Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
47
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aushofe

Vierte

Das will ich Ihnen erklären. Die alte Barbara Chaffaroux, welche meine und Mathieu Guillaumot's Tante war, iſt zeſterhen; aber ſie hat ein Teſtament gemacht, die arme Alte, die ihren Kopf nicht mehr hatte! ein Teſtament, das verteufelt verwirrt, ein ganz unverſtändliches Zeug iſt. Nun, Sie werden es ſchon leſen können! Die Angelegenheit iſt für mich von ſehr großer Wichtigkeit. Ich kann dadurch vierhundert Piſtolen gewinnen, wenn es entwirrt werden kann.

Zeige mir Deine Papiere, mein Freund, unterbricht ihn der Miniſter.

Chapoutot zieht aus einer ledernen Taſche ein Paquet geſtempelte Papiere heraus und der Miniſter über en ſich, indem er ſie durchblättert, daß der Proceß die gewöhnlichen und außerordentlichen Dunkelheiten nur noch verwirrter ge⸗ macht hat.

Ich muß das mit Ruhe durchleſen, ſagt er zu Chapou⸗ ot;beſuche mich morgen wieder.

Nach dem aufmerkſamen Durchleſen der Acten entwarf Se. Excellenz ſelbſt eine ausführliche Conſultation.

Chapoutot ermangelte nicht, ſich am folgenden Tage bei dem Miniſter einzufinden, der zu ihm ſagte:

Deine Angelegenheit ſteht nicht ſchlecht. überdies ganz deutlich auseinander geſetzt. Advocaten dieſe vier Seiten leſen und ich glaube, Deine vierhundert Louisd'or bekommen.

Dank, Herr Advocat, großen Dank! Sie ſind ein braver Mann und ein ſtolzer Freund; aber jede Arbeit iſt ihres Lohnes werth und Sie müſſen mir ſagen, was ich Ihnen ſchuldig bin.

Laß nur, lieber Freund; das war ich ſchon unſrer alten Freundſchaft ſchuldig.

Mit dieſem Ohre höre ich nicht. Hier ſind fünf Fran⸗ ten. bezahlen Sie ſich davon. G

Der Miniſter weigerte ſich umſonſt, irgend eine Zahlung annehmen zu wollen, Chapoutot beharrte dabei Zahlung dafür zu leiſten.

Nun, ſagte Delangle,weil Du es durc aus willſt, und indem er ihm zwei Franken zurückgab, ſagte er zu ihm: Du ſiehſt, ich behalte einen Thaler.

Das iſt mir liehe, entgegnete Chaboutot,jede Arbeit verdient ihren Lohn.

Nach der Rückkehr in ſein Dorf ermangelte er nicht die Geſchichte zu erzählen und er zeigte dem Anwalt und dem Advocaten, die ſeinen Proceß zu führen hatten, die Conſul⸗ tation.

Das iſt eine vollkommene Conſultation, die viel Geld koſtet, riefen die beiden Juriſten.Haſt Du ſie bezahlt?

O, natürlich, antwortete der Bauer.Ich habe dem Herrn Delangle geſagt: Machen Sie ſich bezahlts und ich habe ihm mein Geld hingereicht. Ich nehme es damit nicht ſo genau, wenn man Viel zu thun hat. Jede Arbeit iſt ihres Lohnes werth.

Aber eine ſolche Conſultation koſtet fünfhundert Fran⸗ en.

Wenn ich Ihnen aber ſage, daß ich ihm mein Geld gegeben habe, um ſich davon zu bezahlen! Er hat genommen, was er gewollt hat: net.. C.

Ich habe ſie Laß Deinen Du wirſt

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er hat nur drei Franken dafür gerech⸗

Misrellen.

Ein deutſcher Touriſt tadelt das engliſche Erziehungs

ſyſtem der unteren Claſſen. Ich ging, erzählt er, eines Tags auf der Inſel Skye ſpazieren, und man zeigte mir einen Buben, den Sohn eines Bauern, von welchem man behauptete, daß er in den Unterrichtsſtunden der Sonntags⸗ ſchule erſtaunliche Fortſchritte gemacht habe. Der kleine, erſt zehnjährige Junge erbot ſich, mir alle Hauptſtädte Europa's herzunennen, was er auch mit überraſchender Geläufigkeit that. Von Europa ging er nach Südamerika und nannte auch die dortigen Hauptſtädte vollkommen richtig. Ich war über den Werth dieſer Papageiengelehrſamkeit etwas miß⸗ trauiſch und fragte ihn nach dem Namen der Inſel, auf der er lebte, dieſen hatte man ihm aber nicht gelehrt. Da ſein Lehrer in der Nähe war und mit etwas beſtürzter Miene zu⸗ hörte, ließ ich die ſo günſtige Gelegenheit mir nicht entſchlü⸗ pfen und ſagte zu dem Knaben:Jetzt, mein kleiner Mann, haſt Du mir die Hauptſtädte Europa's ſo gut wiederholt, nun ſage mir einmalv iſt eine Hauptſtadt ein Menſch oder ein Thier?Es iſtein Thier, antwortete der Kleine ohne Zögern. Und dennoch wird bei der nächſten Schulinſpection das Kind für einen Ausbund des Wiſſens gelten. e.

Holländer ſagten zu einem Franzoſen, Mons würde ihnen im Ryswicker Frieden wiedergegeben werden.Ich glaub' es wohl, verſetzte der Franzoſe,wir können es nicht behalten: als wir es wegnahmen, waren mehr als funfzig⸗ tauſend Zeugen zugegen.

Vam deutſchen Büchermarkt.

Geheimniſſe der Baſtille, herausgegeben von Otfried Mylius. Stuttgart, Verlag von Emil Ebner.

Obgleich ſich dieſes Lieferungswerkchen weder durch neue gründliche Forſchungen, noch durch den Werth ſeines Vortrags auszeichnet, ſo verdient es doch die Aufmerkſamkeit der Geſchichtsfreunde, indem es in leichter Darſtellung die Begebenheiten, welche mit der Baſtille in Berührung ſtehen, lesbar aneinander reiht und ſomit den Kernpunkt der geſamm⸗ ten franzöſiſchen Königs⸗ und Tyrannengeſchichte im populä⸗ ren Ton berührt. Wir weiſen alſo hiermit abermals auf dieſe Hefte hin. O. B.

Erzählungen aus der alten Geſchichte von Dr. Ludwig Stacke. Oldenburg, Verlag von Gerhard Stalling.

Es iſt die altgriechiſche Geſchichte in biographiſcher Form, welche in dieſem Bande eine Berückſichtigung findet und von der mythiſchen Zeit des Herakles bis auf den Eroberer Alexander verfolgt wird. Der Verfaſſer hat ſich mit Ge⸗ ſchicklichkeit, wo er es konnte, an einen wörtlichen Ausdruck der Quellenſchriftſteller gehalten, und da er für die Jugend in einem belehrenden und leicht verſtändlichen Tone gut und ſorgſam vorzutragen verſteht, ſo wird die Ausführung ſeines Planes, möglicherweiſe auch die römiſche Geſchichte in ähnli⸗ cher Weiſe zu behandeln, ſeiner Zeit gern angenommen wer⸗

den. O. B.

Leipzig! Waterloo! St. Helenal oder das Weltgericht vor fünfzig Jahren. Von Wilhelm Weinzirl, illuſtrirt von Ludwig Burger. Bamberg, Verlag von Hepple.

Schon die Titel der Hauptrubriken wie:Die Geißel