Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
85
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Ja, ſo war's, ſo iſt es noch heute und ewig wird es ſo bleiben: das iſt die Macht des Geldes!...

Wir finden dieſe kleine ſchmächtige Frau mit den harten Zügen und den ſtreng blickenden Augen in einem Zimmer, das im Erdgeſchoß zur Rechten der Hausthür lag. Die Einrichtung deſſelben verrieth ſofort den Reichthum der Beſitzerin. Graue Ledertapeten mit matter Goldpreſſung und Gemälde anerkannter Meiſter bedeckten die Wände, das Sofa und die Seſſel waren mit rother Seide überzogen, keinem Tiſchchen fehlte die Marmorplatte und der vergoldete Fuß, Nippes, Vaſen, Pagoden und ſilberne Armleuchter füllten den Kaminſims, und jeden Schritt dämpfte ein Pariſer Seidenteppich, in den eine Schweizerlandſchaft gewirkt war.

Es war gegen Abend. Die rothen Fenſtervorhänge mit den goldenen Holztroddeln waren herabgelaſſen, eine Lampe in pompejaniſcher Form erhellte mit drei Flammen den Raum, im Kamin kniſterte ein luſtiges Feuer, das einen Stoß wohlriechendes Holz verzehrte.

Auf dem Sofa ſaß Sabine und hielt ihren Blick durch die Quetſchbrille auf ihrer Naſe auf Liſten, Wechſel und Briefe gerichtet. Zu ihrer Rechten ſtand die goldene Spanioldoſe, zu ihrer Linken lag das weiß und blau gewürfelte Taſchentuch. Hin und wieder drückte ſie eine Hand gegen die mit den erſten weißen Härchen und zwei Seitenlocken à la Louison bekränzte Stirn, dann ſchnippte ſie die Brille, welche an einem dehnbaren Schnürchen hing, von der Naſe und rief, nachdem ſie die Papiere mit ſichtlichem Verdruß zu⸗ ſammengefaltet:Renatus!

Sie wünſchen, Frau Mutter? erſchallte es

der Stube nebenan, deren Thür geöffnet

ſah es mehr als einfach, faſt dürftig aus. Ein Schreibtiſch mit braunem Leder⸗ beſchlagen, davor zwei abgenutzte Seſſel, ein Zahltiſch mit eichener Platte, ein Schrank von Eiſen hinter grüner Gardine und an den Wänden weiter nichts als eine Karte von Europa, eine geſchwätzige Amſterdamer Uhr und ein Kalender.. das war wirklich alles. Auch ſah noch ein von Fliegen beſchmutzter König Friedrich I. aus einer der Ecken hervor, doch trug dieſe ſchwarzge⸗ ſprenkelte Gypsbüſte nur dazu bei, den ohnehin üblen Eindruck, den dieſe Arbeitsſtube machte, noch ſteigern.

Hier alſo war das Allerheiligſte des Haufes, von hier aus gingen die Summen unter die Leute, in die

Welt, um verdoppelt wieder heimzukehren. Renatus,

dem ein mehr als oberflächlicher Schönheitsſinn an⸗ geboren war, konnte ſich in dieſem Raume, in dem er ſich beinahe wie ein Gefangener befand, unmöglich behaglich fühlen; und einigemal ſchon hatte er den Wunſch geäußert, es möchte eine Moderniſirung vor⸗

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genommen werden; allein da war er ſtets auf ent⸗ ſchiedenen Widerſpruch geſtoßen.Nichts damit! hatte Sabine gerufen.An dieſen Tiſchen haben Dein Großvater und Vater gearbeitet, und das Glück iſt ihr ſteter Gaſt geweſen. Aber neue Meubles 21. und das Glück möchte launenhaft, gar flüchtig werden. Nichts damit!..

Auch an dieſem Abend befand ſich Renatus vor dem alten Schreibtiſch, als ſeine Stiefmutter ihn rief. Sie wünſchen, Frau Mutter? entgegnete er, indem er das Licht löſchte und zu ihr ins Zimmer trat.

Sie deutete auf einen Seſſel. Er nahm Platz. In ſeiner ganzen Haltung zeigte ſich Erwartung. Bald ſtrich er ſich über ſein ſpärlich gepudertes Haar, das in einen mit ſchwarzem Bande umwickelten Beutel auslief, bald glitt die Hand über das leicht geröthete Antlitz, auf dem etwas Schüchternes, wohl eigentlich Mädchenhaftes lag. Dann knöpfte er haſtig den Rock auf und zu, dann wieder zupfte er an den leinenen Schreibeärmeln, die bis an die Ellbogen reichten.

Mein Sohn, ſagte Sabine nach einer Pauſe, nachdem ſie die Brille aufgeſetzt und ein Papier auf⸗ genommen,da ſiehſt Du wieder Deine flüchtige und gedankenloſe Arbeit. Im Abſchluß mit Tendler und Comp. in Wien ſteckt ein arger Fehler... Du haſt Dich zu meinem Schaden um hundert Gulden verrechnet!

Renatus' Wangen färbten ſich höher.Vielleicht ein Irrthum von Ihnen...

Ich irre mich nie, nie! rief Frau Sabine, das Haupt zurückwerfend,da iſt der Abſchluß, rechne nach!

Sein Auge flog über das Papier und als er es wieder auf den Tiſch legte, ſagte er:Allerdings, ich trage die Schuld. Ich werde die hundert Gulden erſetzen.

Natürlich wirſt Du das, verſetzte ſie, aus der goldenen Spanioldoſe eine Priſe nehmend.Aber wenn das ſo fort geht? Dein mütterliches Erbtheil iſt klein, wenig über acht tauſend Thaler. Und indem ſie warnend den Finger erhob, fuhr ſie fort:Werde doch achtſamer, Renatus! In den Kamin mit Deiner Geige und Deiner Lectüre, das macht träumeriſch; werde doch ein ganzer Kaufmann! Gewiß, Dein ſeliger Vater that wohl daran, als er das Geſchäft laut Teſtament auf meine Schultern lud. Bis zu meinem Tode haſt Du Zeit Dich zu beſinnen, Dich zu ändern, und dann wird das Capital ſo angewachſen ſein, daß Du noch anders, ganz anders operiren kannſt... Wegen der hundert Gulden iſt mir's leid. Aber Du kennſt ſo gut wie ich, was in meinem ſoliden Geſchäft der Brauch iſt; da darf auch kein Pfennig in der Caſſe fehlen.

Renatus wollte ſich erheben.