Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
62
Einzelbild herunterladen

62 Novellen⸗Jeitung.

noch eine heiße Discuſſion, doch endlich überzeugte man ſich, daß man die achtzehn Artikel annehmen müſſe, wenn man die Exiſtenz eines unabhängigen Belgiens erreichen wolle. Am 9. Juli 1831 ſchritt man zur Abſtimmung und 126 gegen 70 Stimmen nahmen in den achtzehn Artikeln die Friedens⸗ präliminarien an. Gleich nach dieſem Votum, welches das Land conſtituirte und rettete, wurde die Deputation ernannt, welche dem Prinzen die Annahme der achtzehn Artikel melden und ihn nach Brüſſel begleiten ſollte. Dieſelbe reiſte am 10. Juli nach London ab, am 12. Juli wurde ſie von dem Prinz Leopold empfangen, der ſchon am 16. des Morgens ſechs Uhr, nachdem er vorher auf die ihm bewilligte Apanage verzichtet hatte, mit ihr nach Dover abreiſte, wo ſie ſich Nach⸗ mittags um 3 Uhr nach Calais einſchifften. Der König Lud⸗ wig Philipp hatte angeordnet, daß dem Prinzen Leopold bei ſeiner Ankunft im Hafen von Calais königliche Ehrenbezei⸗ gungen erwieſen würden, und zum Empfang desſelben den franzöſiſchen Pair, General Belliard, dahin geſandt, der bereits zum franzöſiſchen bevollmächtigten Miniſter an dem neuen belgiſchen Hofe ernannt war und am folgenden Tage den Prinzen auf ſeiner Reiſe über Dünkirchen nach der belgi⸗ ſchen Grenze begleitete, wo der neue König von dem belgi⸗ ſchen Miniſter des Innern, Herr de Sauvage und dem tapfern General Wauthier, die von dem Regenten Baron Surlet de Chokier zu dieſem Zweck dahin geſandt worden waren, empfangen wurde. In Furnes, Oſtende, Brügge, Gent wurde dem Prinzen von der Bevölkerung ein enthuſiaſtiſcher Empfang bereitet und längs der ganzen Landſtraße von der belgiſchen Grenze bis nach Laeken war auch die ärmſte Hütte mit grünen Zweigen und Laubguirlanden verziert und die Bewohner derſelben erwarteten an ihren Hausthüren das Vorüberfahren des von dem Nationalcongreß erwählten Prin⸗ zen, welcher die Wohlfahrt des Staats und ſeiner Bürger, das Vertrauen, den Frieden und die Sicherheit im Lande wieder herſtellen ſollte..

Die Ankunft in Laeken erfolgte des Abends halb 11 Uhr und im Schloſſe daſelbſt waren der Regent, die Miniſter und die Mitglieder des Bureau des Congreſſes verſammelt, um den Prinzen Leopold bei ſeiner Ankunft zu bewillkommnen.

(Schluß folgt.)

Im Innern Ungarns.

Zurückweiſend auf die ſchon früher nach Schwab mitge⸗ theilten Scenerien der öden und doch ſo phantaſtiſchen Pußta fügen wir hier noch einige Bemerkungen über das ungariſche Leben und Treiben in den inneren Comitaten bei.

Die Ortſchaften liegen hier nicht ſo nahe beiſammen,

wie in Deutſchland; dennoch ſind wir in einem gut bebauten

Landestheile, deſſen Dörfer zuſammengenommen, außer den Bauern, tauſende von Edelleuten aller Abſtufungen umſchlie⸗ ßen, vom reichen Magnaten angefangen bis zumBundſchuh⸗ Edelmann, der ſich vom Bauern nur durch ſeine ehemaligen Vorrechte unterſcheidet.

Mitten im Dorfe breitet ſich die adeligeCurie aus, ein ſehr langes, ebenerdiges Wohnhaus mit einer breiten offenen Vorhalle und mit verblichenen Schildereien im Gie⸗

belfelde. Zu beiden Seiten ſchließen ſich mehrere zerſtreute

kleine Häuſer an, die Wohnungen der mannigfaltigen Dienſt⸗ leute. Mehrere Damen des Hauſes ſitzen in der Halle mit weiblichen Arbeiten beſchäftigt; zwiſchen ihnen einige Herren. Einer hat beide Arme kräftig auf den Tiſch geſtemmt und das Geſicht auf die Hände geſtützt. Er verläßt dieſe Stel⸗ lung nicht und blickt den eintretenden Deutſchen mit ſchein⸗

barer Gleichgültigkeit an. Der Wirth empfängt den Gaſt herzlich; derAufgeſtemmte flucht aber wegen irgend einer Kleinigkeit ungariſch herum, und wiewohl alle in fließendem Deutſch, das jeder gebildete Ungar kann, zum Gaſte reden, macht er wiederholt Miene, dieſen magyariſch anzureden. Sobald er aber merkt, daß der Fremde beſſer Latein ſprechen kann als er, etwas vom Waidwerk verſteht, wird er gegen dendummen Schwab' freundlicher und glaubt, daß er doch keinſchlechter Kerl ſei.

