Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
89
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3 zutreffend

eſem Factum rdeſtictlicher kosmopoliti en des franzö⸗ fungsſüchtigen en haben, ſo Eigenſchaften brem naivſten

in Pahrheit erdings noch in ſich, als ei Heil dabei un die andere

llen, in wie Civiliſation ir uns nur literariſchen zu machen. ldiges Bild aden, von denzen des Napoleon ann, wie ziemlich

Vierte

als flüchtige Erſcheinungen vorüberwallen zu laſſen. Vorab ſpricht er im Allgemeinen, daß die Schreiber (die Gelehrten) ſo wenig geleiſtet haben und daß ſie die Zeitgenoſſen nicht zu retten, nicht aus dem Todes⸗ ſchlummer aufzuwecken im Stande geweſen ſeien. Dann kommt er auf die einzelnen Schreiber. Von den Philoſophen ſagt er, daß ſie in das gewöhnliche Leben und ſeine Erſcheinungen nicht eingreifen können, weil ſie es gar nicht berühren und alſo auch von ihm nicht berührt werden; von den Theologen, daß ſie keine Tembel wieder füllen und keine beklommene Buſen tröſten werden, ſo lange ſie die Lüge und Wahrheit noch zuſammenſchmelzen; von den Geſchichts⸗ ſchreibern, daß ſie es verſchulden, daß die Geſchichte, die große Lehrerin, Ermahnerin und Warnerin der Menſchheit zu einem Gaſſenmährchen geworden ſei.

In ähnlicher Weiſe beklagt er ſich über die Dichter, Recenſenten, Journaliſten.

noſſen, heben wir folgende Stelle hervor: Erſtarrung und Leerheit ſind die beiden Haupt⸗

da iſt doch keine Stätigkeit und Beſtändigkeit in ihr. Ei, ſpricht man, was du alles weißt! Iſt denn nicht

Muth genug unter den Menſchen, nicht Verachtung

des Todes genug? und du ſprichſt von Lebensangſt! Ich weiß, wohin man will. Aber ich ſehe nur Muth hie und da in Schlachten und eben auch nicht zu viel. Der Krieg aber iſt nur einer Krankheit gleich, einer Wuth der menſchlichen Natur, und nicht gern möchte ich das menſchliche Geſchlecht darnach richten laſſen. Muth heißt mir Ruhe und Beſonnenheit im Leben,

Verachtung des Schlechten mit Aufopferung, Wahr⸗

heit und Freiheit in Rede und That ohne den Rück⸗ blick auf Gold und Ruhm. Das ſind andere Kämpfe und edlere, als die unter Trommeln und Pfeifen und vor Kanonenſchlünden. Manche hat die Zeit ſterben ſehen, wie ſie meinte, für edle Dinge, nicht ich. Die Menſchen ſind wie Miſſethäter und Narren zum Schaffot gegangen, nicht wie Menſchen. Als Berauſchte und Wahnwitzige ſprachen ſie im Schall prunkender Worte, was die Mannesthat nicht zu ſprechen bedarf.

Das vierte Capitel trägt die Ueberſchrift: die alten Völker, und das fünfte: die neuen Völker.

Arndt iſt der Meinung, daß man die alten und neuen Geſchichten und Schickſale mehr von einander trenne, als recht ſei, und ſich dadurch in die thörichte Sicherheit einwiegen laſſe, als wenn in Europa nicht wieder geſchehen könnte, was einmal geſchah. Er berührt in dem Capitel einige Weltrevolutionen alter Zeit, und verſucht zu zeigen, durch welche Begeben⸗

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unſerigen Aehnlichkeit hat(Perſer, Griechen und Römer), ſtiegen oder ſanken, durch welche Liſt und Tapferkeit auf der einen, durch welche Trägheit und Zwietracht auf der andern Seite Herrſchaft und Knechtſchaft ver⸗ dient ward. Zugleich ſchildert er das Streben und die Geſinnung der Menſchen in ſolchen merkwürdigen Wechſeln, daß ein Spiegel daraus werde, worin die Jetzigen wahre Bilder ſehen können.

Eingedenk aber, daß das, was alten Völkern begegnet ſei, den neuen ebenfalls begegnen könne, weiſt er auf die bedeutendſten Erſcheinungen der Ge⸗ genwart hin, und verbindet damit, ohne es zu wollen, Einiges aus der Geſchichte der neuen Völker und ihrer politiſchen Entwickelung. Zuletzt gipfelt ſich Alles in den Kampf gegen die Franzoſen, in welchen die meiſten der neuen Völker gerathen ſind.

Es dünkt uns am intereſſanteſten zu ſein, Arndt's

Urtheil über die Franzoſen zu hören, mit denen er Aus dem dritten Capitel: Zeitalter und Zeitge⸗

hier den Kampf begonnen hat. Ihr alſo ſeid das würdige Volk, ihr, die ihr

Europa um ſeine ſchönſten Hoffnungen betrogen habt? zeichen der Gegenwart, und wo noch Bewegung iſt, 4

ihr wollt die Beglücker und die Herren Anderer ſein, ihr, die ihr wieder die kriechendſten und elendeſten Sclaven eines Einzigen geworden ſeid, der euch durch keine edleren Künſte beherrſcht, als durch gemeine Liſt und prunkende Aefferei? Ihr nennt euch das große Volk. Wenn Länder ausgeplündert, Staaten umgekehrt, freie Völker unterjocht, alle Tugend und Ehre für Gold feil haben, groß iſt, ſo ſind wenig größere Völker geweſen. Wenn aber Redlichkeit, Treue, Gerechtigkeit und Mäßigkeit den Menſchen und das Volk groß machen, ſo ſagt euch ſelbſt, wie klein ihr ſeid. Führt mich hin, wo ihr geyeſen ſeid, heißt mich euch nachtreten, wo ihr ſeid iſt die Peſt und der Hunger nicht mild gegen das Elend, was ihr bringt? Iſt die Grauſamkeit des Barbaren nicht ſanft gegen die eurige, die ſich nicht ſchämt, mit den Worten Humanität und Edelmuth auszuſtehen, wenn ſie etwas Schlimmes thun will? Und ſeid ihr viel leicht in den edleren Künſten und Viſeenſchaften ſo groß, daß es ein Glück wäre für die übrigen Euro⸗ päer von euch unterjocht zu werden und den Barba⸗ renpelz einmal abzuwerfen und ſich eines gebildeten und ſchöneren Lebens zu freuen? Ich ſehe hier ſo viel nicht von euch zu gewinnen. Ihr ſeid ſo leidlich gebildet, aber aus Schwächlichkeit und Aefferei iſt eure ganze Bildung hervorgegangen und hat vor den andern Europäern, die nicht tiefer dringen, nur den äußeren Firniß und die Abglättung voraus. In der Mitte Europas ſeid ihr eine Art Mitteldinger ge⸗ worden, und von jeher fehlte euch die volle ſüdliche

heiten und Künſte Völker, deren Bildung mit der Naturkraft und die ſchwärmeriſche nordiſche Tiefe des