Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
53
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Bog 83

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Vierte

nicht reſpectvoll zu Kreuz gekrochen; und erſt, als plötzlich Einer rief:Schau,'s rührt ſich was da hinten auf der Wieſe! da erſt wichen die bürger⸗ meiſterlichen Stirnfalten einem freundlicheren Ausſehen.

Und näher und näher kam der Neffe.

Er reitet... ſchau, ein ſtolzes Pferd! ver⸗ kündete ein Burſche auf dem Lug⸗ins⸗Land, und unten echoten die Andern mit verwunderter Stimme:Er reitet!

Auch Walter rief's, dabei die Hände über dem Kopf zuſammen ſchlagend.

Heiliger Hieronymus! wo hat der Junge nur den Reichthum her! Denk' ich doch, er kommt an arm wie eine Feldmaus, und nun ein Pferd! Und jetzt ſeh' ich's weit genauer. Er hat auch noch was vor ſich, hm, juſt ſo ein Ding wie ein Stutzen, nur

breiter und in Leder gebunden... was das ſein mag? Potz Velten und Crispin!

Und nun ſprengte der Neffe heran, und das war

wirklich ein Burſche, wie aus einem Guß. Man den Schneider; Joſef übergab einem der Burſchen

konnte nichts Hübſcheres ſehen. Eine Geſtalt friſch und geſund, rothe Backen wie Weihnachtsäpfel, Augen wie Sterne glänzend, und das lockige Haar ſo golden, als ob es aus der Werkſtatt eines Prager Vergolders hervorgegangen.

Natürlich ſchwamm unſer Bürgermeiſter in einem Wonnemeer. Bevor er den SBlitzjungen⸗ begrüßte, ſah er ſich⸗tioch erſt im Kreiſe um, ob das junge

Volk auch mit offenem Munde da ſtehe, und dann

sgebreiteten Armen auf den Pracht⸗ nds vom Roſſe geſprungen war.

Joſef! Deuderſohn! Herzensjunge! Gott Lob und Dank, daß Du da biſt! He, und dieſer Em⸗ pfang... was ſagſt Du dazu? He?

Gelt, Ohm, da red' ich mir halt ein, daß ich der König von Böhmen bin... Seid ſchönſtens bedankt, ihr Mädchen und Burſchen, ich denk', wir werden gut freund werden!

Aber die Presnitzer Jugend vernahm kaum etwas davon, denn ſie umſtand das Pferd und blickte wie auf ein Wunderwerk auf das in Leder gehüllte und einem Stutzen gleichende Ding⸗, das mit Stricken am Sattelknopf befeſtigt war.

Schau, lachte Joſef, ſich wendend,Ihr möchtet wiſſen, was das iſt? Ich hab's in Nürnberg erhandelt und das iſt eine Harfe, und wenn wir nachher beim Ohm in der Stube ſind, will ich was drauf zum Beſten geben..

Eine Harfe! Solch' ein Inſtrument war noch nicht hergekommen, ſo lange Presnitz ſtand. O, und nun dieſe Aufregung und dieſe Freude! Die Einen betaſteten das»Dings, der kleine bucklige Schneider ließ ſich

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emporheben, um auch fühlen zu können, Andere wieder machten ſchon untereinander aus, daß ſie danach tanzen wollten, und eins der Mädchen rief:König David zieht ein!

Ueberraſcht blickte ſich Joſef, der ſeinen Arm in den des Ohms gelegt, um.Du, Ohm, wer iſt die, die mich König David genannt? Ein ſchmuckes Kind...

Ach, die, lachte Walter, ſich gleichfalls wendend, he, die gefällt Dir? Glaub's wohl,'s iſt auch eine ſaubere Dirne. Wenn ich dreißig Jahre jünger wär'. Sie heißt Reſi Entzmann, iſt des Schulmeiſters Tochter und eine Kirchenſängerin, o, was Beſſeres kann's in Prag nicht geben!

Nun dachte man daran, den König David in die Stadt zu führen. Am Himmel war es dunkel geworden, der Wind machte ſich auf und riß die Schneewolken in Fetzen, kein Stern lächelte hernieder. Paarweis trat man wieder den Rückzug an; Thereſia ließ Hagen⸗ meiers Toni abermals ablaufen» und beglückte wieder

das Pferd und ſchritt neben dem Bürgermeiſter her. Du, unterbrach dieſer plötzlich Joſef's Geplauder, ach lieber Gott! Deine arme, arme Schweſter! Noch ſo jung, mußte ſie ſchon in's Gras beißen! Sprich, Junge, was war's denn eigentlich für eine Krankheit? Ein Zittern befiel da Joſef, und nach ſeiner Stirn greifend, als wolle er tief traurige Gedanken ver⸗ ſcheuchen, verſetzte er:Laß das, Ohm, ich bitte Dich..O, dieſer Romanow! Dieſer Schuft! Was nennſt Du den? Was hatte der mit Deiner Schweſter? Ich las'nmal über einen Ruſſen Ro⸗ manow.... Es wird der ſein, den ich meine. Aber ein andermal davon... Wie weit iſt's noch bis Presnitz? Indeß Walter, zu ſehr mit Joſef's todter Schweſter und Romanow beſchäftigt, überhörte dieſe Frage, und Joſef, der das Geſpräch nur in andere Bahnen hatte leiten wollen, ſchwieg darauf ganz. So kamen ſie wieder an den Erlen vorüber, allein weder der Bürger⸗ meiſter noch die Jugend, die das verſprochene Harfen⸗ ſpiel im Kopfe hatte, achteten darauf, ob dahinter noch Rauch gen Himmel ſteige. Bald war die Stadt erreicht.König David zieht ein! ſchrie vor dem erſten Häuschen einer der Burſchen, und da kam denn Alles heraus, was noch nicht in den Betten lag, und ſchloß ſich dem Zuge an. Weiter ging's nach der Wohnung des Bürgermeiſters, deſſen Magd allerdings rieſengroße und wenig freundliche Augen machte, als die Stube nun voller und immer voller ward. Wer keinen Stuhl mehr fand, ſetzte ſich auf den Tiſch, und wem der Tiſch verſagt blieb, war froh, noch auf

der Fenſterbrüſtung ein Plätzchen zu erhaſchen.