Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
91
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und ſichern was klein, iſt? Soll Mäͤßigung er nie ge⸗ Lerhältniß tur fährt er ict werden, + Man ſdten, als es ſe Natur, die wirken laͤßt, kein Anderer außerordent⸗ peuers, das und unter nicht ange⸗ der Vulcan Naturkraft,

iſanen. erſagen

nden Wor⸗ an und Völ⸗ ghungrig, nd keinen fortſtößt, Ehrgeizes eiſe des ſten Ver⸗ Großen ß Bona⸗ ſechie be⸗ wo noch telungen o ihr n dieſem pten und et. Die ter ſich ila, mit

dem Eiſenſinn eines Fabricius und Marius, mit der

Freundlichkeit und Liſt eines Scipio und Cäſar, wenn

der Unholdere ſie ganz gebrauchen könnte. Ihr hofft auf einen Umſchlag des Glückes. Es iſt möglich. Laßt ihn unglücklich ſein, dann erſt beginnt ſeine Furchtbarkeit, neue unbekannte Kräfte werden in ihm erwachen. Kennet ihr die Römer nicht? Nie waren ſie furchtbarer, als nach verlornen Schlachten.

Und furchtbar iſt das Volk, das dieſer zu Siegen und zu Zerſtörungen führt. Das kleinere Geiſtige hat der Franzoſe lange ſchon vor den übrigen Euro⸗ päͤern voraus gehabt und hat ſie ſchon vor der Re⸗ volution dadurch geblendet. Die Revolution gab einen neuen Rauſch der Begeiſterung, auflodernd, zer⸗ ſtörend und kurz verfliegend, da wo ein hohes Geſetz der Stätigkeit ihn aufnehmen ſollte; wo aber leichtere Beweglichkeit war, dieſes Element des franzöſiſchen Lebens, da hielt ſich das Geiſtige. Die ſchlechte Tugend in dem ſchlechten Sinn, welche die Franzoſen früher ſchon Ehre nannten, ward davon angegriffen, nur Dunſt und Glorie kam hinzu, durch Anſtren gungen und Siege wuchs ddies noch mehr, und da Alles wieder gemein und knechtiſch geworden iſt, ſo iſt hier doch ein furchtbarer Enthuſiasmus geblieben. Die Bewegung nach einer großen Revolution dauert bei einem jedem Volke am längſten bei dem Krieger, die Erinnerungen nicht politiſcher Hirngeſpinſte, ſon⸗ dern wirklicher Thaten geben Glauben und Zuverſicht; die alten Führer ſind noch da, der große Glückliche führt und dieſer hat alles Staatsleben allein auf den Soldaten gewandt. Der Franzoſe hat Uebung, Zu⸗ verſicht und geiſtigen Muth der Ehre, welchen nur

ein-Muth für etwas Beſſeres überwinden wird; er

iſt noch fürchterlicher durch etwas Anderes. Schon vor der Revolution war dies Volk fertig mit der Auflöſung alles Glaubens und allerhöheren Tugend, die Revolution hat das Verderben vermehrt. Schein und Ehre ſollen erſetzen, was Andern Treue und Ge⸗ rechtigkeit heißt; durch ſeine honnéteté ſoll die Welt vor dem Aergſten behütet werden, nicht aus Menſchen⸗ gefühl, ſondern aus Bildungswahn ſoll er das Nied⸗ rige und Unwürdige fliehen. So lange die beſſeren

Tugenden anderer Völker nicht begeiſtert werden, iſt Bildung weit überlegen ſind. dieſer Schein allmächtig, die Franzoſen bewegen ſich Volk auf dieſem guten Wege

mit der Windbeutelei ihrer Geiſtigkeit, mit mancher Liebenswürdigkeit, die Alles gut machen ſoll, am freieſten ohne das unbequeme Gepäck der Gerechtig⸗ keit. Nichts hemmt, nichts hält ſie, Aberglauben, Religion und Mitleid kennen ſie nicht, Ehre und Muth iſt ihre einzige Göttin, und ſo ziehen ſie über den Leichnam der Welt zum Sieg.

Vierte Folge. 91

In deu neunten Capitel: vom jetzigen Kriege, zeigt Arndt zuerſt, daß die Fürſten Deutſchlands an demſelben ſchuld ſeien; dann weiſt Arndt in der Führung dieſes Krieges darauf hin, daß Bonaparte nur beſiegt werde, wenn man ihn mit ſeinen In ſtrumenten angreife. Die gewöhnlichen Mittel der Mittelmäßigkeit und Menſchenſchonung helfen hier nichts. Ein großer Mann, gewaltig, gebietend und ſchnell, trete gegen ihn auf die Rennbahn, ſtrenge fürchterlich kühn die Kräfte der Welt an, kämpfe mit gleichen Waffen, und der Teufel wird durch die Hölle beſiegt werden.

Das Schlußcapitel: Wahrheit und Verſöhnung, ruft die Edleren und Weiſen auf, Freude und Muth zu zeigen, die Pflicht zu thun und den Verzweifelten Rettung und Erlöſung zu zeigen.

Tyrannen und Könige ſo heißt das Schluß⸗ wortwerden Staub; Pyramiden und Koloſſe zerbröckeln; Erdbeben und Vulcane, Feuer und Schwert thun ihr Amt, das Größte verſchwindet; nur eine Unſterbliche lebt ewig, die Wahrheit. Wahrheit und Freiheit ſind das reine Element des Lebens des gött⸗ lichen Menſchen, durch ſie iſt er, ohne ſie nichts. Iſt nicht alles Wahn, was wir ſehen und empfinden, treiben nicht die Beſten bethört mit der bethörten Zeit dahin, kann der treue Wille nicht verwunden, ſo hat das kühnſte Wort ſeine Verſöhnung. Ich liebe die Menſchen.

Wenn auch heutzutage der unbedeutendſte Geiſt bei einer kühlen Friedensruhe, die ihm nichts koſtet, die leidenſchaftlichen Excentricitäten in der Arndtſchen Publiciſtik ſehr leicht belächeln kann: wer wollte es dagegen leugnen, daß jener Mann alle Urſache hatte, in Farben zu malen, die den abgeſtumpften indiffe⸗ renten Blick ſeiner Tage zur Aufmerkſamkeit reizten, und in Tönen zu ſprechen, die ſtark genug waren, um aufzuwecken das Ohrſo vieler Schlummernder? Zu gleicher Zeit kann man nicht unterlaſſen, unwill⸗ kürlich eine Parallele zwiſchen dem Neffen und dem Onkel zu ziehen, die ebenſo ſehr zum Vortheil des erſteren ausfallen muß, als die heutigen Franzoſen den

damaligen an Culturgeiſt und humaner kosmopolitiſcher Möge Regierung und

treulich weiter fort⸗

ſchreiten, ein Wunſch, der um ſo nothwendiger iſt,

da nicht abgeſtritten werden kann, daß Arndt's Ge⸗

mälde den eigentlichen, nur von Bildungselementen

ſegensreich überkleideten Kern des echten Gallicismus,

des politiſchen Erbtheils vom alten erobernden Römer⸗

thum, racenhaft richtig geſchildert hat.