Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
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Die Liſte, in welcher unſere Familiennamen eingetra⸗ gen ſind, fuhr Piſchi-⸗Muſcha fort(und er putzte ſich bei dieſer Gelegenheit nicht die Naſe mit den Aermeln, wie er nöthigen Falls ſelbſt vor dem Miniſter gethan haben würde), hat Ew. Excellenz ſchon vorgelegen und wir konnten alſo nicht wiſſen, daß Sie davon keine Notiz genommen hätten. Wir glaubten alſo, daß Ew. Excellenz einen Begriff von unſerer Handſchrift und von unſerem Improviſationstalent haben wollten, es ſtrengte ſich deshalb ein Jeder von uns an, nach den Gaben, welche ihm die Vorſehung verliehen, ſeinen Gefühlen und ſeinen Ideen Worte zu geben, und wir konnten dabei durchaus nicht vorausſetzen, daß Ew. Excellenz...

Genug, genug, unterbrach ihn der Präſident. Er hatte jetzt ſeinen Meiſter gefunden.Sie ſind wie eine Pendule, welche nicht wieder anhält, wenn man einmal den Perpendikel fort geſtoßen hat. Ich will Sie nicht länger aufhalten, meine Herren, ſagte er weiter, indem er ſich zu uns wendete.Für dieſes Mal verzeihe ich Ihnen, aber ſeien Sie in Zukunft vorſichtiger, ich liebe nicht zu ſcherzen. Was Sie betrifft, fuhr er zu mir gekehrt fort, ſo raſiren Sie ſich augenblicklich, verſtehen Sie mich?

Ich ſtieß ein bejahendes Grunzen aus, was auf ihn einen Eindruck machte, als wenn ihm Senf in der Naſe krib⸗ belte. Er beherrſchte ſich jedoch, denn er hatte nun genug geſchrieen, geſticulirt und geſprudelt, als wenn er Tuch deca⸗

tirte. Er drehte ſich kurz herum und verſchwand vor unſeren eingerichtet,

Blicken. Wir unſererſeits zogen uns auch zurück und unter⸗ hielten uns über das famoſe Frühſtück, mit welchem es Sr. Excellenz gefallen hatte, uns zu regaliren, als wir Foma Petrowitſch, ſeinem Secretär, begegneten. Das Erſte, was er mir ſagte, als er mich erblickte, war eine Bemerkung über meinen mit meiner Eigenſchaft als Civilbeamter unperträgli⸗ chen Schnurrbart..

Sie auch? Wollen Sie wohl ſchweigen! Das ver⸗ lohnte ſich wohl der Mühe, einen ſolchen Lärm darüber zu machen; nicht nur mein Schnurrbart, ſondern alle möglichen Bärte der Welt, die ich hätte tragen können, wären nicht der Rede werth geweſen.

Vergeſſen Sie denn, was Sie in das Beſuchbuch und auf das Einberufungscireular geſchrieben haben?

Wiſſen Sie was, laſſen Sie mich ungeſchoren und bekümmern Sie ſich um Ihre Angelegenheiten und nicht um mich!

Ich eilte fortzukommen, denn ich fühlte, daß ich nicht länger an mich halten konnte und daß mein Zorn ſich über den unglücklichen Secretär ergießen würde. Ich konnte mich nie erinnern, jemals mich mit irgend wem gezankt zu haben, und Niemand(mit Ausnahme meiner Frau, doch das gehört nicht hierher) hatte mir jemals den Kopf gewaſchen, und jetzt ſollte ich mir an demſelben Morgen die Grobheiten Sr. Excellenz und die Vorwürfe ſeines Secretärs gefallen laſſen. Als ich in meiner Wohnung angekommen war, nahm ich das Raſirmeſſer aus dem Koffer, ſeifte meinen armen Schnurr⸗ bart ein und eins... zwei, er fiel auf das Handtuch wie das Gras unter der Senſe des Mähers. Ich betrachtete mich in dem Spiegel. Du meine himmliſche Güte! Ich erkannte mich ſelbſt nicht und hatte einen tödlichen Schreck. Gott weiß wem ich jetzt mit dieſem ſchiefen Mund und dieſer her⸗ unterhängenden Naſe glich.Das bin nicht ich, ſchrie ich in voller Verzweiflung,das iſt Adam Iwanowitſch Frick, der Leinwandhändler in Krementſchuk, alle Welt wird mich

