Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
56
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Herr Jeſus! ſchrie die Frau, ſchlagend, und ſie machte dabei ſolch' einen Satz durch die Stube, daß der Talar von Hochwürden gleich einem Fähnlein im Winde faatterte.

Sei ruhig, Alte, befahl der Mann kurz,ich werd' jetzt reden.

Und er redete. Er ſchüttelte Joſef's Rechte und ſagte:Sei bedankt und ſein, ich halte große Stü⸗ auf Euch. Der Vorſchla iſt redlich gemeint, und die Reſi würd' ſicher was vor ſich bringen, aber... 4 Alter,'s könnt' ein Ungluck Ndode

Alte, ich red' jetzt, verſtanden?.. Aber ſo was will überlegt ſein, Joſef. Der Pfarren iſt nicht da, jedoch wenn er heimkehrt, werd' ich ihn um Rath fragen. Schau, Joſef, draußen in den großen Städten ſollen die Wege ſehr glatt ſein, und wer auf dieſen Wegen keinen geübten Schritt hat, ſoll ſehr leicht ausgleiten können... daß weder ich noch mein Weib noch die Reſi jemals aus Presnitz herausgekommen ſind, hier ſind wir ge⸗ boren und, wenn's Gott gefällt, werden wir auch einſt auf dem Friedhof hier zu liegen kommen.

Vater, rief da das Mädchen, auf ſeins. Sch ihre Hände legend,Du kennſt doch Deine Reſi? Bis jetzt hatte ſie geſchwiegen, nachgeſonnen;

ein Kreuz

erſt war ſie bei Joſef's Vorſchlag zurückgebebt und ihr inneres Auge hatte nur Hemmniſſe, rieſengroße Berge und

. grundloſe Schluchten, wahrgenommen, dann aber war

der nächſte Gedanke über ſie gekommen: du kannſt helfen, nicht deinen Eltern und Geſchwiſtern allein, ſondern Allen in Presnitz! und dieſer Gedanke, war er nicht für ein Gemüth wie das Reſi's gar ſo be⸗ ſeligend und berauſchend? Und wie nun neue weiße Häuſer und Wohlſtand und Freude vor ihrem Blick aufſtiegen, da ſchwanden die Hemmniſſe mehr und mehr, da wurden kleiner und kleiner die rieſengroßen Berge, da füllten die grundloſen Schluchfen ſich aus und wurden zu einer lieblichen Ebene, auf der eine herrliche Blume erblühte, die Blume des Muthes, der Ausdauer, der Beglückung. Jetzt war ſie einig mit ſich. Ich wag's! ſprachen zugleich ihr Kopf und ihr ſtürmendes Herz. Und darum, des Vaters Zaudern trotz ſeiner Berufung auf den Pfarrer bemerkend, rief ſie aus:Du kennſt doch Deine Reſi?!

Und ſanft löste er von ſeinen Schultern ihre Hände und legte dafür die ſeinen auf ihr Haupt. Ich werd' mit dem Pfarrer reden, ſprach er tief bewegt,o, ob ich Dich kenne, meine Reſi! Frrendig fiel Joſef ein:Der Ohm ſagte auch, die Reſi wär' ein Mädchen, der tauſend Teufel nicht ſoviel anhaben könnten!

und nun will ich noch ſagen,

Novellen⸗Jeitung..

Alter, Alter, warnte die Frau,das Unglück ſteht vor der Thür! *Dann mag es halt draußen bleiben, Alte... Der Pfarrer ſoll entſcheiden. Wenn das iſt, fällt mir ein Stein vom Herzen. Nimmermehr wird's der geiſtliche Herr zugeben! Er verſetzte nichts weiter darauf, ſondern ging

eeiin Ohm ſoll auch deenaihedn Joſef, der wieder anzufragen verſprochen, hinaus.

D das Fenſter blickte Thereſia auf all' das Elend ingsumher, doch trotzdem ſchwanden die Wolken⸗auf, ihrer Stirne mehr und mehr, denn die Hoffnung in ihrem Herzen ſchlug immer ſtärkere Wurzeln und in⸗ mitten alles Jammers ſnies ſie ſich glücklich, ſehr glücklich.

Später kehrte der Pfarrer r zurücf Entzunann nahm ihn in die Ofenecke, ihm berichtend, was Joſef vorgeſchlagen und Thereſia erwidert, wie er und ſeine Frau darüber dächten.Ohne ihn zu unterbrechen, hörte der Pfarrer⸗ ihr

und Hände rf die Unterlippe auf, wie das ſeine Wewo ſobald er über etwas nachdachte. Abe ann er ſich nicht; er gab weder dem ehrer Beſcheid, noch achtete er auf die

zweifelhaften Blicke der Frau, er ging auf Thereſia zu, ergriff ihre beiden Hände und ſprach:

Was ich von Dir zu halten habe, ich weiß es. Bei jeder andern Presnitzerin würde ich Bedenken tragen, doch nicht bei Dir. Der Himmel hat uns Joſef geſchickt, und Du biſt auserſehen, der Engel Deiner Eltern und der Aermſten unter uns zu werden. Darum werde freudigen Muthes Joſef's Schulerin, greife freudig, wenn die Zeit gekommen, zum Wander⸗ ſtabe, und kehrſt Du zurück, ſo wird Deine Seele ſo unbefleckt ſein, wie am Tage des Auszuges, denn Gott und die Jungfrau, die Du ja vor Augen und im Herzen haſt, werden mit Dir ſein auf Stegen und Wegen.

Vater Entzmann wiſchte ſich die naſſen Augen, und Mutter Entzmann weinte laut, aber es waren Thränen der Rührung und Freude, Waren ihr die Ausſprüche des geiſtlichen Herrn nicht ein zweites Evangelium? Und da er nun ſo geſprochen, war ſie mit einem Mal völlig umgeſtimmt, und das Unglück, das durchaus vor der Thür ſtehen ſollte, war urplötzlich verſchwunden.

Und Thereſia? Mit überſtrömendem Gefühl ſant ſie an des Pfarrers und der Eltern Bruſt. Wer könnte den Frühling in ihrem Herzen beſchreiben! In dieſem Augenblick hätte ſie mit der ganzen Welt nicht getauſcht!... Aber auf Joſef warten, der wieder anzufragen verſprochen? O, dazu war ihre Seele zu voll! Nein, hin zum Hauſe des Bürgermeiſters, hin zu

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die ſie weinte.

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