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Und Lucie kam und lenchtete der Herrin ins Schlafgemach. Das Haar ward gelockert, die Zofe wünſchte eine gute Nacht. Gräfin Stephanie aber weilte noch lange vor dem Spiegel, und ihre Gedanken ſchweiften bald zurück, bald vorwärts... o, welchen Glanz und welche Macht hielt für ſie die Zukunft in Bereitſchaft!
Vorbei.
Wer weiß noch von dem ſchmalen und ſpitzen, buntſcheckigen und verräucherten Hauſe in der Span⸗ dauerſtraße? Längſt hat es dem unerbittlichen Herrſcher Geſchmack weichen müſſen, und das Gebäude, welches jetzt auf demſelben Fundamente ruht, hat gleich den Bauten rechts und links ſeine zierliche Thür, ſeine engliſchen Scheiben, ſeinen belaubten Fries vom Erd⸗ geſchoß bis zum Dache.
Aber das alte Haus war doch ein ganz ander Ding. Ei, man ſah's ihm an der Naſe an, daß etwas darin ſteckte! Auf welche Reichthümer im Innern ließen gleich die doppelte Sicherheitskette an der eichenen Thür und die eiſernen Stäbe vor den grünen bleiumgoſſenen Scheiben ſchließen! Und nun die Firma „Des ſeligen Herrn Erhard's Erben“ unter dem ſteinernen Mercur, und die fürchterlichen Drachenköpfe am Dache, und oben zwiſchen den Schornſteinen der Ritter mit der Windfahne.. o gewiß, dagegen ſieht das jetzige Gebäude gewaltig nüchtern aus, ganz ſo nüchtern wie ſein heutiger Bewohner, der, den ſtereotypen Adlerorden vierter Claſſe und ohne Eichenlaub im
Knopfloche, ſich die edle Beſchäftigung erwählt hat,
zu gähnen und dabei die Kreuzzeitung zu ſtudiren.
Alſo damals! Ja, Frau Sabine Erhard ſchwang in dem verräucherten Hauſe das Scepter, und ihr Sohn Renatus war nichts weiter als ihr Buchhalter, ihr Caſſaführer, der jedem ihrer Winke unbedingt Folge leiſten mußte. Eigentlich hatte Sabine bereits mit den Kinderſchuhen die Weiblichkeit abgeſtreift. Denn ihr Vater, ein Mann ohne Charakter und Willens⸗ ſtärke, war nach dem Tode ſeiner Frau einem aus⸗ ſchweifenden Leben verfallen, und ſicher wäre die Folge davon der Krebsgang ſeines Geſchäftes geweſen, hätte nicht Sabine, kaum den Kinderſchuhen entſchlüpft, mit einem ſtaunenswerthen Talente ſeinen Platz am Schreibtiſch eingenommen. Sie wußte mit Hülfe eines ergrauten Buchhalters die entſtandenen Riſſe geſchickt wieder auszufüllen und dem väterlichen Geſchäft nach außen das Anſehen zu geben, als hätten Credit und Bilanz niemals auf ſchwachen Füßen geſtanden. Da⸗ rüber hatte ſie trotz ihrer Jugend die Jugend ver⸗ loren, auf ihre ſchönſten Lebensjahre fiel der Reif der Sorge.
Novellen ⸗
Zeitung.
Nachdem Sabinens Vater geſtorben und der Handel aufgelöſt worden, vermählte ſich Sabine einem Wittwer, Herrn Erhard. Als ſie in ſein Haus trat, war Renatus, das einzige Kind erſter Ehe, ein kleiner Knabe, und natürlich hätte Sabinen die Erziehung deſſelben obgelegen; allein es war ihr unmöglich die Schritte des Kindes zu lenken, ſie überließ das mehr dem Vater und fühlte ſich weit glücklicher in der Schreibſtube, wo die neuſten Liſten über die Korn⸗, Woll- und Lederpreiſe auslagen.
So ging's weiter. Erhard legte ſich hin, um zu ſterben. Nun ergriff Frau Sabine, die kinderloſe Wittwe, vollends den Herrſcherſtab. Der Stiefſohn, weichen Gemüthes und mit wenig Liebe zum Geſchäftsmann ausgeſtattet, verrieth Luſt eine andere Carrière einzuſchlagen, aber da war es die Macht Sabinens, die ihn mit wenigen Worten zu zwingen wußte, dem Handel treu zu bleiben. Sah ſie doch in dem Kaufmann den Fürſten dieſer Erde, war doch ihr Loſungswort: Geld zu Geld!
Unabläſſig war ſie mit Rechnungen und Preis⸗ liſten beſchäftigt. Selten nur durfte Renatus die Feder aus der Hand legen, immer und immer gab es Briefe an«Erhard's Agenten⸗ in Paris und London zu ſenden. Und verließ er wirklich auf längere Zeit die Schreibſtube, dann geſchah es, um in Stettin Korn, in Pommern Wolle, in Böhmen Leder zu kaufen, denn mit jedem Tage häuften ſich die Beſtellungen und die Reichthümer. 2
Geld zu Geld! In Sabinens Herzen wohnte nur das Verlangen nach thurmhohen Schätzen, die Begierde zum Handel, der ihr einſt durch die Nothwendigkeit gleichſam eingeimpft worden; für Liebe war in dieſem Herzen kein Raum...
Und wie die Schätze wuchſen, ſo wuchs auch der Ruf des Hauſes Erhard. Mit neidenden Augen ſahen die Berliner zu den vergitterten Fenſtern empor, und manch' beſternter Herr begehrte hier Einlaß. Denn wenn Frau Sabinen genügende Sicherheit geboten wurde, war ſie gern bereit aus der Verlegenheit zu helfen; aus reinem Mitleid geſchah das, nach ihren Worten, aber die Procente waren dabei ſo hohe, daß dieſes Geſchäft aus Mitleid bald zu einem Haupt⸗ geſchäfte ward. Und obgleich das Siegel der Ver⸗ ſchwiegenheit drauf gedrückt wurde, war das doch ein offenes Geheimniß; Viele kamen mit Wechſeln, Schuld⸗ ſcheinen, Bürgſchaften, aber nur Wenige davon wurden auserwählt. Nie hielt Sabine mit ernſten Rügen, mit Ermahnungen, ſich eines beſſeren Lebenswandels zu befleißigen, zurück, und die beſternten Herren und hochadligen Damen nahmen ihre zürnenden Worte mit einer Ruhe hin, als ob ihr König zu ihnen ſpräche.
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