Es wird Abend. In einem Zimmer haben ſich einige ältere Glieder des Hauſes mit dem Pfarrer zu einer Whiſt⸗ partie niedergelaſſen. In einem anderen Gemache tanzen die jüngeren Leute ſtundenlang unermüdet den Cſärdäs. Alle tanzen ebenſo gut als leidenſchaftlich. Tanzen iſt in Ungarn, ſobald junge Leute beiſammen ſind, die liebſte Unterhaltung zu allen Stunden des Tages.

Am andern Morgen frühſtückt Jedermann für ſich und

man hat Muße, ſich auf dem Edelſitze umzuſehen. Von einer

Erhöhung im Garten erblickt man einen Theil des Gutes, eine mächtige Fläche, die nur theilweiſe aus Feld und Wieſe, meiſtens aus Weide beſteht. Hier, wie ſo häufig in Ungarn, giebt es zuviel Grundbeſitz und zu wenig Capital und Arbeits⸗ kraft. Der nahe Eichwald ſteht ſehr dünn, wie ihn Mutter Natur geſchaffen, und das Vieh, das einſt auch im jungen Wald hier weidete, hat durch Abfreſſen der Wipfel dafür geſorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel wachſen. In ſeiner jetzigen Geſtalt nützt der Wald nur zur Deckung des häuslichen Bedarfes an Holz und durch ſeinen Reichthum an Knoppern. Die übrigen Beſitzungen liegen weit ab und werden meiſt nur einmal im Jahre beſucht.

Es iſt Mittag geworden. Man ſpeiſt nicht genau zu derſelben Stunde. Vielleicht kommt noch der aus der Stadt, jener von der Jagd. Die Zahl der Tiſchgenoſſen iſt für gewöhnlich groß, wird aber an hohen Feſttagen leicht um 20 bis 30 Köpfe, meiſt Verwandte, vermehrt. Jeden Tag wird für zwei bis drei Perſonen mehr gekocht, als ehen nöthig, da häufig zu Mittag oder bald nach Tiſ zum Thor hereinraſſeln, das bei Nacht nicht geſ⸗ das Feuer darf, wie in einem Gaſthofe, von 6 Uhr ſrüh bis 10 Uhr Abends nicht ausgehen. Der gewöhnliche Mittags⸗ tiſch iſt überreich beſetzt; ſind aber Gäſte da, die man beſon⸗ ders ehren will, ſo ſcheinen die Gerichte kein Ende zu nehmen; dann kreiſen auch fleißig die Becher und drängen ſich die in Ungarn ſo beliebten Trinkſprüche, welche übrigens meiſt einen glücklichen Wurf, Schwung und Kraft haben. Die Unterhaltung bei Tiſche wird immer lebhaft, ja leidenſchaft⸗ lich geführt, wobei die Damen nicht zurück bleiben. Mit welchem Feuer manche ungariſche Dame reden kann, iſt erſtaunlich; Alles an ihr ſpricht: Auge, Mund, Naſe, Hände ſind in lebhafteſter Bewegung; ſie ſpringt vom Tiſche empor, reißt die Thür auf, ſtürzt in's andere Zimmer, ſchlägt die Thür zu, ſtellt ſich geſticulirend vor Jemand hin und erzählt ungemein dramatiſch.

Sehen wir uns einzelne Leute der Geſellſchaft an. Da iſt der geiſtliche Herr. Er macht von dem in Ungarn übli⸗ chen Rechte Gebrauch, ſeine eigenen Gäſte auf den Edelhof mitzubringen. Die Lutheraner nennt er in ſeinem gebroche⸗ nen Deutſch ſchlechtweg einLuderzeug.Am Freitage muß man faſten und der Pacſt iſt auch als weltlicher Regent unfehlbar ſind die Fundamentalſätze ſeiner Religion. Er i*ſt der lebendige Widerſpruch, obwohl ſeine große Leiden⸗ ſchaftlichkeit er flucht im Nothfalle wie ein Huſar ihn bis in ſein hohes Alter nie über etwas ruhig denken ließ.

aaufig mehr, Snas ſelſ uiche Uubefe luviſſenheit wird.

ſolz. Die ſehr ausgebi außern, un Muſter vo ſogar herz ſankeiten! Die Erzie Milde und tactvoll, al über manch Deutſche m

3

LCao*. Aufdringlit wiſchen D

Auch fühlen leid umpin, du ruſbrechen, riellen und Deuſſchlan Lande eirc thum doch entgegen. ſeßhaften derten der ſtändlich e an lichte Ungauns, in der ſo

Panaodie Im Ag Deuſſe Alpenla Slowak liſchen jenen N Ei