Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
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reichte, Große en wol⸗ llienan⸗ neueſte herrſch⸗ e Eiler,

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noſſof bei ſeiner Rückkehr mitten hinein. Schumacher ahnete in ihm noch nicht ſeinen erbitterten Feind, weil er ein ſo reines Deutſch ſprach, aber ſeine Eigenſchaft als Ruſſe war hinrei⸗ chend, um ihn zu dem beſcheidenen Poſten eines Ueberſetzers zu verurtheilen, wobei man ihn mit Anfertigung eines Kata⸗ logs des mineralogiſchen Cabinets beauftragte. Dieſe unbe deutenden Arbeiten ließen Lomonoſſof Zeit, an ſeine eigenen Angelegenheiten zu denken, und ſein erſter Wunſch war, ſeinen Vater zu beſuchen. Die Akademie verweigerte ihm den erbe⸗ tenen ÜUrlaub, und einige Zeit darauf erfuhr er, daß ſein Vater bei einem ſeiner gefahrvollen Ausflüge auf dem Weißen Meere umgekommen ſei.

Die Unmöglichkeit, in welcher er ſich befand, ſeine Familie nachkommen zu laſſen, verbunden mit der Ungewiß⸗ heit über das Schickſal ſeines Vaters, führten Lomonoſſof zu religiöſen Betrachtungen, und er dichtete damals die Ode von Hiob, welche als die ſchönſte ſeiner poetiſchen Productionen betrachtet ward, und überſetzte mehrere Pſalmen Davids in Verſen. Nach zahlloſen Kämpfen erhielt er endlich die Erlaub⸗ niß, einen Vortrag über Chemie zu halten. Unter den Zu⸗ hörern befanden ſich der Graf Schuwalof und der junge Iwan Schuwalof, welcher ſpäter der Freund und Beſchützer Lomonoſſof's wurde. Der Vortrag hatte einen unerwarteten Erfolg und in mehreren andexen kämpfte Lomonoſſof ſiegreich gegen die Akademiker. Am 28. Januar 1742 wurde er zum Adjunct, Profeſſor der Chemie und Phyſik am Collegium der Akademie und zum Director des chemiſchen Laboratoriums

ernannt.

Jetzt trat ein Ereigniß von großer Wichtigkeit ein: Eli⸗ ſabeth beſtieg den ruſſiſchen Thron und das ganze Land jauchzte der geliebten Tochter Peter's des Großen entgegen. Natürlich fühlte ſich auch Lomonoſſof hierdurch begeiſtert und er dichtete bei dieſer Gelegenheit eine Ode, in welcher er die feurigſten und edelſten Gefühle aushauchte. Der Cabalen ſeiner Feinde ungeachtet, gelang es ihm durch die Protection Leſtog's und Schuwalof's dennoch, der Kaiſerin ſein Werk zu Füßen zu legen, welche dem Autor ihren Dank ſagen ließ. Unterdeſſen bereitete ihm die Akademie unabläſſigen Verdruß, welche, aus Deutſchen beſtehend, die Nothwendigkeit nicht begreifen konnte, eine ruſſiſche Schriftſprache zu ſchaffen, wo⸗ mit ſich Lomonoſſof unaufhörlich beſchäftigte.

Die Regelloſigkeit, welche bei der Verwaltung der Aka⸗ demie wiederholt denn doch zu deutlich zu Tage getreten war, veranlaßte die Kaiſerin, Brewern von der Präſidentſchaft zu entfernen und ihn durch einen hochgeſtellteu Mann zu erſetzen. Ihre Wahl fiel auf einen Ruſſen, den Grafen Razumofski. Die Hoffnung Lomonoſſof's, daß nun Alles gut gehen werde, erfüllte ſich aber nicht. Leider betrachtete er die Präſidentſchaft nur als einen Ehrenpoſten, und Schumacher blieb nach wie vor unumſchränkter Gebieter der Akademie. Den Charakter Razumof'ski's augenblicklich durchſchauend, machte er den Vorſchlag, die Entſcheidung über Verwaltungsangelegenheiten, welche bisher dem Collegium der Profeſſoren vorbehalten geweſen war, in die Hand des Präſidenten zu legen. Dieſe Abänderung der Statuten erhielt die höchſte Genehmigung und die Gewalt Schumacher's ward dadurch nur von Neuem beſtätigt.

