Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
42
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42 Novellen⸗eitung.

und giebt ſeinen Arbeiten immer eine ariſtokratiſche Haltung. Dabei ſchildert er noch mancherlei geſell⸗ ſchaftliche Zuſtände und zeitcharakteriſtiſche Perſön⸗ lichkeiten, die zu den ausgeſtorbenen Culturelementen

des vorigen Jahrhunderts gehören und für den ge⸗

bildeten Leſer von lebendigem Intereſſe ſind.

Das liebenswürdig unbefangene Erzählertalent Savarin's mag ſich in der Schilderung eines Gaſt⸗ mahls kundgeben, welches er einſt bei den Bernhardiner⸗ Mönchen einnahm.

Es war ein Uhr Morgens und eine ſchöne Sommernacht. Wir bildeten einen Reitertrupp, nach⸗ dem wir vorher den Schönen, welche das Glück hatten, uns zu intereſſiren, eine gehörige Nachtmuſik gebracht hatten. Es war gegen 1782.

Wir brachen von Belley auf und gingen nach St. Sulpice, einem Bernhardiner⸗Kloſter, das auf einem der höchſten Berge der Gegend, wenigſtens 5000 Fuß über dem Meere liegt.

Ich war damals Muſikdirector einer Liebhaber⸗ geſellſchaft, alles luſtige junge Leute, mit allen Eigen⸗ ſchaften verſehen, die Jugend und Geſundheit geben können.

Lieber Herr,» hatte mir eines Tages der Abt von St. Sulpice geſagt, indem er mich nach dem Eſſen in eine Fenſterniſche zog,«es wäre ſehr liebens⸗ würdig von Ihnen, wenn Sie mit Ihren Freunden einmal am Bernhardstage bei uns Muſik machen wollten. Der Heilige würde dadurch noch würdiger gefeiert, unſere Nachbarn würden ſich ergötzen, und Sie hätten die Ehre, der erſte Orpheus zu ſein, der in dieſe Hochregionen gekommen wäre.

Ich ließ mir dieſe Anfrage, die eine angenehme Partie verſprach, nicht zweimal wiederholen, und ſagte mit einem Nicken des Hauptes zu, das den Salon erſchütterte.

Alle Vorſichtsmaßregeln waren getroffen; und wir brachen ſo früh auf, weil wir Wege zu machen hatten, die ſelbſt die kühnen Wanderer erſchrecken mögen, welche den Hügel von Montmartre zu erſteigen verſuchen.

Das Kloſter liegt in einem Thale, das nach Weſten von dem Kamme des Gebirges, nach Oſten von einem weniger hohen Hügel geſchloſſen wird.

Der weſtliche Gipfel war von einem Tannen⸗ walde gekrönt, in welchem ein einziger Windſtoß eines Tages 36, 000 Stämme umwarf. Den Grund des Thales bildete eine weite Wieſe, auf der verſchiedene Buchengrupptn unregelmäßig vertheilt waren und das Modell der ſo beliebten engliſchen Gärten im Großen

darſtellten.

Wir kamen mit Tagesanbruch an und wurden

V

vom Pater Kellermeiſter empfangen, in deſſen ehr⸗ würdigem Geſichte die Naſe wie ein Obelisk ſtand.

«Seien Sie willkommen, meine Herren, ſagte der gute Pater,«es wird unſern Abt ſehr freuen, zu höͤren, daß Sie angekommen ſind. Er iſt noch im Bett, denn er war geſtern ſehr müde, aber kommen Sie nur mit mir Sie ſollen ſehen, daß wir Sie erwarteten.

Er ſprach's, ging voraus und wir folgten, indem wir mit Recht vermutheten, daß er uns in's Refec⸗ torium führe.

Dort wurden alle unſere Sinne durch die Er⸗ ſcheinung eines verführeriſchen, wahrhaft claſſiſchen Frühſtücks in Anſpruch genommen.

Inmitten einer geräumigen Tafel erhob ſich eine Paſtete, groß wie eine Kirche; nordwärts hatte ſie zum Nachbar ein kaltes Kalbsviertel, ſüdwärts einen ungeheuren Schinken, oſtwärts einen Berg von Butter in Form eines Denkmals' und weſtwärts einen Wald von Artiſchocken im Pfeffer.

Man ſah auch noch verſchiedene Arten Früchte, Teller, Servietten, Meſſer und Silberzeug in Körben. Am Ende der Tafel ſtanden Laienbrüder und Lakaien bereit, uns zu bedienen, wenn auch etwas verwundert über ihr frühes Aufſtehen.

In einer Ecke des Refectoriums ſah man einen Haufen von mehr als hundert Flaſchen, beſtändig durch einen natürlichen Springquell gekühlt, der Evoë Bacche! zu murmeln ſchien, und wenn das Aroma des Mocca's unſere Naſen nicht kitzelte, ſo

geſchah es, weil man in jenen heldenmäßigen Zeiten

ſo früh Morgens keinen Kaffee nahm.

Der ehrenwerthe Pater Kellermeiſter weidete ſich einige Zeit an unſerm Erſtaunen, dann richtete er folgende Anrede an uns, die wir puſerer Weisheit für vorbereitet hielten.

Ich möchte Ihnen gern Geſellſchaft leiſten, meine Herren,» ſagte er, aber ich habe meine Meſſe noch nicht geleſen und heute iſt Hochamt. Ich ſollte Sie eigentlich einladen zu eſſen, aber Ihr Alter, die Reiſe und die friſche Bergluft machen das nicht nöthig. Nehmen Sie vergnügt an, was wir Ihnen von ganzem Herzen anbieten; ich verlaſſe Sie und leſe Frühmeſſe.

Mit dieſen Worten verſchwand er.

Nun hieß es thätig ſein und wir griffen mit einer Energie an, die in der That die drei erſchwerenden

Umſtände, welcher der Pater Kellermeiſter angedeutet

hatte, vermuthen ließ. Aber was konnten ſchwache Adamsſöhne gegen eine Mahlzeit, die für Bewohner des Sirius aufgetragen ſchien? Unſere Anſtrengungen waren ohnmächtig und obgleich überſättigt, hatten wir doch nur ſchwache Spuren unſerer Anweſenheit zurückgelaſſen.

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