Jahrgang 
01-26 (1866)
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ſtatutengemäß von einem Conſilium der worden war. Der Präſident befahl aber nächſt dem Auf ſchub der feierlichen Verſammlung die Prüfung des Müller' ſchen Vortrags durch mehrere Profeſſoren, unter denen ſich auch Lomonoſſof befinden ſollte.

über die Entſtellungen und Witze, welche ſich Müller über

mit Heftigkeit die Anſicht ſeiner Collegen, welche den Vortrag für zuläſſig hielten. Nach einer ſtürmiſchen Debatte errang jedoch Lomonoſſof den Sieg, den erſten, den ein Ruſſe im Schooße der Akademie über einen Deutſchen davon trug. Der Müller'ſche Vortrag ward verworfen und Lomonoſſof übernahm es, einen Panegyrikus zu Ehren der Kaiſerin zu

improviſiren Der Erfolg war ein glänzender, die Kaiſerin befahl Schuwalof ihr Lomonoſſof vorzuſtellen, verlieh dieſem L

Ländereien und machte bei dieſer Gelegenheit auch ſeiner Gattin ein reiches Geſchenk.

Ungeachtet der Anfeindungen Schumacher's und Trau bert's, welcher ſogar die Entlaſſung Lomonoſſof's aus dem Profeſſorenrathe durchgeſetzt hatte, die jedoch glücklicher Weiſe

faſt unmittelbar darauf wieder zurückgenommen wurde, begann nun deſſen Anſehen zuzunehmen und der Präſident ernannte ihn zum Mitglied der Kanzlei der Akademie. Hier entdeckte er nun und beſeitigte Pflichtverletzungen und Mißbräuche aller Art und beſtand fortwährend ſiegreiche Kämpfe gegen ſeine Feinde. Im Jahre 1760 ward Lomonoſſof mit der Leitung des Profeſſorenrathes, der Univerſität, des Collegiums und des geographiſchen Departements der Akademie betraut; da er es aber nicht erreichen konnte, daß zugleich die verſchiedenen techniſchen Ateliers unter ſeine Verwaltung geſtellt wurden, und Traubert immer noch die Leitung der Buchhandlung, der Ateliers, in welcher die Inſtrumente gefertigt wurden, u. ſ. w. behielt, ſo dauerten die Reibereien mit dieſem fort, welcher auch die Caſſe verwaltete und nur ſehr mangelhaft für die wahren Bedürfniſſe der Akademie ſorgte, ſo daß die Schüler barfuß die Collegien beſuchten und öfters Hunger litten. Endlich erlangte es Lomonoſſof, daß das Collegium und die Univerſität mit den für ſie ausgeſetzten Summen ganz unter ſeine Leitung kamen, und er entwickelte darauf eine ſolche Thä⸗ tigkeit, daß in den erſten vier Jahren ſeiner Verwaltung zwanzig ruſſiſche Zöglinge ihren Curſus in dem Collegium vollendeten, was Schumacher in den dreißig Jahren nicht vollbrachte, in welchen dieſes unter ſeinen Befehlen geſtanden hatte. Zu gleicher Zeit that Lomonoſſof die nöthigen Schritte, um der Univerſität von St. Petersburg Privilegien zu erwir⸗ ken, die ſie mit den ähnlichen Anſtalten des Auslandes auf gleichen Fuß ſetzen ſollten, aber er erkrankte und Traubert benutzte dieſen Umſtand, um dieſe Angelegenheit zu verzögern. Das geographiſche Departement hatte bisher nichts gethan, als fremde Karten copiren zu laſſen; Lomonoſſof eröffnete ihm eine fruchtbare Thätigkeit. Er ließ Forſchun⸗ gen in ganz Rußland anſtellen, um einen vollſtändigen Atlas des Reichs zu fertigen, und entſendete zwei wiſſenſchaftliche Expeditionen zur Feſtſtellung der aſtronomiſchen Lage verſchie⸗ dener Punkte. Die Forſchungsreſultate wurden geſammelt, man hatte ſchon 10 Karten gezeichnet, welche nur noch geſto⸗ chen zu werden brauchten, als Lomonoſſof's Erkrankung ein⸗ trat. Der Befehl, die Karten zu ſtechen, wurde im Anguſt 1762 ausgefertigt, Traubert empfing und behielt ihn an ſich, in der Hoffnung, daß Lomonoſſof ſterben würde. Aber Lomonoſſof genas und die Karten wurden geſtochen. Man kann ſich kaum einen Begriff machen von der

Profeſſoren geprüft

Dieſer letztere war entrüſtet

den Urſprung der ruſſiſchen Nation erlaubt hatte, und bekämpfte

am 4/16. April 1765, umgeben von allen unter denen ſich auch ſein Jugendgenoſſe Winogradof befand, welcher ſoeben von einer wiſſenſchaftlichen Reiſe durch Sibi⸗ rien zurückgekehrt war.

ergriffen und befahl ſeinem Schuwalof, eine ſolenne Todtenfeier zu veranſtalten.

