Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
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hin, das auf dem Tiſche lag.

92 Novellen⸗

Feui

Der Schnurrbart. Erzählung nach dem Ruſſiſchen.

Es iſt ungefähr vierzig Jahre, vielleicht auch etwas länger her, als ich von dem Adel meines Diſtricts zum Bei⸗ ſitzer gewählt wurde. Ich hatte in meiner Jugend in einem Cavalerieregiment gedient und hegte daher einen tiefen Widerwillen gegen jedes Civilamt, aber wohl oder übel mußte ich mich fügen, denn meine Freunde ließen mir keine Ruhe. Du gehörſt dem Vaterlande und der Geſellſchaft, ſagten

ſie,laſſe Deine Pflaumen hier, Faulenzer, Deine Frau.

wird ſie ſchon ohne Dich einlegen, denke daran, daß Du nicht Herr Deiner Zeit biſt. Die Schelme neckten mich mit meinen Pflaumen, weil ich aus Opoſchnia bin, wo ſie ſo wunderſchön gedeihen. Aber ſie waren nicht die Einzigen, welche mich quälten, meine Frau trat auf ihre Seite, und, ſagen Sie einmal ſelbſt, was konnte ich thun?

Ich gab endlich ihren gemeinſamen Bitten nach. Vier⸗ zehn Tage nach den Wahlen wurde ich officiell benachrichtigt, daß der Gouverneur das Votum des Adels beſtätigt habe. Dieſer Nachricht war der Befehl beigefügt, daß ich mich ſofort nach P... zu begeben hätte, um daſelbſt den üblichen Eid zu leiſten. Meine Frau ſtürzte angeſichts dieſes Befehls nach dem Kaſten, wo nebſt anderen Nippesſachen meine Mili⸗ täruniform aufbewahrt lag, und, dieſe in einem kläglichen Zuſtande findend, machte ſie ſich darüber her, nähte und ſchnitt rechts und links, bis ſie ſie in eine leidliche Verfaſſung geſetzt hatte. Nachdem ſie ihr Werk vollendet, ſtopfte ſie mich und meine Uniform in eine Britſchka und... Kutſcher, fahr zu! Meine theure Ehehälfte würde ſich gewiß nicht ſo ſehr beeilt haben, wenn ſie gewußt hätte, welchem Unheil ſie mich ent⸗ gegenſendete.

Am nächſten Sonntag legte ich mit den übrigen Edel⸗ leuten nach der Meſſe den vorgeſchriebenen Eid ab, worauf wir uns unſerem Chef vorzuſtellen hatten. In deſſen Vor⸗ zimmer hatte ſich ein langer Bengel von einem Lakai vor die Thür gepflanzt, der in einer deutſchen Livrée ſteckte. Dieſer Menſch war gar nicht aus unſerer Provinz, der Präſident hatte ihn aus Moskau mitgebracht.

Empfängt die Excellenz? fragten wir.

Nein, meine Herren, antwortete er,Excellenz

empfängt dieſen Morgen nicht, haben mir aber befohlen, Sie

zu bitten, Ihre Namen in dieſes Heft hier einzutragen.

Hierbei wies er auf ein dickes, grün eingebundenes Heft Wir blickten uns einander ſchweigend an und ſtanden wie die Bildſäulen da, denn Keiner von uns wußte, wie er ſich in dieſem Falle zu beneh⸗ men habe. Der Gebrauch ſich bei einem Höheren aufzu⸗ ſchreiben, anſtatt eine Viſitenkarte da zu laſſen, war damals bei uns zu Lande noch fremd.

Nun, meine Herren, fragte der Lakai,iſt es Ihnen nicht gefällig, ſich aufzuſchreiben?

Warum, zum Teufel! ſollen wir uns aber aufſchreiben?

Es iſt der Wunſch Sr. Excellenz, gab der Lakai zur Antwort.

Wir verloren uns in den kühnſten Vermuthungen, um die Löſung dieſes überraſchenden Räthſels zu finden. Vielleicht, ſagte der Eine,iſt es ſo ein Album, wo

Jeitung. lleton.

man Verſe hinein ſchreibt und mit Pfeilen durchbohrte Herzen dazu zeichnet.

