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46 Novellen⸗
hat man Steinkohlenlager entdeckt, dieſelben bisher jedoch noch nicht ausgebeutet.
Farbige Steine, wie der Jaspis, der Carneol, Aquama⸗ rin, Türkiſe ſind in großer Menge vorhanden, allein der Handel hat ſich bis jetzt auf Türkiſe beſchränkt.
Die Vegetation iſt in dem nördlichen und inneren Theile der Provinz außerordentlich reich und mannigfaltig.
Bauhölzer(die Tanne, der Lärchbaum, die Fichte, die Eiche, die Eſche, der Ahorn) bedecken die oberen Gegenden des Sir und ſeiner Nebenflüſſe. Das Schlagen und Abflößen des Holzes auf der ganzen Länge des Fluſſes bewerkſtelligt ſich außerordentlich leicht.
Die Gartenbaukunſt iſt bis zu einem ſehr hohen Grade der Vollkommenheit gediehen. Faſt alle Städte und Dörfer ſind mit Fruchtgärten und prächtigen Parks umgeben. Aepfel, Birnen, Pflaumen, Granatäpfel, Pfirſichen, Aprikoſen, Citro⸗ nen, Orangen, Mandeln, Feigen, Weintrauben giebt es in reichſter Fülle und von höchſter Güte, unter anderen wachſen hier auch mehrere in Europa unbekannte Früchte, wie der Naſchbat und der Nik, welche goldfarbig und ausgezeichnet ſaftig und aromatiſch ſind. Dieſe Früchte zerfließen auf der Zunge und können weder transportirt noch aufbewahrt werden, weil ſie nach der leiſeſten Berührung bald verderben. Der Maulbeerbaum wird überall cultivirt, und die Zucht der Seidenraupen iſt ſo beträchtlich, daß der Handel mit roher Seide ſtets einen der Hauptzweige des dortigen Handels bilden wird. In den zahlreichen Küchengärten werden Zwie⸗ beln, Möhren, Rettige, Radischen, Kürbiſe, Gurken, Schoten, Schminkbohnen, Gartenbohnen, Melonen, Waſſermelonen, Gartencypreſſe in Maſſen erbaut.)
Die Felder ſind ſehr gut gepflegt, Weizen, Gerſte, Hirſe, das Dſchungar⸗Korn, Reis, Krapp, Baumwolle, Senf, Hanf, Lein gedeihen vortrefflich.
Was die Viehzucht betrifft, ſo bilden Pferde, Eſel, Maul⸗ thiere, Kameele, Schafe, Kühe und Ziegen den Hauptreich⸗ thum der Einwohner.
Hausvögel, wie Hühner, Enten, Gänſe, Schwäne, tür⸗ kiſche Enten, Truthühner, ſind ſehr zahlreich. Trappen, Faſane, Adler, Geier, Lerchen, Nachtigallen, Schwäne, Störche, Reiher bevölkern die Wälder, die Gewäſſer und die Steppen. Die Einwohner, welche leidenſchaftliche Jäger ſind, jagen Panther, Tiger, Bären, Wölfe, Füchſe, Haſen, und Gemſen.
Ein an derartigen Producten ſo reiches Land würde zu den glücklichſten der Erde gehören, wenn der grauſame Des⸗ potismus, der bisher herrſchte, die Bevölkerung nicht in einer Unwiſſenheit und einem Elend erhalten hätte, wovon man ſich kaum einen Begriff machen kann.
Die Volksſtämme, welche die Provinz Turkeſtan bewoh⸗ nen, ſind die Ueberbleibſel der mit Dſchingiskhan eingewan⸗ derten Horden. Es ſind Mongolen, Dſchungaren, Kirghiſen, Buriaten, eingeborene Turkmanen, Karakalpaken, Bukhs, einige Perſer, Khiwanen und Juden, Eingeborene aus Afgha⸗ V niſtan und Kaſchgar, Indier und andere Fremde, welche dort Handel und Induſtrie treiben.
Die bedeutendſten Städte ſind: Turkeſtan, Tſchemkend, Taſchkend und die Feſtungen: Suzan, Tſchelat, Kurgan, Soli⸗Kurgan, Piſchnek, Tokmak, Fort Perowski und einige andere. Mehrere derſelben ſind ſehr bevölkert und ſind ſchon im früheſten Alterthum entſtanden; einige zeichnen ſich durch ihre Induſtrie aus. Taſchkend zählt mehr als 100,000,
Turkeſtan 30,000 Einwohner. Die Religion iſt die mohammedaniſche. Die Geiſtlichkeit
Zeitung.
