebeln geſchnitten hätt. Und nun muß ich ſchließen, weil die Feder nicht mehr ordentlich fort will. Beten thun wir für uns und für euch alle Morgen und alle Abend, und grüßen thun euch tauſendtauſendmal Reſi und Seppi Entzmann.
Nachſchrift. Eben macht Onkel die Thür auf und erzählt, daß die ſchlechten Menſchen, die damals auf dem Markt eingefangen wurden, morgen ganz früh auf's Rad geflochten werden. Nachbar Seifen⸗ ſieder hat's geſagt, und der weiß das ganz genau. Auch ſagte Onkel noch, daß er auf den Abend wegen Berlin mit mir reden wollt, denn ſein Vetter hätt Antwort gegeben.
An den Joſef noch einen ganz beſondern Gruß. Ich und Seppi reden viel, viel von ihm. Wär damals der Joſef dabei geweſen, als der vornehme Herr auf mich loskam, dann hätt Herr Renatus Erhard getroſt ſchweigen können.— Gott behüt euch!“
Wie oft ward dieſer Brief noch durchgeleſen, bevor ihn Herr Brunner mit gelbem Siegelwachs ſchloß und nebſt der angedeuteten Summe auf die Poſt trug. Ganz ſtill kehrte er wieder zurück und verharrte in dieſem Schweigen bis zum Abend. Dann erſt, als er nebſt Chriſtinen, Renatus, Reſi und Seppi um den Tiſch ſaß, ſeufzte er tief auf und ſagte:„Kinder, ich möchte, ich wär' ein reicher Mann.“
„Pfui, Brunner!“ rief da Chriſtine,„ſo zu reden! Leiden wir denn Noth?“
„Gott Lob und Dank! nein,“ verſetzte er raſch, „aber wenn ich reich wär', müßten uns das Prachtmädel
Novellen⸗Zeitung.
„Ja ſo, ja ſo, das iſt etwas anderes!“ Und nun ſeufzte auch ſie. „Fort?“ fuhr Renatus empor, indem ein Schatten über ſeine Stirn zog,„wohin, Jungfer Entzmann?“ „Nach Berlin,“ erwiderte ſie leiſe und langſam, ſich abwendend, eine Thräne zu zerdrücken. „Nach Berlin!“ Laut rief es ſein Mund und jubelnd ſeine Seele; und dabei zuckte wie der Blitz der Gedanke durch ſein Haupt:„Was Dir hier das Schickſal zu verſagen ſcheint, wird es Dir dort gewähren. Dort wird der Gott der Liebe Dir gnädiger lächeln und Du wirſt ihr ſchwören können: ich liebe Dich! werde mein!“ Wieder nahm Brunner das Wort:„Wär's doch immer Meſſe! Außerdem aber iſt's in meinem welt⸗ berühmten Keller ſtill, denn die Fremden fehlen und die Leipziger ſind gar ſolide Leute. Darum heißt es jetzt in den ſauern Apfel beißen. Alſo Reſi, mein Vetter hat Antwort gegeben, Beide ſollt ihr ihm willkommen ſein. Er wohnt in der Kurſtraße im -goldenen Adler⸗ und...“ 1.
„Heißt Friedemann Willmers,“ unterbrach Renatus. „Gratulire zu ſolch' einem Vetter, er iſt ein Ehrenmann.“
„Woher wißt denn Ihr das, Herr Erhard? Ja ſo, ich vergaß, Ihr ſeid ja in Berlin zu Hauſe... Doch wohnen könnt ihr beim Vetter nicht, liebe Kinder, in ſeinem Adler⸗ fehlt's an Raum. Aber er iſt auf etwas anderes verfallen, nämlich auf ein Stübchen und Kämmerchen, welche bei ſeiner Nachbarin leer ſtehen.
„Wenn's nur in der Stube ſo recht ſchmuck iſt,“ bemerkte Seppi dazu,„ich bin mit vier Wänden und, wenn's ſein muß, auch mit einem Stohbund zufrieden.“
Thereſia hingegen ſagte nichts. Eine Wolke lagerte auf ihrer Stirn und trübe Wehmuth umflorte ihr Auge. Wieder ſeufzte Chriſtine tief, tief, und Anſelmus ſchüttelte ſo heftig das Haupt, daß eine ganze Puderwolke es umwallte.
dem Mädchen Troſt zuzuſprechen, und deßhalb ſagte er nun:„Ich ſehe es Euch an, liebe Jungfer, Ihr fürchtet Euch vor der Reſidenzſtadt Berlin. Doch ſeid ohne Sorge. Willmers iſt ein Ehrenmann, wie geſagt, und daß ich mich ſofort nach Euerm Wohlſein umſehen, daß ich mit Eurer Erlaubniß oft kommen werde und...“
Schnell wie der Sturmwind ſprang ſie empor und ſtieß mit einer nie an ihr bemerkten Heftigkeit aus:„Tauſend Dank dafür, Herr Erhard... gewiß,
und der Prachtjunge einſt die Augen zudrücken, will ſagen, ich ließe ſie nie wieder von mir.“
Ihr meint es ſo gut mit mir armem Kind, aber der Schein könnt' gegen mich ſein... und unſer Pfarrer
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Auch iſt dieſe damit einverſtanden, euch aufzunehmen.“
Da glaubte Renatus, daß es ſeine Pflicht ſei
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