* für ihn halten. Es war das erſte Mal in meinem Leben, daß ich mir den Schnurrbart abraſirte, ich hätte alles Unheil

Novellen⸗Zeitung.

auf Erden dieſer Calamität vorgezogen. Hätte ich gewußt, welches Monſtrum aus mir werden würde, nichts hätte mich von meinem Schnurrbart zu trennen vermocht, weder die Drohungen des Präſidenten, noch ſelbſt die Martern der Inquiſition. Und wer gewann dabei, daß ich ohne Schnurr⸗ bart war? Hätte er mich abhalten können, ein eifriger Diener meines Vaterlandes zu ſein? Wie ſollte ich mich jetzt vor meiner Frau und meinen Freunden zeigen? Würden ſie nicht das Recht haben, ihre Freundſchaft einem Manne zu entziehen, welcher von einem Tage zum andern einer ſo ab⸗ ſtoßenden Häßlichkeit verfallen konnte? Während ich dieſe Betrachtungen anſtellte, floſſen meine Thränen eine nach der andern auf meine Tunika, auf meine Kniee herab; niemals hatte ich mich ſo traurig und troſtlos gefühlt, ſelbſt nicht bei dem Tode meines Erſtgebornen.Mein Gott! mein Gott! wiederholte ich, indem ich mich an die Bruſt ſchlug, warum ſtrafſt Du mich ſo hart? Ich hatte nichts mehr in P.... zu thun, mein Amt erforderte meine Anweſenheit erſt in acht Tagen, ich entſchloß mich alſo, nach Hauſe zu reiſen. Gewöhn⸗ lich, wenn ich zu den Meinigen zurückkehrte, trieb ich den Kutſcher in jedem Augenblick an, niemals konnte es mir zu ſchnell gehen. Diesmal ſaß ich in der Ecke meiner Britſchka niedergeduckt wie ein armer Sünder und rief dem Kutſcher, wenn er auf die Pferde peitſchte, zu:Nicht ſo raſch, nicht ſo raſch, die armen Thiere ſind ja todtmatt! Ich hatte es ſo daß ich in der Nacht ankam; meine Frau war ſoeben guter Hoffnung und ich fürchtete, ſie könnte bei meinem Anblick vor Schreck mit einem kleinen Adam Iwanowitſch Frick niederkommen. Es war ganz dunkel, als ich eintraf, kein einziges Fenſter war erleuchtet, der Augenblick war günſtig. Ich ſtieg gang verſtohlen von meiner Britſchka, als plötzlich die Hunde auf mich losbellten.Die ſchändli⸗ chen Beſtien, dachte ich,ſie erkennen ihren Herrn nicht. Ich wollte ſie liebkoſen, aber kaum hatten ſie die Augen auf mich geworfen als ſie noch ärger bellten. Ich ſchlich mich wie ein Wolf in das Vorzimmer, Alles ſchien mir fremd und ungewohnt, ich hätte darauf geſchworen, daß ich es gar nicht ſei, daß ein Anderer ſich hier eingeſchwärzt habe, daß das Haus mir gar nicht gehöre. nicht wahr? Aber es iſt ganz ſo, wie ich es Ihnen erzähle. Meine Frau wachte von dem Hundegebell auf, horchte und vernahm, daß Jemand in das Haus trat.

Wer iſt da? frug ſie.

Ich bin es, antwortete ich.

Wen bellen denn die Hunde ſo an?

Ja, da mußt Du ſie ſelbſt fragen.

Aber ſo komme doch, haſt Du denn Deine Beine in

P... gelaſſen? *.(Schluß folgt.)

Das italiſche Klima im Nordmeer.

Wir haben erſt kürzlich bei Gelegenheit der Inſel Wight auf die merkwürdige Erſcheinung einer ſüdlichen Vegetation im Norden hingewieſen. Ein Seitenſtück dazu bietet Cornwallis dar.

Cornwallis,das Horn von Wallis, hat ein eigen⸗ thümliches und zwar ſehr ſanftes Klima, beſonders im Winter. Viele Gewächſe, die bei uns den Winter über nur in Treibhäuſern am Leben bleiben, gedeihen dort draußen. Trotzdem Cornwallis noch nördlicher als 50 nördl. Br. und alſo mit Prag, Kiew ꝛc. auf gleicher Breite liegt, gedeihen dort Myrthen, Lorbeeren, Fuchſien, Granat⸗ bäume und Hortenſien im Freien bis zu anſehnlicher Höhe

Das ſcheint Ihnen unglaublich,

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