Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
77
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Rett hatte, zu

Ke daſt genten daſtand,

del und ſo groß⸗

ade, am ergrei⸗ fe ſeinem Einzuge und der frühere en Gerlach, hiet

ale Unab- Manner, welche waren, kommen heuern, daß Ew. all unre Hof⸗ die ganze Nation dr König während nicht ein einziges

Vierte Folge. 77

haft gehalten hätten. Als im Jahr 1860 franzöſiſche Blätter behauptet hatten, daß das belgiſche Volk ſich danach ſehne, mit Frankreich vereinigt zu werden, proteſtirte das ganze Land gegen dieſe Behauptung und die Septemberfeſte boten die Veranlaſſung zu neuen Manifeſtationen der Liebe für den König und die nationale Unabhängigkeit.

Im Jahr 1861 fand die Verſöhnung der königlichen Häuſer von Belgien und Holland ſtatt, deren politiſche Folge die definitive Befreiung der Schelde war, die zu den wichtig⸗ ſten Acten der Regierung des Königs Leopold gerechnet zu werden verdient. Zu dieſer Zeit zeigten ſich die erſten Sympteme der Steinkrankheit, die zwar das erſte Mal beſiegt wurde, deren wiederholte Anfälle aber endlich dieſem ſchönen, nur dem Wohle ſeines Volkes geweihten Leben ein Ende machten. Auf die kurze kriegeriſche Epoche in den erſten Monaten ſeiner Regierung folgte eine 34jährige friedliche Regierung, die ganz der Entwicklung der Künſte, der Wiſſen⸗ ſchaften, der Induſtrie und des Handels gewidmet war, die Belgien zu einem der wohlhabendſten Länder in Europa machte. Das Volk, welches in ſo vielen patriotiſchen Feſten dem Könige ſeiner Wahl ſeine Huldigung mit einem ſo großen Enthuſiasmus darbrachte, wird ſéinen Tod lange beweinen und nie vergeſſen, daß derſelbe alle ſeine Verſpre⸗ chen erfüllt, die Unabhängigkeit der Nation aufrecht gehalten und⸗ die Freiheiten derſelben befeſtigt und in dieſer Art bewieſen hat, daß er die Macht wirklich nur von einem philo⸗ ſophiſchen Geſichtspunkte aus liebte und ſie ſich wünſchte, um ein Volk beglücken zu können. Deshalb wird aber auch ſein Andenken für immer in Segen bleiben. Friede ſeiner Aſche!

Merxiraniſches Leben.

Das Treiben in Mexico, welches jetzt ſo viele Ge⸗ bildete intereſſirt, kann wohl nie beſſer geſchildert ſein, als es Madame Calderon de la Barca, die Gemahlin des ſpaniſchen Geſandten in Mexico, ſkizzirte.

Inmitten eines ungeheuren Zuges von Truppen, Wagen und Reitern, ſchreibt ſie in einem Briefe, hielten

e ihrer Freiheie seeewir unſern Einzug in die Stadt Montezuma's. Die Gegend

zigen unſrer Mit⸗ geben hat. Hier ier ſind wir unſern König aftlichen Liebe zu

tt ſich wohl nicht r Völter und des ſſo erholten ſich Tages wird edurch ſeine n ſind. Welch er Weisheit und darin, daß ver⸗

Schiedsrichter⸗

lt ſeinem Königt otemberfeſten Wim Nationalcongreß alue Leopold 2

auf dieſer Seite von Mexico iſt öde und flach; und wo die Waſſer der Lagunen, einſt die Stadt umgebend, ſich als Canäle durch ihre Straßen zogen, ſahen wir jetzt eintöniges Marſchland, nur wenig durch große Züge von wilden Enten und Waſſerhühnern belebt. Aber die Traurigkeit der Um⸗ gebungen ward erheitert durch den luſtigen Anblick des Zuges, durch die ſcharlachnen und goldnen Uniformen, die hellfarbigen Sarapes, die Eleganz der Herren(meiſt Spanier, wie ich glaube) auf ihren hohen mexicaniſchen Sätteln, mit goldgeſtickten Schabracken von ſchwarzem Pelz⸗ werk, ihren goldgeſchmückten mexicaniſchen Hüten, reich ausgeſchlagenen Jacken, Beinkleidern mit ſilbernen Knöpfen, gepreßten Lederſtiefeln, ſilbernen Sporen und maleriſchen Mangas mit ſchwarz⸗ und buntfarbigen Kragen. An den Thoren von Mexico hielt der Wagen und drei enthuſiaſtiſche Bewillkommnungsrufe erſchallten. Es war beinahe dunkel und der Regen fiel in Strömen; deſſenungeachtet ſchloſſen ſich noch mehrere Wagen mit Damen und Herren dem Zuge an. Als wir endlich bei der uns beſtimmten Wohnung ankamen, ſtieg Calderon im Gußregen aus und dankte für den freundlichen Empfang. Nachdem er dem Unter⸗ officier einige Unzen für die Soldaten gegeben hatte, be⸗ traten wir das Haus, von den mexicaniſchen Officieren

und einer großen Geſellſchaft von Spaniern begleitet.