Novellen⸗Zeitung.

Oppoſition, welche Lomonoſſof in Allem entgegentrat, was ſer unternahm, um die Wiſſenſchaften in Rußland zu popula⸗ ⸗riſiren. So ſchlug Traubert, um die Veröffentlichung der )(Lomonoſſof'ſchen Grammatik zu

ſeine ruſſiſche Grammatik deutſch herauszugeben und bei ihm, Traubert, drucken zu laſſen. Er ſtellte dieſem heimlich die von Roſſokhine und Leontief nach Rußland gebrachten chineſi⸗ ſchen und mandſchuriſchen Bücher zu, vermochte ihn auch, eine Geſchichte Rußlands zu ſchreiben, und ließ ihn dazu alle Documente benutzen, welche ſich in ſeinen Archiven befanden. So war es während der vierzig Jahre von den Deutſchen getrieben worden, welche nach Rußland berufen worden waren, um dort die Wiſſenſchaften zu verbreiten. Wenn man aber bedauern muß, daß dieſe vierzig Jahre für die geiſtige Entwickelung Rußlands verloren gingen, ſo kann man nicht umhin, den Muth und die Beharrlichkeit Lomonoſſof's zu bewundern, welcher unabläſſig gegen dieſen Obſeurantis⸗ mus kämpfte und ſein ganzes Daſein dem Zwecke widmete, Rußlands Aerzte, Pharmaceuten, Juriſten, Geologen, Aſtro⸗ nomen und Gelehrte aller Art heranzubilden.

Wenn man ſieht, mit welchen Widerwärtigkeiten dieſer mit den verſchiedenartigſten Geſchäften überhäufte Mann zu kämpfen hätte, ſo kann man nur die wunderbare Thätigkeit anſtaunen, durch welche er es möglich machte, der Nachwelt eine Reihe von wiſſenſchaftlichen Werken zu hinterlaſſen, von welchen wir die bedeutendſten nennen: Ueber den Nutzen der Chemie; Atmoſphäriſche Phänomene durch Elektricität erzeugt; über das Licht; neue Farbenlehns; durch Erdbeben erzeugte Metalle; Diſſertation über die Genauigkeit der Seewege; Betrachtung über den Durchgang der Venus durch die Sonne am 26. Mai 1761; die Elemente der Metallurgie; Metalle und Mineralien; Minen und die Minirwiſſenſchaft; über die freie Bewegung der Luft nach Beobachtungen in den Minen; über die Erdſchichten; die ruſſiſchen Annalen; Aeltere Geſchichte Rußlands; ruſſiſche Grammatik; die Rhetorik; eine Anzahl Oden und andere Dichtungen; über den Nutzen der Kirchenbücher bei dem Studium der ruſſiſchen Sprache; über den ruſſiſchen Versbau; Ueberſetzung ausgewählter Stellen Cicero's und der vorzüglichſten Claſſiker; Beſchrei⸗ bung des Kometen vom Jahre 1744; Lobrede auf Peter den Großen u. ſ. w. u. ſ. w.

Seit der Thronbeſteigung von Katharina II. verbeſſerte ſich die Lage Lomonoſſof's bedeutend. Im Jahre 1764 wurde er zum Staatsrath ernannt, und die Kaiſerin, welche den ruſſiſchen Gelehrten außerordentlich hoch ſchätzte und auf alle Arten zu ehren ſtrebte, beſuchte ihn oft in ſeinem Hauſe. Auch auswärtige gelehrte Geſellſchaften, die Akademien von Stockholm und Bologna ernannten ihn zu ihrem Mitgliede. Aber das Maß ſeiner Kräfte war erſchöpft, eine ſchwere

hintertreiben, Schlötzer vor,

Krankheit warf ihn nieder und ungeachtet der ſorgfältigſten

Pflege ſeiner Familie und ſeiner Freunde ſtarb Lomonoſſof ſeinen Angehörigen,

Die Kaiſerin war von dem Tode Lomonoſſof's tief treuen Freunde, dem Grafen

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