Dem Vorwurf, welchen man ihm gemacht hatte, daß er einzig und allein die Deutſchen bevorzuge und die Ruſſen zu⸗ rückſetze, begegnete er dadurch, daß er die beſten deutſchen Akademiker wie Gmelin, Kraft, Genſius, Wilde und Cruſius, Männer, welche durch ihre Gelehrſamkeit ihn in Schatten ſtellten, zurückſchickte und den bisherigen Secretär der Akade⸗

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mie, Trediakofski, einen unbedeutenden Menſchen, der ſchon längſt ſein ergebenes Werkzeug geweſen war, zum Proofeſſor der Beredſamkeit ernennen ließ, wodurch er zugleich Lomo⸗ noſſof, der bisher nar Adjunct und Titularprofeſſor geweſen war, zu demüthigen hoffte. Schuwalof und Woronzof brachten es jedoch bei der Kaiſerin dahin, daß Lomonoſſof gleichzeitig zum wirklichen Profeſſor der Phyſik und Chemie ernannt wurde.

Die erſte Sorge des neuen Profeſſors richtete ſich nun⸗ mehr auf die Organiſation eines Laboratoriums, und er erhielt endlich nach langen aufreibenden Zwiſtigkeiten mit Schumacher die Ermächtigung, das dazu erforderliche Ge⸗ bäude aufführen zu laſſen. Schumacher hatte unterdeſſen dem kürzlich aus Holland eingetroffenen Dr. Bourgave im Geheimen den Leyhrſtuhl zugeſagt, den Lomonoſſof bisher innegehabt hatte, und deſſen Diſſertationen an den Profeſſor Eiler in Berlin geſendet, von dem er hoffte, eine ſo ungün⸗ ſtige Beurtheilung derſelben zu erhalten, die ihm als Vorwand dienen könne, Lomonoſſof den Profeſſortitel zu entziehen.

Bourgave hatte aber dieſe Intriguen in Erfahrung gebracht und lehnte mit Entrüſtung die ihm von Schumacher gemachten Anerbietungen ab. Andererſeits fiel die Eiler'ſche Kritik für Lomonoſſof ſo günſtig aus, daß er weder von ſeinem Lehrſtuhl entfernt, noch in der Organiſation des Laboratori⸗ ums geſtört werden durfte. Er überwachte dieſelbe bis in die geringſten Details und ſobald ſie vollendet war, begann er eine Reihe von mit Experimenten begleiteten Vorträgen über Gewerbschemie. Zugleich beſchäftigte er ſich mit der Moſaik und erzielte ſo günſtige Reſultate, daß er die Idee faßte, eine Moſaikfabrik in Rußland zu gründen. Er reichte auch eine darauf bezügliche Petition beim Senat ein und erhielt durch die Befürwortung Schuwalof's einen erwünſch⸗ ten Beſcheid; der Senat bewilligte ſogar einen Geldvorſchuß zur Einrichtung einer ſolchen Fabrik. Aber dazu waren Arbeiter nöthig, und Lomonoſſof hoffte als ſolche Bauern von der Kaiſerin zu erhalten, welche damals ſich gerade in Moskau aufhielt, doch Schumacher verweigerte ihm unter dem Vor⸗ wand, daß der Präſident abweſend ſei, den Urlaub. Die Beharrlichkeit Lomonoſſof's ließ ſich jedoch dadurch nicht ab⸗ ſchrecken, der Admiral Fürſt Galizin verſchaffte ihm einen Paß, er reiſte nach Moskau und die Kaiſerin gewährte ihm durch die Vermittlung Schuwalof's und Woronzoſ's alle zur Einrichtung der Fabrik erforderlichen Mittel. Die Kaiſerin befahl ihm, ein Moſaikbild auszuführen, welches die bemer⸗ kenswertheſten Ereigniſſe unter der Regierung Peter's des Großen darſtellen ſollte. Bei ſeiner Rückkunft nach St. Petersburg erhielt Lomonoſſof einen ſcharfen Verweis von dem Profeſſorenrath und Razumofski machte dem Fürſt Galizin die bitterſten Vorwürfe, daß er ſich durch die Erthei⸗ lung des Paſſes in die Angelegenheiten der Akademie gemiſcht habe.

Inzwiſchen hatte die Kaiſerin Lomonoſſof auch mit Ab⸗ faſſung einer Geſchichte Rußlands beauftragt, eine Idee, für welche auch Schuwalof ſehr eingenommen war, weshalb ſich Lomonoſſof genöthigt ſah, gegen ſeinen Willen auf ſeinen bis⸗ herigen Lehrſtuhl zu verzichten, für welchen er den Arzt Dach⸗ ritz vorſchlug. Um Lomonoſſof auch auf dem hiſtoriſchen Felde zu bekämpfen, beauftragte Schumacher ſeinen Freund Müller bei einer öffentlichen feierlichen Verſammlung der Akademie, welcher auch die Kaiſerin beiwohnen ſollte, einen Vortrag über den Namen und den Urſprung der ruſſiſchen Nation zu halten. Dieſer Vortrag wurde verfaßt, gedruckt und der Genehmigung des Präſidenten unterbreitet, ehe er