Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
108
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Melancholie und meine geſtrigen Leiden waren nichts im Vergleich zu heute. Meine Frau weinte und ſtöhnte den ganzen Tag, meine Befehle wurden nicht befolgt, meine Kinder liefen weg, wenn ich mich ihnen näherte, keiner meiner Hunde gehorchte meinem Ruf. Dazu die Nachbarn, welche kamen, um ſich zu erkundigen, was vorgefallen ſei, und vor welchen ich mich beſtändig verſteckte und mir das Geſicht zu⸗ hielt, als wenn ich den Ausſchlag hätte. Am übernächſten Morgen fühlte ich mich ganz ſchwach und krank, die Bruſt war mir wie zugeſchnürt, daß ich kaum athmen konnte, der Magen war eingeſchrumpft, ſeit drei Tagen hatte ich keinen Biſſen genoſſen. Ich empfand eine Art Schwindel, daß ich wirklich kaum wußte, ob ich meinen Kopf oder eine Waſſer⸗ melone auf den Schultern trug. Meine Frau fuhr fort zu klagen und die Kinder zu ſchreien; ich dachte an den Tod und war nahe daran, mir einen Prieſter holen zu laſſen. Aber Gott wollte in ſeiner Barmherzigkeit meine Kin⸗ der nicht zu armen Waiſen werden laſſen; plötzlich wurde mir Gregor Gregorowitſch Saſcharſchenko angemeldet. Das war ein Mann, der die Artlkel des Codex an den Fingern herzählen konnte, und man behauptete, daß ſelbſt die perſoni⸗ ficirte Chicane einen Proceß gegen ihn verloren haben würde, wenn ſie ſich hätte mit ihm meſſen wollen. Als er mich ſah, wich er zwei Schritte zurück. Was iſt Dir denn zugeſtoßen, mein Lieber? rief er

aus.

Meine Stunde hat geſchlagen, ich bin zum Sterben bereit, antwortete ich.

Schweig mit Deinen Narrenspoſſen, dazu müßte man Dich mit Keulen erſchlagen, ſogar in dem erbärmlichen Zu⸗ ſtande, ich welchem ich Dich finde. Aber wenn ich Dich näher betrachte, haſt Du Dich ungeheuer verändert und biſt erſchrecklich häßlich geworden, wie geht das zu?

Biſt Du denn blind? entgegnete ich.

Das nicht! Ach, jetzt ſehe ich es erſt, Du haſt Dir den Schnurrbart abgeſchnitten!

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Warum nur?

Weil ich die unglückliche Idee hatte, den Rathſchlägen einer Menge Leute zu folgen, welche beſſer thäten, ſich um ihre eigenen Angelegenheiten zu bekümmern. Ich bin in den Civildienſt getreten und habe folglich nicht mehr das Recht, einen Schnurbarrt zu tragen.

Wer ſagt Dir das, Du Dummhut?

Niemand mehr oder weniger als Se. Excellenz, der Herr Präſident in eigener Perſon.

Se. Excellenz mag mir erlauben zu ſagen, daß ſie albernes Zeug ſchwatzt. Du haſt doch den Militärdienſt verlaſſen mit der Erlaubniß die Uniform zu tragen?

Gewiß! Aber was beweiſt das? G

Das beweiſt einfach dieſes, daß der Schnurrbart noth⸗ wendig zur Militäruniform gehört. Haſt Du alſo die Uni⸗ form, ſo haſt Du auch den Schnurrbart.

Iſt es möglich? Wie? Haſt Du mich aber auchznicht zum Beſten?

Ich werde Dir den Ukas zeigen, wenn Du willſt.

Mein Freund, mein Wohlthäter! Du giebſt mich dem Daſein wieder.

Hierauf ſprang ich aus dem Bett und warf mich an ſeinen Hals, indem ich ihn aus Leibeskräften umarmte. Er ſtieß mich aber zurück und ſchrie:

Willſt Du wohl aufhören, Du ſtichſt mich wie mit tauſend Nadeln!

Novellen⸗

Zeitung.

Das war mein Schnurrbart, welcher wieder begann durch die Epidermis zu dringen.