Oder, meinte ein Anderer,der Herr Präſident will nur unſere Handſchrift kennen lernen.

Der Lakai ließ jedoch nicht ab, uns zu drängen, indem er uns beſtändig ſein großes Heft unter die Naſe hielt. End⸗ lich ergriff Kirilo Onufriewitſch⸗Piſchi⸗Muſcha, welcher von uns in der Literatur am meiſten bewandert war, die Feder und ſagte: 4

Wahrſcheinlich glaubt Se. Excellenz, wir könnten gar nicht ſchreiben.

Nach einigen Minuten des Nachdenkens warf er folgende Zeilen hin:

Indem ich dieſe koſtbare Gelegenheit benutze, beeile ich mich, hierdurch den lebhafteſten Schmerz und das tiefſte Be⸗ dauern auszudrücken, daß ich durch eine unvorhergeſehene Veranlaſſung des Glückes beraubt bin, Ew. Excellenz perſön⸗ lich die Verſicherung meiner tiefſten Hochachtung und gren⸗ zenloſen Ergebenheit darzubringen, mit welchen ich die Ehre habe zu ſein Ew. Excellenz unterthänigſter u. ſ. w.

Folgte ein ungeheurer Namenszug. Weniger war von ihm nicht zu erwarten, er war nicht umſonſt in der Haupt⸗ ſtadt geweſen.

Als er uns die Feder übergeben wollte, entſtand eine allgemeine Rückwärtsbewegung. Jeder ſchob ſeinen Neben⸗ mann vor und forderte ihn auf, zu ſchreiben. Plötzlich wendete ſich alle Welt nach mir und rief:

Du, Du mußt die Feder nehmen, das wird Dir nicht viel ausmachen; es iſt nicht für nichts, daß Du als Schön⸗ redner und der Spaßmacher von Opoſchnia bekannt biſt.

Ich nahm alſo ſeufzend die Feder in die Hand, um Sr. Excellenz eine Probe meiner literariſchen Fähigkeiten zu hin⸗ terlaſſen, aber ich mochte mir die Stirne reiben, an der Feder kauen, huſten, ſpucken, mich ſchnauben wie ich wollte, es fiel mir durchaus nichtg ein. Bedenken Sie dabei, daß ich fühlte, wie die Blicke Aller auf mich gerichtet waren, daß meine Gefährten mich von allen Seiten umdrängten und daß der Bediente nicht aufhörte, mir in die Ohren zu ſchreien:

Schreiben Sie, mein Herr, ich bitte Sie um Alles in der Welt, ſchreiben Sie, wir verlieren hier die koſtbare Zeit, Excellenz kann mir in jedem Augenblick klingeln.

Endlich, nachdem ich mir faſt den Kopf zerbrochen hatte, ſetzte ich eine pompöſe Lobrede auf die Speckplinſen, mein Leibgericht, hin. Ich weiß nicht, warum ich mir einbildete, der Herr Präſident müſſe ein Gaſtronom ſein und es werde ihm dabei das Waſſer im Munde zuſammenlaufen. Ich ſchloß, indem ich meinem Familiennamen einen noch rieſen⸗ mäßigeren Zug anhing, als der des gelehrten Kirilo Onufrie⸗ witſch war. Mein Beiſpiel flößte den Andern Muth ein, der Eine ſchrieb:

Ich werde dieſe Feder und dieſe Tinte verſuchen, um ihre Eigenſchaften zu prüfen; wird meine Schrift ſo leicht ſein wie der Flug der Fliege?

Ein Anderer erſchöpfte ſich in allen Arten von Entſchul⸗ digungen. Ein Dritter, es war der verſtorbene Nazar Semenowitſch Tiupa⸗Tobunetz⸗Bulanenki, ſetzte,dieſe koſt⸗ bare Gelegenheit benutzend, einfach eine Klage gegen einen ſeiner Nachbarn auf, der ihm einen Truthahn weggegeſſen

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