Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
54
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54. Novellen⸗Jeitung.

Walter vergaß über der zu erwartenden Kunſt⸗ leiſtung dem Neffen Speiſe und Trank anzubieten; dieſer verlangte auch nicht danach, ſondern machte ſich ſogleich ans Werk, das Inſtrument von der Hülle zu befreien. Immer geſpannter wurden die Geſichter des Auditoriums, und wie der Prachtkerl» ein Paar Accorde griff, war's doch wirklich, als ſei in dieſer Stube das achte Weltwunder entſtanden. Nun fingen auch Einige an, mit den Füßen zu ſchlenkern und um die Taillen der Mädchen den Arm zu legen, allein nur zu bald mußten ſie einſehen, daß Joſef Kober nicht geſonnen war zum Tanz aufzuſpielen. Erſt ging es wie ein Freudenſchrei durch ſeine Muſik, dann ward die Weiſe getragener, dann ob er an ſeine todte Schweſter dachte? miſchten ſich Trauerklänge hinein, dann er ſah dabei Thereſia ſo innig an, daß ihr das Blut in die Wangen ſchoß klang's wie Liebe und Seligkeit, wie lauter Hochzeitsjubel.

Heiliger Hieronymus! rief Walter, als Joſef endlich die Arme ſinken ließ,Blitzjunge, wo haſt Du das her? Und nun einen Vorſchlag: Reſi ſingt ein Lied zur Harfe.

Ja, ein Lied, ein Lied! erſchallte es von allen Seiten.

Kannſt Du«Es iſt was Eignes um die Lieb»? fragte Joſef.

Nein, verſetzte Thereſie,und ich fürchte mich auch, vor Dir zu ſingen.

Thue es, ich bitte Dich, ſagte Joſef weiter, wie wär's mit ⸗Kein Feuer, keine Kohle kann brennen ſo heiß⸗?

Ich kann's wohl, aber...

Jedoch auf dieſes zaber» achtete er nicht, er begann das Vorſpiel. Und Reſi Entzmann, erſt ein wenig zaghaft, ſetzte bald voller ein, und nachdem der Schlußvers auf allſeitiges Verlangen zweimal wiederholt worden, legte Joſef ſeine Rechte auf die ihre und ſagte aus tiefſter Bruſt:Ich danke vielmal.

Und auch das Auditorium hielt mit ſeinem Dank nicht zurück, denn die Alten darunter drängten zur Heimkehr. Wirklich, für die Presnitzer Schlafmützen war es ſchon erſchrecklich ſpät geworden.Wenn's morgen wieder zu hören beliebt, nur immer herein zum Ignaz Walter, rief der Bürgermeiſter, obgleich ihm die Nagd mit den tellergroßen Augen wie ein echter Hansdrache einen kräftigen Rippenſtoß verſetzte. Aber heute lachte er dazu, denn er war unendlich glücklich.

Unter den herzlichſten Händedrücken verließen die Presnitzer ſeine Stube.

Ein Kernmädchen, die Reſi, bemerkte Joſef, als ſie nun wieder allein waren.

Glaube Dir's, verſetzte das Stadtoberhaupt,

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die verdient den beſten Mann unter der Sonne. Dann ſuchten ſie das Lager auf... Draußen

fiel Schnee, pfiff der Wind, und der Himmel lag ſo rabenſchwarz da, juſt wie ein Bahrtuch.*

Nach Auſt ein Leid.

Heilige Jungfrau, ich bitte Dich, behüt' meinen lieben Vater und meine liebe Mutter und meine lieben Brüder und Schweſtern, und ſchenke mir ein reines Herz und ein frohes Gewiſſen. Darum bitte ich Dich, heilige Jungfrau!

Thereſia erhob ſich, legte Gebetbuch und Roſen⸗ kranz auf das Bret längs der Wand und ſuchte, nach⸗ dem ſie das Licht gelöſcht, ihr Lager auf. Das ſtand in einem ſchmalen Kämmerchen, deſſen bleiumgoſſenes Fenſter die Ausſicht über den Hof gewährte; und in dieſem Kämmerchen war alles ſo ſauber und accurat, wie es nur immer in der prächtigſten Putzſtube ſein kann. Kein Körnchen Staub auf dem Crucifix, kein Spinnengewebe in einer der Ecken; und das Bett und der Fenſtervorhang ſo blendend, als würde im Schulmeiſterhauſe täglich große Wäſche gehalten.

Thereſia ſchloß die Augen, allein die Göttin des Schlummers nahte ihr nicht. Jeder Windſtoß ſchreckte ſie empor... ſchlug jetzt der Hund nicht an? Das war doch ein hübſcher Abend beim Bürgermeiſter, und Thereſia glaubte noch die Harfenklänge zu vernehmen, die gleich himmliſchem Geſange ihre ganze Seele bewegt hatten. nachdem die heiſere Thurmuhr Mitternacht gewimmert.. Aber bald ſollte ſie die Augen wieder öffnen und mit lautem Schrei aus dem Bette ſpringen.

Der Hund ächzte wie ein Sterbender, dann ward er ganz ſtill. In dem kleinen Stalle, der an das Haus ſtieß, rührte ſich's, und durch eine der geöffneten Luken drang eine dünne Rauchſäule. Aber mit der Geſchwindigkeit des Blitzes ward dieſer Rauch dicker und dicker, und da. wie das Feuer von Balken zu Balken hüpfte und luſtig zum Strohdach hinausſprang!

Feuer! Feuer! ſchreien und nach der Kammer .

der Eltern ſtürzen, das war das Werk eines Moments. Im Nu ſtanden Vater und Mutter Entzmann auf den Füßen, riſſen die Kinder aus den Betten, und nachdem der Lehrer ein Wamms übergeworfen, rannte er nach der Stallthür und dann auf die Gaſſe... In einer Ecke lehnte der Nachtwächter, er war ein⸗ genickt. 4 Jürgen! es brennt! brüllte Entzmann, die Hände ringend.

Wo? wo? rief der emporfahrende Wächter.

Bei mir im Stall!

Mit ſolchen Gedanken entſchlief ſie endlich,

.. hei, wie das praſſelte,

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