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52 Novellen⸗
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darunter hatte, ſchlich hinterdrein; und hätt' er ge⸗ glaubt, er wäre ein Nadelkiſſen geworden, ſo hätte man ſich darüber nicht wundern können, denn eine ganze Fluth von Sticheleien, ſpitz wie Nadeln, brach über ihn ein.
Plötzlich rief Einer:„Schau, hinter den Erlen da giebt's was! Schau, es ſteigt Rauch auf!“
„Ach geh,“ meinte ein Anderer,„'s raucht wol in Deinem Kopf!“
„Aber ich ſeh's auch,“ verſicherte eine der Dirnen. „Was denkt Ihr, Bürgermeiſter?“
„Meinethalb kann's rauchen, ſo viel es will,“ verſetzte Ignaz Walter, der nichts weiter als den Neffen im Sinn hatte.„Haltet euch nicht auf, Kinder, immer vorwärts!“.
Aber das war in den Wind geſprochen, denn die
Jugend, einmal neugierig geworden, bog vom Wege ab, und wenn der Bürgermeiſter nicht allein weiter wollte, blieb ihm nichts anderes, als zu folgen. So überſchritten ſie nun ein Stück Wieſe, erklommen eine mäßige Höhe, brachen durch die Erlen und..
„Hollah! Wer will was?! Zurück!“ ertönte 8 dieſem Momente dicht vor Ignaz Walter eine Donner⸗ ſtimme. Kerzengrade ſtand ein Mann da, wie ein Steinkoloß, und drohend ſchwang er eine Stange von Eiſen.
Es währte etwas, bevor ſich das Oberhaupt in die Bruſt werfen und mit wichtigſter Amtsmiene fragen konnte:„Was⸗ willſt Du?“
„Und Du?“ gab der Steinkoloß zurück.
„Ich bin der Bürgermeiſter von Presnitz.. verſtanden?“
Natürlich erwartete er, daß der Andere ſofort den Hut mit der wallenden Hahnenfeder vom Kopfe reißen werde, allein weder das geſchah, noch gab er durch irgend ein Zeichen ſeinen Reſpect zu verſtehen; viel⸗
mehr wandte er ſich und ſchritt einem Haufen von
Männern, Weibern und Kindern zu, der ſich um ein Feuer, über dem ein Keſſel ſchwebte, gelagert hatte.
Walter hatte derweil ein höchſt ergrimmtes Ge⸗ ſicht aufgeſetzt. Müßte nicht ſolch' ein Vagabund vor dem Presnitzer Bürgermeiſter erzittern? Und wie frech, wie mit Seinesgleichen dieſer Steinkoloß ge⸗ redet! Gewiß, wär' der Büttel zur Stelle geweſen, Walter he commandirt:„Abfangen die ganze Bande!“ ſo aber war Schweigen der Reſt; und eben erklärte er den Burſchen und Dirnen, daß es das Beſte ſei, wenn ſie weiter ſchritten, da ſtand der Mann mit der Feder am Hute wieder vor ihm.
„Hollah! Sag' an, wo's dorthin geht?“
„Von dort kommen wir juſt her, und die Stadt heißt Presnitz.“
Zeitung.
„So! Wenn's dunkel wird, ſind wir da.“
„'S giebt da kein Schenkhaus, das für Euch Raum hätt'.“
„Schenkhaus?“ lachte der Andere,„pPah, dafür iſt kein Geld im Beutel. Ich weiß das ſchon, wie's gemacht wird, ich hab' drin Erfahrung. Ich geh' zum Pfarrer für die Nacht, meine Cameraden kriechen beim Schulmeiſter ins Stroh, und die Weiber und
Kinder kommen zu Dir, Bürgermeiſter.“
„Heiliger Hieronymus!“ rief Walter, den Kopf ſo heftig ſchüttelnd, daß ſein zierlicher Zopf wie der Pendel an der Uhr nach rechts und links flog.„Wer hat in der Stadt zu befehlen? Nicht wahr, Kinder? Ich, der Bürgermeiſter, hab zu befehlen!“
„Das iſt die Wahrheit!“ beſtätigte die Jugend.
„Und d'rum ſag' ich Dir,“ fuhr das Oberhaupt mit erhobenen Armen fort,„ſuche Dir einen andern Ort für die Nacht. Presnitz muß für ſolchen Beſuch danken!... Und nun konmmt weiter, Kinder. Was verſchwatzen wir hier die Zeit!“
„Alſo Ihr wollt uns nicht?“ rief der Steinkoloß den ſich bereits Wendenden nach,„gut, Ihr werdet's bereuen! Ha, ha, wir werden Euch ſchon überraſchen, und Ihr ſollt an uns denken Euer Leblang!“
Damit kehrte er, trotzig die Eiſenſtange ſchwingend, zu ſeinen Genoſſen zurück. Ihr Mahl war bereitet; eben ſchickte ein älteres Weib ſich an, davon in einen zinnernen Becher zu füllen. Dieſer ging im Kreiſe herum. Darüber entſtand indeß Streit, und Peio⸗ ders waren es die Weiber, die ſich den Bech vom Munde riſſen. Die Männer, widerliche. mit rieſigen Bärten, zerriſſenem Wamms und noth⸗ dürftig ausgebeſſertem Schuhwerk, lachten dazu; die halbnackten Kinder brachen darüber in Geſchrei und Thränen aus; und der Steinkoloß, mit der eiſernen Stange gegen den Keſſel ſchlagend, ſchrie:
„Hoiho! So iſt's recht, nur immer luſtig! Ha, ha, Cameraden, dies iſt der Anfang zu dem großen V Feſt, das ich Euch geben werd' noch in dieſer Nacht und ſo hell foll's dabei werden,
Lichter ſollen uns leuchten, und Ihr werdet eingeſtehen, daß der Jos Robikozny einen Satansgeſchmack hat! Immer luſtig! Hoiho!“.. 3
Derweil hatte unſere Empfangsdeputation das Ziel erreicht. Dort, wo auf einem Felsvorſprung, iu Reih und Glied und eng umſchlungen, drei Tannen in die Luft ragen, machte ſie Halt, und Einige klet⸗ terten einen Steinberg hinan, Umſchau zu halten. Der Bürgermeiſter blickte ſo trübe drein, als ſei ihm die ganze Freude zu Waſſer geworden; er konnte ſich auch gar nicht darüber beruhigen, daß der Steinkoloß
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daß man da oben auf dem Gottesgab eine Nadel finden kann, rieſige.
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