68 Novellen⸗
„Und wenn ſie nun morgen fortgeht,“ rief er, Walter's Hand ergreifend,„und ich werd' ſie lange nicht zu ſehen bekommen, ach, das wird mir das Herz abſtoßen!“
„Papperlapap, wofür biſt Du ein Mann? Ueber Bord mit allen Frauenzimmergedanken!“
„Das hab' ich mir auch geſagt und ich hab' mich dagegen geſtemmt mit aller Kraft... aber es will doch nicht gehen!“
„Unſinn, es muß gehen!“
Einen Moment ward es ſtill. Durch die Weiden ſeufzte ein kühler Wind, im Teich daneben muſicirten die Fröſche, und der Himmel öffnete ſich, um einem neugierigen Mondenſtrahl den Durchblick zu vergönnen.
Joſef ſah in das Licht hinein, und da bemerkte Walter, daß er bleich war, und in verdrießlichem Tone rief er aus:„He? haſt Dich wohl weiß angekreidet?“
Joſef indeß ſtellte ſich, als höre er das nicht, ſondern meinte:„Schau, Ohm, ich hab' mir was gedacht. Nämlich, wenn Reſt gar nicht fort ginge, und ich mich tüchtig auf die Arbeit legte und was recht Ordentliches vor mir brächte... ſchau, das Stromern hab' ich ſatt und feſt beſchloſſen hab' ich's, daß ich hier bleiben und mit angreifen will!“
„Das läßt ſich hören, Junge, und ich ſag' Dir, ich hab' ſchon lange erwartet, daß Du damit her⸗ ausrücken würdeſt. Das heißt, mit Deinem Entſchluß hierzubleiben und was Eigenes zu gründen!.. Wo in aller Welt biſt Du eigentlich umhergeſtromert? Da Du niemals darüber geſprochen, wollte ich auch nicht fragen, aber weil Du jetzt von ſelbſt darauf fommſt...“
„Ach, Ohm, ich hab' mich umgeſehen im Süden und im Norden, und's giebt wohl keine größere Stadt, wo ich nicht geweſen. Am liebſten denk' ich an Ita⸗ lien zurück, weil meine Schweſter Beatrix dieſes wun⸗ derſchöne Land mit mir durchwandert iſt; aber ſteht mir dann Venedig vor Augen, ha, dann wird's mir ſo heiß im Kopf und meine Hände ballen ſich und ich möcht' nach einem Dolch greifen...“
„Heiliger Hieronymus! Joſef! was ſind das für wilde Gedanken!.. Ja, Deine Schweſter mußte frßh ins Gras beißen... ſtarb ſie in Venedig?“
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„Ermordet ward ſie auf dem Marcusplatz in Venedig!“
Es währte eine lange Weile, bevor der Bürger⸗ meiſter die Sprache wiederzufinden vermochte.„Er⸗ mordet!“ ſprach er endlich, ſtehen bleibend und auf ſeinen Stock ſich ſtützend,„armer Joſef, arme Be⸗ atrix!... Und wer war ihr Mörder?“
„Ein Ruſſe, ein Fürſt Romanow!“
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Zeitung.
„Ein Fürſt?! Gütiger Gott, und Du haſt keinen Blitzſtrahl auf dieſen Mörder geſchleudert?!... Um des Himmels willen! wie kam's? Wie war ſolch' ein Gräuel nur möglich?“
„Auf dem Marcusplatz ſah uns Romanow zuerſt. Die Schönheit meiner Schweſter zog ihn an und er ſagte ihr viel' ſüße Worte. Sie aber drehte ſich um und warf einen Blick mir zu, den ich verſtand. Alſo trat ich dazwiſchen und hieß ihn gehen. Darauf ſahen wir denn länger nichts von ihm, bis er eines Abends zu uns in die Wohnung kam, die er, wie er ſagte, ausgekundſchaftet hatte. Beatrix floh in die Kammer, er warf ein Goldſtück auf den Tiſch und ſagte lachend, ich könne mir draußen den prächtigen Mondſchein an⸗ ſehen, aber ich verſtand die Sache anders. Ich ſchleuderte ihm das Goldſtück an den Kopf, griff nach dem erſten Stuhl und ſchlug damit um mich. Dann begegneten wir dem Elenden lange Zeit gar nicht wieder, nur einmal fing Beatrix wie ein angeſchoſſenes Reh an zu zittern, und richtig, da ſtand er vor uns am Brunnen. ⸗Willſt Du gehen,» rief ich, zoder all' Deine Knochen ſind zerſchmettert!« Und da ging er.“ 8
Beide befanden ſich noch immer auf derſelben Stelle. Joſef drückte die Hände gegen die hämmernden Schläfen, Walter's Fröſteln hatte ſich in Froſt ver⸗ wandelt.
„Ich will's kurz machen,“ fuhr Joſef fort.„Auf dem Marcusplatz, da fing der Gräuel an und da ging er auch zu Ende. Noch wie heut ſeh' ich den finſtern Abendhimmel und die tauſend Menſchen, die ſich da umher drängten, vor mir... Beatrir hatte
ſchon öfter geſagt, wir wollten nach Hauſe, Mhalr ich
mocht' immer nicht, es ſteckte ſolch' eine Unruhe in mir. Plötzlich ſehen wir uns umringt, Drei zugleich ſtürmen auf uns ein. eEr iſt's! Er iſt der Rechte! Stoßt zu!» hör' ich rufen, ich merke, ſie wollen mein Leben, und zieh' den Dolch... da ſchreit Beatrix auf und wirft ſich in meine Arme, um mich zu ſchützen... aber indem ſtoßen die Mörder zu, und da, da liegt Beatrix entſeelt zu meinen Füßen. Ich ſollt' ſterben, weil ich dem Fürſten im Wege ſtand, und nun war ſie das Opfer geworden!.. Was weiter„geſchehen, weiß ich kaum. Nur hört' ich noch Einen rufen: ⸗Teufel! Das war dumm! Ins Waſſer mit ihr!⸗
und ſah noch viele Menſchen uns umringen; dann
fiel ich juſt wie ein Todter nieder und kam erſt wieder zu Sinnen, als die Sonne auf den leeren Platz ſchien... Ja, Ohm, das hat Fürſt Romanow auf dem Gewiſſen!“
„Und er, der die Mörder gedungen? Und die Gerichte?“
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