Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
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40 Novellen⸗Jeitung.

heftige Schmerzen an der mir von einem der Halunken beigebrachten Wunde, und als wir kurz darauf das Haus der Sennorita Beatrig erreicht hatten, fand ſich, daß der Stich gut gemeint und gerade nach dem Herzen gerichtet war.

Er war indeſſen glücklicherweiſe an den Rippen abgeglitten, und Chola ſagte:

Ich hoffe nur, daß es der war, dem ich's mit dem Laſſo gegeben habe, und nicht etwa gar der Ent⸗ kommene.

Was das Erdbeben betrifft, ſo dauerte daſſelbe an zwei ganze Monate, man zählte zwanzig Stöße, welche dem erſten an Heftigkeit Nichts nachgaben, einhundertundfünfzig andere, die nur wenig ſchwächer waren, die kleineren aber zu zäͤhlen fiel Niemand ein, denn während der ganz en Dauer des Erdbebens waren kaum einige Stunden des Tages, in welchen die Erde vollkommen ruhig ſchien. Aber nicht blos die De⸗ moraliſation der Bevölkerung allein trug dazu bei das Unglück zu vergrößern. Es traten Epidemien und Krankheiten auf, von welchen man vorher in Chile keine Ahnung hatte, die Sterblichkeit im Lande war ſo groß, wie ſie zu keiner Zeit vorher beobachtet wurde, und in Santjago und Valparaiſo, in welchen Städten die tödtlichen Seuchen am meiſten wütheten, war zuverläſſig kein Haus, in welchem man nicht einen oder mehrere Todesfälle zu beklagen hatte.

Chola und ich blieben bei der Sennorita Beatrix, und obgleich wir keinen weiteren Ueberfall zu be⸗ ſtehen hatten, ſo betrachtete ſie uns dennoch als ihre Lebensretter, und ließ uns auch, nachdem Alles wie⸗ der im gewöhnlichen Geleiſe, nicht mehr von ſich; als ſie aber einige Jahre ſpäter ſtarb, hinterließ ſie uns ihr ganzes Vermögen, welches hinreichte uns eine ganz gemüthliche Exiſtenz zu gründen.

Bis wir indeſſen uns hier auf dieſer Fonda niederließen, hatten wir freilich noch manche Aben⸗ teuer zu beſtehen, ich will Ihnen aber nur noch einige Notizen mittheilen, welche auf das Bezug haben, was ich Ihnen bereits eerzählte.

Was erſtlich meine Zeichen- und Kupferſtecher⸗ kunſt betrifft, durch welche ich meinen berühmten Namensvetter Cornelius ausſtechen ſollte, ſo mußte entweder durch den Matroſendienſt und meine ſpäteren Beſchäftigungen meine Hand zu ſchwer geworden ſein, oder meine ganze Kunſt hatte ſchon vorher wenig zu bedeuten, denn als ich es einmal verſuchte, Chola, meine Frau, abzuconterfeien, ward das Bild ſo ab⸗ ſcheulich, daß ſie faſt ernſtlich böſe geworden wäre. Ich zog daher vor die ganze Geſchichte an den Nagel zu hängen.

An meinen Vater ſchrieb ich ferner vom Hauſe

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der guten Beatrix aus, noch während des Erdbebens, ich erhielt aber erſt nach Jahresfriſt, von der Hand eines entfernten Verwandten, die Nachricht, daß ihn der Kummer über mein plötzliches Verſchwinden in London getödtet habe. Jenesmal ſchwur ich, den erſten Engländer zu ermorden, der mir begegnen würde, und ich hoffe, Gott wird mir verzeihen, daß ich dieſen Eidſchwur nicht gehalten habe.

Das gute Schiff Diana endlich, auf welches mich zurück zu bringen man ſich ſo viele Mühe gegeben hatte, ging verloren, wie die Seeleute zu ſagen pflegen, das heißt, es ging ohne allen Zweifel mit Mann und Maus zu Grunde, denn es kehrte niemals nach Eng⸗ land zurück. Meine Idee in Valparaiſo davon zu laufen war alſo ſo übel nicht, denn ſonſt hätte ich zuverläſſig nicht das Vergnügen gehabt, Ihnen meine ſo höchſt merkwürdige Geſchichte zu erzählen.

Cornelius Bloemaert, oder der Sennor Campa, wie er ſich jetzt nannte, ſchwieg bei dieſen Worten, mit der Phyſiognomie eines Mannes, welcher ſagen will:

Ich habe jetzt genug geſchwatzt. Gehn wir zu Bette.

Dennoch war ich ſo unbeſcheiden zu ſagen:

Aber Sie ſprachen ja vorhin von mannigfachen Abenteuern, welche Sie beſtanden hätten, wollen Sie die nicht noch erzählen?

Das erlaubt der Raum. nicht verenee Sennor.

Was für ein Raum? ſag indem ich um mich blickte.

Lieber Doctor, erwiderte Campa, indem er aufſtand,fragen Sie den Herrn Setzer, die verehr⸗ liche Redaction, vor Allem aber den lieben Leſer, und Sie werden das Nöthige erfahren.

Und da ich jetzt begriff, ſo ſüwieg ich gleich ihm.

Literariſche Briefe von Otto Banck.

Pſychologie des Geſchmacks. Von Brillat⸗

Savarin. Ueberſetzt und mit Anmerkungen verſehen.

von Karl Vogt. Braunſchweig, Vieweg und Sohn. 1865. 4

Bei den Franzoſen werden Sie mehr als bei anderen Nationen ſchon in der mündlichen Unter⸗ haltung die Fähigkeit finden, in zugeſpitzter, fein pointirter Weiſe oft über die alltäglichſten Dinge intereſſant reden zu können. Es liegt dies in dem gewandten, leichtbeweglichen Genius der Sprache, der das Denken zu ennet Pre ode ſchult, die allerdings

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