82 Novellen⸗
„Ja, ja, ich meinte nur,“ ſprach er gedehnt weiter,„das Leben auf meinen ruſſiſchen Beſitzungen iſt mit tauſend und abertauſend Entbehrungen verknüpft. Nicht, gnädigſte Comteſſe, als ob ich mich auch dort nicht unendlich glücklich fühlen würde, allein eine Dame von Ihrer Zartheit... und dann das Klima! O, wir könnten ja Petersburg oder Moskau wählen, aber dort die rohen Sitten! nie würden Ihre zarten Nerven ertragen, wenn die Leibeigenen geknutet werden... Nein, meine Theure, bleiben wir in Berlin. Hier herrſcht Adel, Nobleſſe, des Königs Majeſtät iſt die leuchtende Sonne, vor der alle Schatten zerſtäuben. Und Ihre Wohnung iſt ſo behaglich, ſo geräumig, ich werde ſpäter den linken Flügel ein⸗ nehmen, und was meine Equipage und Pferde betrifft, o, die finden in Ihren Ställen noch hinreichend Platz!“
„Nein!“ rief ſie da mit einer Feſtigkeit, die ihn erſchrecken machte.„Die Gemahlin hat dem Gemahl zu folgen, ſelbſt wenn es bis ans Eismeer ginge! Ihre Heimath, Herr Fürſt, wird auch die meine werden, und der Arm meines Gemahls wird mir eine Stütze ſein, die... die...
Sie vollendete nicht, und er, der Mann von Welt, unterdrückte die Heftigkeit, die in ihm aufſtieg, mit lächelndem Munde.„Natürlich,“ ſagte er,„der Sclave legt ſich der Herrin zu Füßen, Ihr Wille, angebetete Braut, iſt auch der meine. Doch weßhalb jetzt dieſe Bagatelle? Ich zähle die Stunden bis zum Gang an den Altar... Die ſüßeſte Ruhe, meine Theure! Der Traum wird mich an Ihr Herz führen!“
Mit Handkuß und Verbeugung verabſchiedete er ſich. Unten an der Treppe knurrte der beleibte Portier wie ein hungriger Pudel, denn der Fürſt hatte die geöffnete Hand gar nicht beachtet.„Ein nobler Bräu⸗ tigam das!“ brummte der Portier, in ſeine Kammer tretend, und Romanow, der ſeine Karoſſe wieder hatte umkehren laſſen, weil er zuweilen Fußwanderungen vorzuziehen pflegte, ſchritt mit einem gemiſchten Blick auf die erhellte Fenſterreihe die ſteinernen Stufen hinab.
„Das wird ſich finden, meine werthe Gräfin,“ rief er, die Lippen aufwerfend.„Pah, nach der Hochzeit wird der Ton ein anderer! ha, ha, denkt die beſte Gräfin etwa, Fürſt Romanow ſei von Amor verwundet und wolle mit ihr in Rußland Schäfer und Schäferin ſpielen? Nein, meine Beſte, ich will nicht Dich, Deine Schätze will ich, und habe ich Dich erſt... und dann wirſt Du gehorſamſt danach tanzen!... Wenn ſie wüßte, daß mir von meinen Beſitzungen nur noch zwei übrig geblieben?! Wenn ſie ahnte, daß, wäre ſie nicht in die Falle gegangen, eine Kugel
ha, ha, dann werde ich auf der Pfeife blaſen
Feitung.
pah, dann bin ich Herr und werde ihr meine Lage beibringen, wie man Kindern bittere Arzeneien bei⸗ bringt. Doch weßhalb an die Zukunft denken? Es lebe die Gegenwart!... Die Gräfin ſoll unermeßliche Reichthümer beſitzen, wie meine Freunde ſagen. Un⸗ ermeßlich? Ich werde ſchon das richtige Maß dafür finden. Wie oft ſetzte ich auf die Dame und verlor, aber jetzt danke ich meinem Banquier, dem Glücke, denn er hat ja die beneidenswertheſte Dame für mich aufgeſpart... Wir werden in Berlinbleiben. Stephanie's Wohnung iſt geräumig genug. Will ſie auf Reiſen gehen, meinetwegen, ich kenne den Norden und Süden bis zum Ueberdruß, ich bleibe hier. Nach der Trauung wird ſie mir ein Verzeichniß ihrer Gelder vorlegen. Ob ich dann Theilung oder zwei Drittel beanſpruche? Ich will mir das reiflich überlegen. Und dann werde ich zum letztenmal das Haus Erhard betreten, die geborgte Summe von acht tauſend Thalern auf den Tiſch werfen und mit einigen malitiöſen Bemerkungen meine Werthpapiere zurückfordern. O, der Frau Sabine Erhard wird's ſchmeicheln, einen Fürſten ihren Schuldner zu nennen, und ſie wird bedauern, daß unſere Ver⸗ bindungen ein Ende haben; ich aber, ja ich werde es ihr direct an den Hals werfen, daß ich herzlich froh bin mit dieſem Krämerplebs fertig zu ſein... Horch! drei Uhr. Dann hilft es nichts, daß ich in Stehely's Kaffeehaus noch einen Beſuch abſtatte; unſer Henker, der Banquier, hat eben die Karten niedergelegt. Alſo nach Hauſe! Ennuyant, très ennuyant! Hu, der Braut⸗ ſtand macht teufelmäßig ſolide, und ich werde wirklich vor zwölf Uhr das Bett verlaſſen müſſen, um mich nach dem Wohlergehen... Aber verzage nicht, Ro⸗ manow, ſechs Wochen ſind ja keine Ewigkeit und da!“
Er ſtand vor ſeiner Wohnung. Als ob es im Hauſe brenne, ſo ſtürmiſch donnerte er den Klopfer gegen die Thür, und der ſchlaftrunkene Diener, den ſilbernen Armleuchter emporhaltend, ſtürzte ihm mit der Miene eines bis zum Tod Erſchrockenen entgegen. Ohne Gruß ſchritt er die Treppe hinan. Eine Lampe mit blauem Glaſe, von der Decke herabſchwebend, goß ein behagliches Licht über das Schlafgemach. Der Fürſt ließ ſich entkleiden.
„Briefe abgegeben? Poſt aus Petersburg ein⸗ getroffen? Hat man geſchickt?“
„Der Herr Marquis von Belangé ſandten einen Boten aus Stehely's Kaffeehaus.“
„Und Du haſt dem Boten geantwortet?“
„Ew. Durchlaucht feierten Höchſtſeine Verlobung mit ihrer Erlaucht der Gräfin Wedel.“
„Gut... Du weißt zu reden, Du wirſt in meinen
durch den Kopf mein Loos geweſen?! Später freilich...
Dienſten bleibene Jetzt gehe!“ Einen Moment darauf ſuchte Romanow das ſchwel⸗
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den Spieg erfahren. Bruſt—
Porbei ſt
am Abgr ich noch danken u geſammt Staͤdtch und Q in Pari haben n Fürſt ſol ſein, ſo Stepha⸗ gie,
d. mit der Gräfin ungedu. an eine
Rüeher ſchäne ſich u


