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grenzte, miteinander redeten und über Thereſia Entz⸗
mann's meiſterhaften Geſang einer Anſicht waren, das waren Diejenigen der Andächtigen, die das Gottes⸗ haus noch vor dem Schlußliede verlaſſen hatten. Was war denn über die Jugend gekommen? Pflegte ſie doch ſonſt nicht eher aufzubrechen, als bis der letzte Klang verſtummt; allein heute ſteckte in den Burſchen und Mädchen ſolch' eine Unruhe, als ob mindeſtens aller Schnee geſchmolzen und die Januarſonne ſich plötzlich in die Frühlingsſonne verwandelt hätte.
Und nun traten auch die Uebrigen aus der Kirche ins Freie. Sich die Hände ſchüttelnd und eine ge⸗ ſegnete Mahlzeit wünſchend, trennten auch ſie ſich ſchneller als gewöhnlich; die Unruhe ihrer Kinder ſchien ſie angeſteckt zu haben. Zuletzt kamen der Pfarrer, der Schullehrer und ſeine Tochter Thereſia.
„Dieſer Winter meint es doch gut mit uns,“ hob der geiſtliche Herr an,„die Luft iſt klar und milde, und der ſonſt ſo eiſige Wind hat ſeit dem Chriſtfeſt eine ganz andere Richtung genommen.“
„Aber kalt bleibt's dennoch,“ verſetzte Entzmann, „ich ſpür' das an meinem Ofen, der ganze Kohlen⸗ berge verſchlingt. Und das greift den Beutel an,“ ſetzte er, leiſe ſeufzend, hinzu.
„Du ſorgſt dich wieder, Vater,“ meinte da die Tochter, auf ſeine Schulter ihre Rechte legend,„und ſagen Sie, hochwürdiger Herr, iſt das recht von ihm? Hab' ich doch noch ein Schauſtück von echtem Silber, und ich dächte*.. nun, Du weißt ja, Vater, wie ich darüber denke.“
„Gutes, braves Kind,“ ſprach der Pfarrer,„ſei
die heilige Jungfrau mit Dir bis in Ewigkeit.“ „ Amen!“ rief Entzmann aus vollſter Bruſt, und Thereſia zog ihr rothes Kopftuch tiefer in die Stirn, als ob ſie die flammende Röthe auf ihrem Antlitz verbergen wollte.
Schweigſam ſchritten ſie dann eine Strecke weiter und ſtanden gleich darauf vor des Schullehrers win⸗
en. Moor, der Hofhund, ſchlug an, und eine ganze Kinderſchaar aus der niedrigen Thür, den V ater zu begrüßen.„Komm' ſchnell,“ rief ein diands Junge, 2,die Mutter hat Speckklöße gekocht...2„Und die werden ſonſt kalt und ich hab' einen fürchterlichen Hunger,“ betheuerte ein ſchwarzäugiges Mädchen.
„Dann beeilt Euch, Entzmann,“ ſagte lächelnd der geiſtliche Hexr,„Gott zum Gruß!“
Der Lehrer riß die Mütze vom Kopf und machte einen tiefſten Bückling.
Thereſia ergriff des Pfarrers Hand und küßte ſie.
Dieſer ſetzte ſeinen Weg fort, doch kaum hatte er einige Schritte gethan, als er ſich noch einmal
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Novellen⸗ZFeitung.
wandte und meinte:„Kommt Ihr nach der Nach⸗ mittagskirche mit Thereſia zu mir? Mein Amtsbruder in Wehlen hat mir ein neues Notenheft geſandt, und da dächte ich, wir könnten flugs probiren.“
„Wenn's Hochwürden erlauben, bin ich bereit,“ fiel Entzmann raſch mit ſichtlicher Freude ein.
Das Mädchen indeß war ſchweigſam geworden und ſchien zu überlegen.
„Nun?“ fragten der Pfarrer und der Lehrer wie aus einem Munde.
„Es wäre nur wegen des Neffen vom Bürger⸗ meiſter.
„Und der hat Dich auch aufrühreriſch gemacht?!“ polterte da Entzmann los.„Was iſt's denn groß mit ihm? Iſt er nicht ein Menſch wie wir Alle? Aber meiner Treu! ganz Presnitz hat ſchier darüber den Kopf verloren, als wollt' der Kaiſer von China hier Einzug halten!.. Nein, Hochwürden, wir kommen und...
Doch ſchnell unterbrach ihn der geiſtliche Herr, während ein mildes Lächeln ſeine feinen bleichen Lippen umſpielte:„Gemach, mein Freund, ich möchte Thereſien keine Freude verderben. Das Notenheft bleibt in meinem Beſitz, und es kommen der Sonntage ja mehr... Alſo Bürgermeiſter Walter erwartet den Neffen? Und daran nimmt Jedermann Theil? Erzähle doch, mein Kind.“
„Die Speckklöße werden kalt und wir haben fürchterlichen Hunger!“ erſchallte es in dieſem Augen⸗ blicke aus einer Reihe jugendlicher Kaplen.
„Ruhe!“ befahl Vater Entzme— mit der ge⸗ ballten Hand drohend, und das Mädchen erzählte: „Schauen, Hochwürden, der Bürgermeiſter bekam geſtern um Mittag einen dicken Brief von ſeinem Neffen, und da hat dringeſtanden, da
nach dem Gebetläuten. in ſeiner Freude gar nicht zu laſſ der Vesper iſt er drum flugs z
zeiſter t ſich
laufen, um's allen Burſchen zu verkünden, und dann
iſt er zu uns in die Spinnſtub' gekommen.. näm⸗ lich der Ohm und der Neffe haben ſich ſeit Menſchen⸗ gedeuken gar nicht geſehen; und da haben nun die Burſchen beſchloſſen und die Mädchen haben's duch beſchloſſen, daß ſie nach dem Gebetläuten mit dem Bürgermeiſter nach den drei Tannen hinaus wollen, denn von der Wieſenſeite da muß der Neffe her⸗ kommen.“
„Allerdings,“ meinte nun der Pfarrer,„das iſt für Presnitz ein Ereigniß, und darum, lieber Entz⸗ mann, wollen wir Eure Tochter nicht davon zurück⸗ halten. Findet ſich ja für unſere Muſik eine andere
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