Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
107
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Vierte

beſchäftigte, als mit der Sorge für ſein eigenes Ver⸗ mögen. Er iſt aber ein Charlaton, der es meiſter⸗ haft verſtand, ſich zu verſtellen und Leute zu betrügen, und deſſen Liſt, Geſchmeidigkeit und Erfindungskraft man ſelbſt wider Willen bewundern muß.

Auf die Forderung des Geſandten des Königs von Spanien ins Gefängniß geworfen, ſieht er ſich plötzlich von hohen Perſoͤnlichkeiten beſchützt, deren Einfluß beinah die Wirkungen ſeiner Verfolgungen zu nichte gemacht hätte, wird dann den ſpaniſchen Behörden in Neapel überliefert und zu den Galeeren verurtheilt, wo er ſich fortwährend mit Fluchtplänen beſchäftigt, und kaum iſt er als Galeerenſträfling auf ſpaniſchem Boden angekommen, ſo nimmt er daſelbſt ſeine Rolle als falſcher König wieder auf und es ge⸗ lingt ihm, die aufgeklärteſten Perſonen zu betrügen, die ſich von ihm beſtimmen laſſen, Denkſchriften zu ſeinen Gunſten abzufaſſen. Und trotzdem, und das iſt beſonders bemerkenswerth, ſcheint er nicht einen Augenblick einen wirklichen Werfahrungsplan, noch ſelbſt die ernſte Hoffnung, auf den Thron von Portugal zu gelangen, gehabt zu haben. Er fand aber ſein Vergnügen darin, Leute zum Beſten zu haben, weil ſein Charakter als Schelm ihn dazu trieb, und er fuhr fort, die übernommene Rolle zu ſpielen, welches auch die Gefahren ſein mochten, die ſich in Folge deſſen über ſeinem Haupte zuſammenhäuften.

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Dieſe ſonderbare Manie führte ihn, wie es ſich vorausſehen ließ, zuletzt an den Galgen. Was aber dabei zu verwundern iſt und wofür man ihm wegen der Unterhaltung der Leſer Dank wiſſen muß, das iſt die unglaubliche Geſchicklichkeit, die er zu entfalten verſtand, um erſt nach Verlauf von fünf Jahren eines ſo gefährlichen Spiels gehangen zu werden.

Dieſer Marco Tulio iſt einer jener Helden, deren Andenken ſich im Gil Blas wieder findet. Er hat ganz deren vollkommene ſüdliche Phyſiognomie und in mehr als einer Rückſicht trägt er das Siegel der Epoche, worin er lebte.

Die Erzählung der Abenteuer der vier falſchen Sebaſtiane iſt ein Werk, das für die Kenntniß der Geſchichte Portugals für immer einen hohen Werth behalten wird. Indem der Verfaſſer die Geſchichte dieſer Perſönlichkeiten mittheilt, welche eine und dieſelbe Rolle ſpielten, dabei aber eine ſo verſchiedene Haltung zeigten und ebenſo verſchieden an Talent wie an Cha⸗ rakter waren, zeigt er zugleich, wie groß zu jener Zeit die Noth und die Unzufriedenheit ſeines Vater⸗ landes ging, weil es in die Hände Spaniens gefallen war, unter deſſen Joche es ſeufzte und von dem es ſich zu befreien ſuchte, was ihm indeſſen erſt 1640 unter Johann von Braganza gelang, der die Spanier vertrieb und Portugal wieder zu ſeiner Unabhängigkeit verhalf.

C.

Feuilleton.

Der Schnurrbart. Erzählung nach dem Ruſſiſchen. (Schluß.)

Nun muß man wiſſen, daß, wenn ich ſonſt von einer Reiſe zurückkam, ich das ganze Haus umzudrehen pflegte. War es in der Nacht, ſo weckte ich Alles auf, ich ſpielte mit den Kindern, umarmte meine Frau, ſcherzte mit der Bonne, der alten Oriſchka, ich lachte, ich erzählte meine Abenteuer, ich machte einen wahren Höllenlärm. Diesmal war ich in das Zimmer geſchlichen wie ein Uebelthäter, ich wagte nicht, einen Fuß vor den andern zu ſetzen. Ich näherte mich dem

Bett, meine Frau beugte ſich heraus, um mich zu umarmen, aber kaum hatten meine Lippen ihre Wange berührt, als ſie

einen Schrei ausſtieß.

Wer iſt da? ſagte ſie und fühlte mit der Hand auf meine Oberlippe,zu Hülfe! ein Räuber! Oriſchka, Licht, ſchnell Licht!

Ich ſtammelte einige Worte, um ſie zu beruhigen, aber ſie ſchrie immer mehr und ſchreckte die Kinder, welche nun ihrerſeits auch zu ſchreien anfingen. Unterdeſſen erſchien Oriſchka mit einem Licht in der Hand. Die beiden Frauen ſtarrten mich an und wußten nicht, was ſie denken ſollten; ich war es und war es auch wieder nicht, der Schnurrbart fehlte!!!

Was iſt Dir denn um Gotteswillen zugeſtoßen? Biſt Du todt, oder lebſt Du noch? frug mich meine Frau, bleich wie ihre Nachthaube und zitternd wie im Fieber.

Ach, ich lebe noch! antwortete ich mit einem tiefen V Seufzer.

Was haſt Du denn mit Dir gemacht?

Wer iſt denn daran ſchuld?

Warum haſt Du Dir denn Deinen Schnurrbart ab⸗ geſchnitten?

Weil ich jetzt dem Civildienſt angehöre und keinen Schnurrbart tragen darf.

Er iſt betrunken, oder verrückt.

Hierauf fing meine Frau an zu ſchluchzen und ſchlug ſich an die Bruſt. Wie die Kinder ſahen, daß ihre Mutter weinte, folgten ſie ihrem Beiſpiel und heulten, daß wir bald taub wurden; die alte Oriſchka ſchluchzte, daß es einen Stein hätte erbarmen mögen, und die Hunde, den Lärm hörend, bellten toller als je.

So brachten wir die Nacht zu. Ich ſaß in der Ecke des Zimmers und weinte, nicht ſo laut wie die Andern, aber gewiß bitterlicher. Dazu kratzte ich mir die Oberlippe blutig, jedesmal wenn ich nach alter Gewohnheit die Hand erhob, um meinen armen Bart zu drehen.

Am andern Morgen war ich die Beute einer tiefen