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„Ich habe Nichts mehr auf der Welt als Dich,“ verſetzte ſie,„und will Dir folgen, wohin du gehſt.“
In Folge dieſes Entſchluſſes kaufte ich um wenige Thaler zwei Pferde und einigen Mundvorrath, und wir machten uns des Nachmittags auf den Weg, eigentlich vollkommen planlos und nur dorthin ziehend, wo uns für den Augenblick eben die wenigſte Gefahr zu drohen ſchien. Ich machte bei dieſer Gelegenheit die Erfahrung einer übrigens ſchon bekannten That⸗ ſache, daß nämlich einzelne Stellen eines Landes weniger von Erdbeben mitgenommen werden als andere, denn obgleich der Boden allenthalben er⸗ zitterte, ſo fanden wir doch ſtreckenweiſe einzelne Hütten und Häuſer verhältnißmäßig ziemlich gut er⸗ halten, während ſie an andern wieder faſt vollkommen zerſtört waren, und ſelbſt in größeren Städten hat häufig ein Stadttheil mehr zu leiden als der andere.
Bisweilen gaben wir uns der Hoffnung hin, daß die Unglückstage zu Ende, denn tagweiſe waren nur kaum fühlbare Erſchütterungen zu bemerken, bald aber belehrten uns plötzliche heftige Erdſtöße von der Fruchtloſigkeit unſer Hoffnungen, und es bemächtigte ſich dann unſer eine Niedergeſchlagenheit, die an Verzweiflung grenzte, während uns eine innerliche nicht zu bewältigende Angſt die Dinge um uns her faſt noch ſchlimmer erſcheinen ließ, als ſie es in der That waren, und uns ſelbſt die Vergangenheit in den ſchwärzeſten Farben zeigte.
So machte ſich Chola die bitterſten Vorwürfe, daß ſie mich nicht in die Hände meiner Verfolger fallen ließ.
„Wer befahl mir, Dich zu retten?“ ſagte ſie. „Hätte ich Deine Feinde nicht auf falſche Fährte ge⸗ führt, ſo ſäßeſt Du jetzt in Sicherheit auf Deinem guten Schiffe.“
Dann klagte ſie ſich an, daß ſie ſo raſch die Stätte verlaſſen, an welcher ihre Mutter verunglückt war, ja nicht einmal ein Kreuz auf derſelben aufge⸗ richtet habe.
Ich tröſtete ſie nach Kräften, während ich mir innerlich ähnliche Vorwürfe machte, und es kam mir bisweilen vor, als ſei mein ganzes Leben eine Kette
der abſcheulichſten Verbrechen geweſen.
Wir waren etwa acht Tage unter ſolchen Ver⸗ hältniſſen im Lande umhergezogen, bisweilen in Häu⸗ ſern, deren Bewohner nicht geflohen oder wieder zurück⸗ gekehrt waren, die Gaſtfreundſchaft in Anſpruch neh⸗ mend, bisweilen in verlaſſenen Wohnungen uns mit Speiſe verſehend, ſtets aber im Freien übernachtend, und umgeben von Schreckniſſen aller Art, denn die wenigen Menſchen, welche wir trafen, erzählten uns, daß alle Bande der geſetzlichen Ordnung gefallen, und
Novellen⸗Seitung.
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Räuber und Diebe das Land durchzögen, ungeſcheut und ungeſtraft ihr Gewerbe ausübend.
Vielleicht hatte ſie morgen ſchon alle die Erde verſchlungen, warum ſollten ſie den Augenblick nicht noch benutzen, um ihren Leidenſchaften die Zügel ſchießen zu laſſen!.
Ein glückliches Geſchick machte endlich unſerer Irrfahrt ein Ende.
Wir ritten eines Nachmittags in einer Chola und natürlich auch mir vollkommen unbekannten Ge⸗ gend dahin, und beabſichtigten uns wieder nach dem Süden zu ſchlagen, da uns Leute, welchen wir am Morgen begegneten, geſagt hatten, daß, wie es den Anſchein habe, das Erdbeben dort im Abnehmen ſei. Die Sonne, welche längſt wieder ungetrübt am Him⸗ mel ſtand, und unbefangen auf die kreißende Erde herab lächelte, war unſere Richtſchnur, und wir zogen eben längs eines vielleicht eine Viertelſtunde weit entfernten Gehölzes vorüber, als ein kleiner Bach, der zu unſerer Linken dahinfloß, plötzlich ſein Bett verließ und die Füße unſrer Pferde netzte.
Das war nichts Beſondres zu jener Zeit, und uns ſchon mehrmals begegnet.
Eine kurze, wellenförmige Bewegung der Erde hebt eben für einen Augenblick das Bette des Baches, der, den Geſetzen der Schwere folgend, daſſelbe ver⸗ läßt und einige Secunden ſpäter wieder in daſſelbe zurückkehrt.
Als ich aber nach der Richtung des Ge u0⸗ blickte, ſah ich dort ganz eigenthümliche Dinge.
Das Geſträuche und die Bäume ſchienen ſich zu heben, oder hoben ſich vielmehr wirklich, als wollten ſie gegen Himmel ſteigen, und ihre unruhige gährende Mutter verlaſſen, einige Augenblicke ſpäter aber ſan⸗ ken ſie wieder, und anſtatt ihrer erſchien eine dunkle, brauſende und ſchäumende Mauer, aus welcher Steine und Baumſtämme hervorgeſchleudert wurden, und über welcher eine ziſchende Rauchſäule mit Blitzes⸗ ſchnelligkeit empor zum Himmel fuhr.
Dann ſtürzte dieſe Wand nach unſerer Richtung hin zuſammen, und ein Strom von Schlamm und kochendem Waſſer wälzte ſich mit raſender Heftigkeit auf uns zu, während zugleich ein ſo heftiger Erdſtoß erfolgte, daß unſere Pferde ſtrauchelten und faſt K⸗ ſtürzt wären.
Ich hatte ſchon vorher von dieſer Erſcheinung ſprechen hören, erkannte aber auch zugleich die Größe der Gefahr, in welcher wir uns befanden,
da die Straße, auf welcher wir ritten, ziemlich tief
lag, und wir in der kürzeſten Zeit von dem kochenden Unflathe erreicht ſein konnten. Es hatte ſich nämlich eine Spalte in der Erde geöffnet, und aus derſelben
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