Heutzutage iſt es, Gott ſei Dank, nicht etwas ſo Sel⸗ tenes in unſeren Diſtricts⸗ und Gouvernementsſtädten, einen Codex zu finden, welcher die Geſetze und Verordnungen unſe⸗ res Landes enthält, als zu der Zeit, in welcher meine Erzäh⸗ lung ſpielt. Es würde damals leichter geweſen ſein, einen Schatz zu finden als ein ſolches Buch, und es hatte nicht Jedermann das Glück, einen ſolchen Geſetzkundigen anzutref⸗ fen, wie mein Freund Saſcharſchenko war.

Kaum hatte er mich belehrt, daß es einen meinem armen Schnurrbart ſo günſtigen Ukas gebe, ſo fühlte ich mich wie neu geboren; meine Heiterkeit, meine Lebhaftigkeit kehrten wie durch einen Zauberſchlag wieder zurück und ſo war ich im Stande, die Honneurs bei dem Frühſtück zu machen, welches meine Frau ſo klug geweſen war, uns bereiten zu laſſen. Ein kleines Glas Branntwein, gefolgt von einer Flaſche meines famoſen Pflaumenweines, verſetzten mich wieder ganz in meinen normalen Zuſtand. Ich ließ nun anſpannen und reiſte, begleitet von Saſcharſchenko, ab. Unterwegs umwickelte ich mir das Geſicht mit einem Schnupftuch, ſo daß man nur die Augen ſehen konnte. Die Bekannten, die mir begegneten und die mich an nelneir nüſche und meinen Pferden erkann⸗ ten, mochten wohl glauben, daß ich die Roſe hätte. Kaum waren wir bei Saſcharſchenko angekommen, als ich den koſt⸗ baren Codex verlangte und eiligſt den ArtikelSchnurrbärte darin ſuchte. Niemals hat Proſa mich ſo begeiſtert, ich ver⸗ ſchlang die Stelle faſt mit meinen Augen und rief mit Ent⸗ zücken aus:

Jetzt, Herr Präſident, haben wir zwei es mit einander zu thun!

Ich reiſte noch an demſelben Tage nach Hauſe zurück, wo ich mich freiwillig einer vierzigtägigen Quarantaine unter⸗ warf, denn ſo viel Zeit war erforderlich, um meinem Schnurr⸗ bart einen Theil ſeines früheren Umfangs wieder zu geben O Wonne! Meine Frau umarmte mich wie wie ehedem, meine Kinder flohen nicht mehr, we zu nahe kam, meine Leute befolgten meine Befehle. Lent Hunde bellten nicht mehr, ſobald ich auf dem Hofe eſchien. Dagegen ergoß ſich ein wahrer Platzregen von Briefen aus P.... über mich, ſämmtlich gleichen Inhalts:

Bei Empfang gegenwärtigen Schreibens haben Sie ſich ſofort nach P... zu begeben.

Worauf ich gleichmäßig antwortete:

Die Krankheit, welche mich befallen hat und an welcher ich noch daniederliege, verhindert mich u. ſ. w.

Ein Monat ging noch hin und mein Schnurrbart ließ ſich nunmehr ganz hübſch mit den Fingern drehen. Ich rüſtete mich alſo mit Muth und reiſte nach P... ab.

Kaum dort angekommen, beeilte ich mich, mich in meine Uniform zu ſtecken und in die Kanzlei zu begeben, um mich vorzuſtellen. Als ich in den Sitzungsſaal trat, fühlte ich den Blick des Präſidenten ſich ſenkrecht auf mich richten. Ich hob die Augen auf, er war bleich, grün, Alles was Sie wollen, er vermochte kaum an ſich zu halten.

Was bedeutet dies, mein Herr? ſchrie er;Sie vernach⸗ läſſigen nicht nur Ihr Amt, Sie erlauben ſich ſogar, mein Auge zum zweiten Male mit dem Anblick Ihres Schnurrbar⸗ tes zu beleidigen...

Es iſt noch nicht ganz ein Schnurrbart, erwiderte ich,aber in einem oder zwei Monaten wird er hoffentlich dieſen Namen verdienen.

utnfiin,

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