Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
101
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Vierte

Tendlerin wär's mir ſchon recht, die engſte Verbin⸗ dung der Häuſer Erhard und Tendler wäre von größter Wichtigkeit.

Ob ſich unſere Herzen auch verbinden würden?! warf er hin mit einem Anflug verletzten Zartgefühls.

Sie hielt es für überflüſſig darauf eine Antwort zu geben und fügte noch hinzu:Fahre in der Frühe mit der Eilkutſche. Dann triffſt Du wenigſtens ſo in Leipzig ein, daß Du Dich noch einen vollen Tag der Ruhe hingeben darfſt. Und in dem weltberühmten Richter'ſchen Kaffeehaus an der Ecke der Katharinen⸗ ſtraße nimmſt Du Quartier. Du findeſt dort die ge⸗ diegenſte Geſellſchaft. Zwar Herr Richter verſteht Preiſe zu machen, das Glas von ſeinem Punch royal koſtet acht Groſchen, aber Du biſt der Erbe des Hauſes Erhard, und ich, ich kann das bezahlen!

Am nächſten Morgen reiſte Renatus ab. Wenige Stunden darauf traten der Fürſt und ſeine Freunde gleichfalls die Fahrt gen Leipzig an; und ſchon einen Tag ſpäter wußte Gräfin Stephanie aus dem Munde des Monſieur Louche, daß Romanow, um die Meſſe zu beſuchen, Berlin verlaſſen habe.

Nun, mein beſter Louche, das Reiſen macht Ihm ja Vergnügen?!

Allerdings... hm, hm, jedoch...

Wie viel bedarf Er? Auf einer Meſſe ſoll's toll hergehen.

Gut, ich werde mir Leipzig anſehen.

Er verſteht mich?

Ob ich gräfliche Gnaden verſtehe! Und Louche

Geſicht auf, als hätte er den Fürſten ier That ertappt, die dieſen zum Rache⸗

gelachter Stephanie's und zum Entſetzen der ganzen Reſidenz an den Galgen bringen würde. 4

Wann wird Er reiſen?

Mit dem erſten Eilwagen.

In Auerbachs Keller.

Leipzig und ſeine Meſſe!

Auch die Meſſe iſt mit den ſchillernden Farben der Gegenwart beſtrichen worden. Es ſcheint, als wäre der leichtbeſchwingte, raſt⸗ und ruheloſe, der wirklich echte Gott Mercur des Todes verblichen und als wären jene Herrchen ſeine Nachfolger geworden, die, das Glas im Auge, die Cigarre im Munde, mit Lackſtiefeln und geſchniegelt und gebügelt, in der Thür des Gewölbes lehnen, die geehrten Käufer zu erwarten. 7

Wer vernimmt noch den Ruf: Was zu han⸗ deln? der ſonſt nicht allein von jüdiſchen, ſondern auch von chriſtlichen Lippen auf der Straße und aus

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den Thüren heraus ertönte? Sollen vielleicht die heiſeren Rufe der Budenbeſitzer und das ſchnarrende Geſchrei:«Stück vor Stück einen Iroſchen!» dafür Erſatz bieten? Ach, daß auch darüberhin der ver⸗ feinernde Pinſel der Gegenwart fahren mußte! Hin iſt der echte Gott Mercur, der den Kopf, die Augen nach allen Seiten drehte, und der Handelsgott von heute trägt ein Pince-nez und Stiefeletten mit rothen Nähten. Auf dem Brühl, ſagt Ihr, ſei noch ein Reſt der alten Zeit? Freilich zunſere Leits, die das Trottoir des Brühls entlang wandern, beſitzen noch gleich ihren Großvätern denſelben Kaftan und daſſelbe Schmachtlöckchen überm Ohr, doch auch ihren Sinn und all' ihre Bewegungen hat die Zeit, dieſer rieſen große Pinſel, polirt; ſie unterdrücken den Fanatismus des Handels, um«gebildet» zu erſcheinen, und nicht mehr ihr Mund, nur ihr Herz ruft noch: Was zu handeln? Was zu handeln? 1

Nein, hadert nicht; todt iſt jener Mercur, der ſtatt der rothnähtigen Stiefeletten Sandalen und ſtatt der Upman regalia zwiſchen den beringten Fingern den Schlangenſtab in der Fauſt trug.

Und ſelbſt ſie, die Herren und Damen mit den langen Fingern, Diebsgeſindel genannt, ſelbſt ſie haben auf ihre Fahne Fortſchritt! geſchrieben. Heute trägt ſie der Dampfwagen von Berlin und Dresden und Wien nach Leipzigs Gefilden, und damals zogen ſie barfuß und bei Nacht und Nebel ein; heute ſagen ſie im Schützenhauſe oder in der Centralhalle den mit Töchtern reich geſegneten Vätern Artigkeiten und wiſſen dabei den Begriff von Mein und Dein mit der Geſchwindigket Bosco's zu verwechſeln, jedoch damals im Jahre 179²22

Trüb und neblig war der Septembertag erwacht, und eben hatte die Rathhausuhr die ſiebente Stunde verkündet. Auf den Straßen begann ſich's zu regen, aber auf dem Markte herrſchte ſchon ſolch' ein Ge dränge, daß das Bemühen der Straßenvögte, Ord⸗ nung und Ruhe zu ſchaffen, ein vergebliches war.

Hier wurden Stöcke und Fäuſte erhoben, dort Flüche ausgeſtoßen, und man forderte von den Vögteg, daß die ganze Bande direct in Ketten und an den Galgen müßte. Andere indeß verlangten, daß der hochweiſe Magiſtrat ſelber zur Stelle müſſe, um ſich mit eigenen Augen von der Schwere des Verbrechens zu überzeugen; und wieder Andere meinten, warum man mit den ſechs Verbrechern überhaupt ſo viele Umſtände machen wolle? Sie hätten beabſichtigt das Eckhaus der Petersſtraße, in dem der gefeierte Dichter Herr Chriſtian Felix Weiße wohne, anzuzünden und auszuplündern, ſeien aber dabei erwiſcht wordenz⸗ und darum thäte man jetzt am beſten ein großes Feuer