ſteht in beſonders hohem Anſehen. Der Koran iſt das einzige Geſetzbuch. Die Sprache iſt das Dſchagatal und das tür⸗ kiſch-orientaliſche Idiom, die Eingebornen ſprechen ein ſchlechtes Türkiſch. Die Bevölkerungszahl beträgt 400,000 Einwoh⸗ ner beiderlei Geſchlechts.
Tſchemkend iſt der Centralpunkt für die Verwaltung; ſie iſt 1,300 Kilometer von Orenburg, 1,800 von Omsk, 250 von Kokan, 500 von Bukhara und 700 Kilometer von Khiwa entfernt.
Die Verbindung mit Rußland wird durch die Kirghi⸗ ſenſteppe bis zum Fort Perowski durch Poſtſtationen erhalten, welche ſo eben bis Tſchemkend und noch weiter hinaus errichtet worden ſind. Die langſame und beſchwerliche Karawanen⸗ Verbindung wird auf dieſe Weiſe durch Wagen erſetzt, und die ehemals entſetzliche Reiſe von Orenburg bis Bukhara und Khiwa und von Troitsk bis Taſchkend wird mit aller Bequem⸗ lichkeit der europäiſchen Poſten in fünf Tagen zurückgelegt werden können.
Dieſes reiche und ſchöne Land wird von nun an von dem ruſſiſchen Unternehmungsgeiſt auf dem Felde des Han⸗ dels und der Induſtrie ausgebeutet werden.
Wenn der noch immer geſpannten Beziehungen mit den kleinen Souverainen Centralaſiens und des neueren Krieges mit Kokand ungeachtet die Handelsbewegung auf den Linien von Weſtſibirien und Orenburg einen neuerlichſten Ertrag von zehn Millionen Rubeln ergeben hat, bis zu welchen Ver⸗ hältniſſen vermag derſelbe Handel ſich zu ſteigern, wenn dieſes Land völlig pacificirt ſein und eine geregelte Verwaltung und Schutzherrſchaft die freie Entwickelung aller der unbe⸗ rechenbaren Reichthümer Turkeſtans begünſtigen wird!
— e.
Der Geueral⸗Prorurator am Caſſationshafe Delangle und der Stellmacher. Wenn es in Frankreich einen Mann giebt, der als ein lebender Beweis dafür dienen kann, daß jeder Franzoſe, ohne
Rückſicht auf ſeine Geburt, eine hohe Stellung im Staats⸗
dienſte erreichen kann, ſo iſt es der erſt kürzlich an Stelle des verſtorbenen Dupin zum General⸗Procurator am kaiſerlichen Caſſationshofe ernannte Delangle. Er erzählt ſelbſt, daß er als Kind einer wenig bemittelten Familie in ſeinem Dorfe den groben Anzug der Dorfknaben getragen und in ſeinen hölzernen Schuhen mit ſeinen kleinen Cameraden geſpielt habe. Unter denſelben war beſonders Einer, der mit großer Liebe an ihm hing und ihn faſt nie verließ. Beide machten ihren Lebensweg, Jeder in ſeiner Art. Chapoutot iſt in ſeinem Dorfe Stellmacher und hat ſeinen Freund nicht ver⸗ geſſen, und dieſer erinnert ſich desſelben auch noch.
Die folgende Anekdote, welche Delangle ſelbſt erzählt hat, ereignete ſich zur Zeit, wo Delangle Miniſter war.
Eines Tages fand ſich Chapoutot, der kurz vorher in Paris angekommen war, wegen einer wichtigen Angelegenheit im Miniſterium ein. Als der Miniſter ſeinen Namen las, ließ er ihn aus beſonderer Gunſt zuerſt eintreten.
„Ich bin erfreut darüber, daß Du nach Paris gekom⸗ men biſt, um mich zu beſuchen, mein Freund,“ ſagte Delangle.
„Und ich auch, Herr Advocat,“ antwortete Chapoutot. „Ich habe dort unten meinen Bekannten geſagt, ich hätte in Ihnen einen Freund, aber einen Freund... nun, einen ſtolzen Freund!“
„Ich danke Dir dafür, mein Burſche; was kann ich für Dich thun?“.
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9 m; befuhe Nach der Se. Excellenz Chapout dem Miniſter „Deine überdies gar Advocaten d Dene vierh Dankt braver Man ihres Lohnes ſchuldig bin. „Laß n Freundſchaft „Mit? een, bezahler Der N annehmen z zu leiſten. „Nun und indem „Du ſiehſt „Das verdient ih Nach Geſchichte Advocaten tation. „Da beſtet,“ ri O darn De Nbe ihm ſo gnau, Loh u A ken.“
u. gegeber was er net.“