Bei Tageslicht fanden wir unſere Wohnung ſehr hübſch ein großer Garten voll Blumen ſtößt daran der Hof duftet von Roſen; das Haus ſteht allein, ein großer Hof trennt es von der Straße, gegenüber liegt der große, ſteinerne Aquaduct, ein prächtiges Werk der Spanier; hinter uns ſtehen allerlei alte Häuſer von Bäumen beſchattet, ſo daß wir wie auf dem Lande leben. Was uns aber am meiſten beſchäftigt, ſind die merkwürdigen und maleriſchen Menſchengruppen, die wir aus den Fenſtern ſahen: bronze⸗ farbene Männer, als einzige Bekleidung in ein Stück Decke gehüllt, die irdenen Gefäße, ganz wie ſie ſelbſt gefärbt, leicht auf dem Kopfe tragend, ſo daß ſie vollkommen Statuen von terra cotta gleichen, dieſe Gefäße ſind mit ein⸗ gemachten Früchten oder weißen Pyramiden von Fett (mantequillas) gefüllt; Weiber mit Roboſos, zweifarbigen, kurzen Röcken, gewöhnlich ganz zerlumpt, aber dennoch eine Spitze um ihr Unterkleid geſetzt, ohne Strümpfe und ihre kleinen Füße in noch kleinere Schuhe von ſchmutzigem, weißem Atlas geſteckt; Herren zu Pferde mit mexicaniſchen Sätteln und Sarapes; müßige Leperos, lebendige Lumpen⸗ bündel, die an die Fenſter kommen und mit einer höchſt kläglichen, jedoch verſtellten Jammerſtimme betteln, oder unter dem Mauerbogen liegen und träge die Luft und den Sonnenſchein einathmen, oder an der Thür ſtundenlang ſitzend in der Sonne ſchmoren, oder im Schatten der Häuſer; indianiſche Weiber mit ihren engen, dunklen Röcken und ihren rothdurchflochtenen, verſchlungenen Haaren, die ihre Körbe niederſetzen, um ſich auszuruhen, und unterdeſſen bedächtig die Haare ihrer kupferfarbigen Sprößlinge unterſuchen. Kurz, wir haben genug Gegen⸗ ſtände, die unſere Aufmerkſamkeit feſſeln.

Die mexicaniſchen Beſuche ſcheinen mir an Länge Alles zu übertreffen, was man ſonſt von einem Beſuche anzunehmen pflegt; nie dauern ſie unter einer Stunde und manchmal nehmen ſie einen großen Theil des Tages ein. Herren glauben ſich zu jeder Tageszeit willkommen; gehſt du zum Frühſtück, ſo gehen ſie auch, zum Mittag⸗ eſſen, ſo eſſen ſie mit, ſchläfſt du, ſo warten ſie, bis du wach biſt, biſt du ausgegangen, ſo kommen ſie wieder. Ein ganz gleichgültiger Menſch, deſſen Namen ich vergeſſen habe, kam geſtern nach dem Frühſtück zu uns, behauptete ſeinen Platz und ſetzte ſich mit uns zu einem ſpäten Diner nieder. Man ſollte dies nicht Beſuche, ſondern Heim⸗ ſuchungen nennen. Ein offenes Haus und ein offener Tiſch für Freunde, zu denen ſelbſt alle oberflächlichen Be kanntſchaften gerechnet werden, ſind ſpaniſche Gewohnheiten der Gaſtfreundſchaft, die hierher verpflanzt ſind.

Männer und Weiber gleichen ſich überall, ob in die anmuthige Mantilla gehüllt, oder nach der neueſten Mode gekleidet, ob ſie einen ſpaniſchen Mantel, einen mexicaniſchen Sarape oder einen ſchottiſchen Plaid tragen. Die Weiſe der Frauen hat hier etwas ungemein Freundliches, die ſpaniſche Etikette etwas ungemein Langweiliges. Nachdem man der Sitte gemäß jede eintretende Dame geküßt, was im Ganzen etwas Zuthunliches hat, und die vornehmſte auf dem Sopha rechts placirt iſt, ein Punkt, der von Wichtigkeit ſcheint beginnt nothgedrungen folgendes Geſpräch:Wie be⸗ finden Sie ſich?Ihnen zu dienen und Sie?(Sir noce- dad)Wie immer zu Ihren Dienſten.Ich freue mich. Und wie befinden Sie ſich, Sennora?Zu Ihrer Ver⸗ fügung, und Sie?Tauſend Dank, und der Sennor? Zu Ihren Dienſten, wie immer u. ſ. w. Ehe man ſich ſetzt, ſagt man:Bitte, nehmen Sie Platz!Sie zuerſt,