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Gemüthes, ihr ſchwammet in einer kümmerlichen Mitte zwiſchen beiden und waret euch auch immer eures Mangels und eurer Nacktheit bewußt; daher eure Windbeutelei, euer ſchaler Spott und Spaß mit dem Ernſteſten und Heiligſten von jeher; daher die Un⸗ möglichkeit, euch der vollen Genialität hinzugeben, weil euer ſündliches Krüppelweſen euch nie vergeſſen läßt, wer ihr ſeid. Bewußtſein der Sünde und Ver⸗ dorbenheit drückt euch ſchwer in euren Kunſtwerken, und darum läuft der Affe dadurch, der ſeine Gebehrde verſtellt, nicht der freie Menſch, der in Schuld und Unſchuld ſich hinzuſtellen wagt. So iſt der Charakter eurer Kunſt, ſo tritt euer zierliches Leben hin,— nichts als leerer Schein, nichts als der ſündliche Schlangenglanz von Tugenden, von welchen der un⸗ verdorbene Menſch ſich mit Abſcheu und Schrecken wegwendet. Ohne Religion, ohne Poeſie, ohne Wahr⸗ heit, zu ſchwach euch zu beſſern, zu gebildet eures Unheils inne zu werden, tretet ihr ſtolz hin und krähet uns Andern mit einer beiſpielloſen Unver⸗ ſchämtheit vor, daß wir ungeſchliffene Geſellen und Barbaren ſind. Leichtfertiges, unverbeſſerliches Ge⸗ ſindel, das ſchwatzt, wo Andere fühlen, das hüpft, wo Andere ſtehen, das ſich einbildet zu ſein, wo Andere ſind,— ihr habt vielen ſchönen Schein, den wir aber fliehen müſſen, weil er ohne Wirklichkeiten iſt. Ein Volk, das alle Tugenden in bloße Worte überſpielt, das ſich, wo andere Völker haben, empfin⸗ den, genießen, mit leeren Schatten der Dinge begnügt, ein ſo wunderbar bethörtes und bethörendes Volk als die Franzoſen kann keinen friſchen, freudigen Stock auf die Menſchheit ſetzen; es iſt zu weit über alle Menſchheit hinaus.“
Das ſechſte Capitel iſt gegen die Franzoſen ge⸗ richtet, die, nachdem ſie wieder unter das Joch der Tyrannei gerathen ſind, nunmehr gegen Alles ſchreien, was Republik heißt.
Im ſiebenten Capitel erhalten die Fürſten und Edelleute eine derbe Lection; die erſteren ſtraft er, daß ſie immer nur an ſich, nie an das Volk gedacht, und ſich dieſem nie mit ganzer Seele angeſchloſſen hätten; den Edelleuten wirft er vor, die Fürſten in der Stunde der Gefahr allein gelaſſen und des Volkes Schmach und Elend nicht getheilt zu haben.
Das achte Capitel trägt die Ueberſchrift: der Emporgekommene. Es enthält eine ſcharfe Charakteri⸗ ſtik Napoleon's, des Fürchterlichen, der ſich durch das Blut und Elend von Hunderttauſenden ſo groß ge⸗ ſpielt. Arndt hat, wie er ſagt, den allmächtigen Mann, der immer als Herr zu Knechten ſprach, von Anfang an ſcharf beobachtet, und nennt ihn eine ge⸗ waltige Naturkraft. Indem er nun alle Thaten auf⸗
Novellen⸗Jeitung.
zählt, die Napoleon vom kleinen Corſen an gethan, bis er ſich endlich erbitten ließ, Kaiſer von Frankreich zu werden, fährt Arndt fort:„Ich ſage nicht, daß bei Bonaparte Alles abſichtlich und liſtig iſt. Er würde nie Großes gethan, nie den Purpur angezogen haben, wenn dies wäre; ich ſage nicht, daß er der verruchte Böſewicht iſt, wozu ihn Manche im Haß machen. Er
hat geherrſcht, wo man diente, wo man nachgabz ſeine
gewaltige Kraft, oft planvoll, öfter unbewußt, fort⸗ getrieben, wo kein Widerſtand war, ja er hat wohl ſelten mehr gewußt, als er gefühlt hat, und ſo iſt er dahin gekommen, wohin er beim Ausgehen noch nicht ſehen konnte. Aber ſoll man ihn, der ſelbſt einer blinden Macht in ihm folgt, den weiſen und ſichern Führer nennen, ſoll man groß nennen, was klein, kühn, was grauſam, weiſe, was hinterliſtig iſt? Soll man einem Manne, der kein Maß hat, Mäßigung zutrauen? Das Hohe der Menſchheit hat er nie ge⸗ dacht, von der Bildung und dem heiligſten Verhältniß Europas hat er keine Idee, in wilder Natur fährt er dahin und durch Zufall kann ſelbſt das thöricht werden, was nicht einmal thöricht gemeint iſt.—— Man darf den Fürchterlichen ſo leicht nicht richten, als es die Meiſten thun in Haß und Liebe. Die Natur, die ihn geſchaffen hat, die ihn ſo ſchrecklich wirken läßt, muß eine Arbeit mit ihm vorhaben, die kein Anderer thun kann. Er trägt das Gepräge eines außerordent⸗ lichen Menſchen, eines erhabenen Ungeheuers, das noch ungeheurer erſcheint, weil es über und unter Menſchen herrſcht und wirkt, welchen es nicht ange⸗ hört. Bewunderung und Furcht zeugt der Vulcan und das Donnerwetter und jede ſeltene Naturkraft, und ſie kann man auch Bonaparte nicht verſagen⸗
Arndt ſchließt dieſes Capitel mit folgenden Wor⸗ ten:„Furchtbarer iſt kein Mann den Fürſten und Völ⸗ kern. Er iſt dem Weltmeere gleich, das, ewig hungrig, Bäche und Ströme in ſich verſchlingt und keinen Tropfen zurückgiebt. Wie das Glück ihn fortſtößt, folgt er friſch und die weiten Entwürfe des Ehrgeizes wachſen. Der Kaiſertitel in Italien, die Reiſe des heiligen Vaters von Rom, die vorbereiteten Ver⸗ gleichungen und Anſpielungen auf Karl den Großen und die beliebte Ausführuug des Themas, daß Bona⸗ parte ſchon einen großen Theil ſeiner Monarchie be⸗ herrſcht, und die Hinweiſung auf den Theil, wo noch Andere gebieten, ſeine Herrſchaft und Anzettelungen mit den unglücklichen füddeutſchen Fürſten,— o ihr irrt, Geblendete oder Blender, die ihr uns in dieſem Mann blos den heroiſchen zeiget, den gerechten und milden gern zeigen möchtet, wenn ihr könntet. Die Zeit wird es enthüllen. Unaufhaltſam ſtürzt er ſich fort mit Blitzesſchnelle wie Dſchingis und Attila, mit
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