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„Der Sperber ſitzt im hohen Neſt
Und mag nicht niederſteigen
Zum wilden Todesreigen—
Komm'’', Räuber, ſchon beginnt das Feſt! Kein Flötenklang— der Kugeln Braus Lockt aus dem Neſte dich heraus!“—
Auf Hügels Höh' im dunklen Hag Steht einſam die Kapelle; Schön⸗Aennchen an der Schwelle, Viel trauert wohl ſeit Jahr und Tag; Sie trauert viel und weinet dann Und betet für den todten Mann!—
Eine arabiſche Löwenjagd.
Bekanntlich ſind in Europa, wo es keine Löwen, Tiger oder Elephanten, überhaupt eigentlich keine reißenden Thiere im großen Styl mehr giebt, die bedeutendſten Jäger dieſer Beſtien nicht blos geboren, ſondern auch erzogen. Daß der Europäer ſich zu dieſer Jagd am meiſten eignet, da er ſich am meiſten durch Muth und kaltblütige Beſonnenheit auszeichnet, kann uns nicht Wuͤnder nehmen. Aber es muß frap⸗ piren, daß die ſonſt ſo couragirten und in vielen Dingen praktiſchen Bewohner der eigentlichen Wilden⸗ thiergebiete, welche Gelegenheit haben, Erfahrungen einzuſammeln, auf der Jagd ſtets ſo unpraktiſch, ja knabenhaft und ſogar muthlos ſind. Unter ihnen mußte z. B. der große Löwentödter Gerard mit Recht ſo große Senſation machen und wie ein übermenſch⸗ liches Weſen angeſehen werden.
Ein als Officier lange in Afrika geweſener Deut⸗ ſcher ſchildert uns eine von Arabern bewerfkſtelligte und von ihm mitgemachte Löwenjagd, welche die obigen Andeutungen beſtätigt und zu einem Vernet'⸗ ſchen Gemälde den Gegenſtand bildet.
Als der Erzähler mit einem Arabercorps am Rande der großen Wüſte lag, wurden in der Nähe einige Löwen geſpürt, man ſuchte deren Lager zu
Novellen⸗
recognosciren und beſchloß die Jagd, nachdem man die nöthigen Vorbereitungen getroffen. V
Ich ergriff, ſagt der Berichterſtatter, um ſo lieber die Gelegenheit, einer Löwenjagd beizuwohnen, als ich mir in Oran viele vergebliche Mühe gegeben, dieſes Vergnügens theilhaftig zu werden. Die Füh⸗ rung unſers Zuges wurde einem jungen Manne an⸗ vertraut, der gleich mir noch keiner Löwenjagd bei⸗ gewohnt hatte. Dieſer Hamed⸗Ben⸗Abdel⸗Nail war der Liebling des Stammes. Die Jäger waren unter
Zeitung.
den beſten Schützen ausgeſucht und ſämmtlich mit Büchſen bewaffnet worden. Schläuche an unſere Sättel und brachen ſehr früh⸗
zeitig am andern Morgen mit den freudigſten Er⸗
wartungen auf, und gleich im Beginn des Marſches ſchienen gute Vorbedeutungen uns Glück zu verſprechen.
Wir ſahen nämlich die Wirkungen der Luftſpiegelung in ſeltener Ausdehnung. Es war während der Nacht
empfindlich kalt geweſen, am Morgen dagegen brannte die Sonne zum Verſengen. Etwa eine Stunde nach Sonnenaufgang lagerte ſich ein brauner, durchſichtiger Duft über den Sand und verhüllte nebelartig die entfernteren Gegenſtände. Die Hitze ließ nach, wir verfolgten vergnügt unſeren Weg, ſprachen über den wahrſcheinlichen Ausgang der Jagd und unterhielten uns von Abenteuern, die meine Begleiter bei frühe⸗ ren Löwenjagden erlebt haben wollten. Plötzlich deu⸗ tete Einer, der neben mir ritt, mit einem Ausruf der Verwunderung nach der Spitze des Zuges, wo die Pferde unſerer beiden Führer den feſten Boden ver⸗ laſſen hatten und in regelmäßigem Galopp die Luft traten. Mein Nebenmann hatte nie von dergleichen
gehört und gerieth bei dieſem Anblick ganz aaßer ſich, und auch die Araber jubelten wie beſeſſen, ſchrie'n
ihr„Serab!“ und jagten wie große Kinder hinter einander her. von dem Lande der Wunder geweſen, deſſen Thore heut für uns geöffnet ſchienen. Die Feen der Wüſte hatten ihr Zaubernetz über den Sand gebreitet, um uns die Oede ihrés Reiches zu verbergen. Reiter und Pferde nahmen die ſeltſamſten Formen an; die beiden Kameele, die in einiger Entfernung uns folg⸗
langen Hälſe ſchienen uns trotz des Abſtandes errei⸗ chen zu können. Die Zweige der Alfa- und Denſa⸗ Büſche begannen zu wachſen, wir ritten durch einen Wald rieſiger Baobab⸗Bäume, und die Wipfel derſel⸗ ben bogen ſich bis zur Erde unter dem Geyicht der kleinen ammerartigen Vögel, welche die Samenkörner dieſer Gewächſe aufpickten und Flügel und Krallen des Rieſenvogels der arabiſchen Märchen entlehnt zu haben ſchienen. Die Täuſchung währte unter wechſeln⸗ den Formen faſt eine Viertelſtunde lang. Als die Erſcheinungen ſchwanden, waren unſere Pferde, auf die wir bisher nicht geachtet hatten, mit Schweiß bedeckt, ihre weit geöffneten Nüſtern zitterten und warfen ſtoßweiſe die Luft aus; ſie glaubten offenbar einer großen Gefahr entgangen zu ſein.
Der Himmel glänzte bald wieder in ſeiner frühe⸗ ren Klarheit, und die Sonne brannte mit neuer Kraft. Wir ritten jetzt vorſichtiger weiter, weil wir uns der Stelle näherten, wo unſere Führer das Lager der
Wir hingen Beutel und
Es waren dies nur die Außenpoſten
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