Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
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Karawane allmählich wieder eingezogen, und gemein⸗ ſchaftlich hat man Häuschen von Holz errichtet, aber durch die Löcher, die ſtatt der Fenſter dienen, fährt

der Rauch, weil kein Schornſtein vorhanden, und ſtatt

in die Betten, legt man ſich auf das Bret, das an der Wand befeſtigt worden.

Die Schule iſt ins Pfarrhaus verlegt. Schul⸗ und Wohnſtube und Schlafkammer und Küche, das alles iſt jetzt eins, und während der Unterrichtsſtunden muß Mutter Entzmann mit den Kleinſten die Nachbarn beſuchen, indeß Thereſia derweil das Harfenſpiel erlernt.

Ob's doch wohl etwas damit würde? Ob der Reſi die Gulden und Kreuzer doch wohl zufliegen würden? Das fragten ſich die Presnitzer, deren anfänglicher Enthuſiasmus allmählich in einen gelinden Zweifel umgeſchlagen, nun oft. Aber Reſt war nicht das Mädchen, das vor zweifelnden Geſichtern zurückſchreckte, unabläſſig verfolgte ſie ihren Weg und mit um ſo größerer Ausdauer, da ſowohl Joſef als Walter nach jeder Lehrſtunde ſich lobender und bewundernder äußerten. Denn natürlich fehlte der Bürgermeiſter niemals dabei. Thereſia hatte ſeine ſtete Gegenwart zur erſten Bedingung gemacht, und er ſah dem ⸗Wetter⸗ jungen⸗ und dem ⸗Wettermädel⸗ ja viel zu gern ius Auge, als daß er das Fernſein hätte ertragen können.

So ſtrich die Zeit vorüber, und immer freudiger erglänzten Joſef's Augen, und Walter's Träume wurden immer beunruhigender, denn ihm träumte nur noch Nacht für Nacht von einem rieſigen Geld⸗ ſacke, der von Leipzig ausgewandert war und ſich zu allſeitigem Entzücken in Presnitz niederließ.

Dann kam der Monat Auguſt. Wie luſtig lachte die Sonne, wie traurig aber erzitterten die Herzen! Sonſt hatte man geerntet, was Gott beſcheert, und wie übervoll waren die Scheunen geworden, jedoch in dieſem Jahre? Gras und Unkraut auf den Feldern!

Wann würde es wieder beſſer werden? An Thereſia, den Rettungsengel, dachten die Meiſten ſchon nicht mehr; hatten ſie doch geglaubt, die Erlernung der Harfe wäre ein Kinderſpiel und das Wandern und die Erwerbung von Schätzen könne ſchnell wie der Wind gehen.

Jetzt jedoch friſchte der Bürgermeiſter die Er⸗ innerung an den Rettungsengel wieder auf. Er ver⸗ anſtaltete eine Prüfung, und weil natürlich ſeine Stube zu eng dafür war, wurde das ⸗Dingerl⸗ auf dem Felde abgemacht. Die ganze Bevölkerung war dazu geladen. Auf einer Tonne ſtand Thereſia, ſie ſang und ſpielte dazu. Und was da für Lob er⸗ ſchallte, wie der Mund aufgeriſſen wurde! Mutter

Novellen⸗ZJeitung.

Entzmann ſchluchzte, und Vater Entzmann ſtand da ſo ſtolz, als habe er eben einen Schatz gefunden, und um Joſef's, Walter's und des Pfarrers Lippen ſchwebte ein ſo glückliches Lächeln, als ſeien plötzlich wieder Wohlſtand und Freude in Presnitz eingekehrt. Daß der Stadt bald die beſte Kirchenſängerin fehlen werde, daran dachte Niemand in dieſer Stunde. Aber doch, Walter dachte daran, und als er nun Abends von der Lehrerfamilie und dem Neffen um⸗ geben war, ſprach er:Jetzt zur Sache. Ich hab' meinen Kalender durchgeſehen und darin gefunden, daß es am 25. September in Leipzig losgeht. Die Meſſe, meine ich, geht dann los. Ich bin niemals hingekommen, aber mein Vater fehlte da nie und er wußte Wunderdinge davon zu erzählen. Alſo!

Hm, hm, machte Entzmann, undAch, mein Gott! ſeufzte ſeine Frau, denn Beide merkten, wo das Stadtoberhaupt hinaus wollte.

Reſi und Joſef ſchauten ſich an, ſie wurden bleich, aber ſagten kein Wort.

Und Walter fuhr fort:Die Reſi wird uns an allen Ecken und Enden fehlen, doch das hilft nichts. Mein Vater hat's geſagt, daß in Leipzig das Geld auf dem Pflaſter läge. Und darum, Reſt, mach' Dich getroſt dahin auf den Weg. Du haſt was gelernt und kannſt was, und ſo wahr ich Ignaz Walter heiße, 's wird Dir nicht fehlen..

Wieder begegneten ſich Joſef's und Reſi's Augen, und mit zitternder Stimme verſetzte ſie:Ich werd's thun; möge die liebe Muttergottes mich ſchützen.

Vater und Mutter Entzmann ſagten gar nichts

die Flammenſäule aus Haus und Stall emporſchießen ſahen....

Nun folgten recht trübe Tage. Der Lehrer ging

brummend einher und war gegen die liebe Schul⸗

jugend noch einmal ſo ſtreng; die Frau ſaß im Winkel und ließ den Kopf hängen; Thereſia blickte ſo ernſt und wehmüthig drein und griff oft nach ihrem Herzen; Joſef warf ſich auf ſein Pferd und ſprengte in den Wald hinein, als ob er nichts ſehen und nichts hören wollte.

Alter, ſagte ihm die Frau,wo liegt eigentlich dieſes Leipzig? Sehr, ſehr weit von uns muß es ſein! 8

Weit iſt's ſchon, verſetzte er,man geht dahin über Jöhſtadt.

So, meinte ſie, ſeine Kenntniſſe bewundernd, dann ſind's viele Meilen. ¹

Das iſt richtig. Darauf ſchwieg er, trat an

das Fenſter und ſchaute ins Weite.

mehr, aber ihnen war wie damals zu Muth, als ſie

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