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Sibi⸗
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Grafen
haben.“
Der König Leopold von Belgien.
Wenn der König Leopold nach Paris kam, ſo machte es ihm Vergnügen, das Incognito zu bewahren und daſelbſt ganz als einfacher Privatmann zu leben.
Eines Tages ging er in das Café du Helder, das bekannt⸗ lich von den Officieren der Armee beſucht wird. Alle Tiſche waren beſetzt; aber der König bemerkte, daß an dem einen Tiſche nur ein einziger Officier ſaß, und bat ihn um die Er⸗ laubniß, ihn mit ihm theilen zu dürfen.
„Sehr gern!“ antwortete der Officier, indem er höflich fortrückte.
Als er dann aus der Haltung des Königs ſah, daß er es mit einem Officier zu thun hatte, fügte er hinzu:
„Sie tragen ohne Zweifel ebenfalls Uniform?“
„Ja,“ antwortete der König. 3
„Und ich bin deſſen gewiß, Sie ſtehen in einem hohen Grade, das ſieht man Ihnen an.“
„Ja,“ entgegnete Leopold,„mein Grad iſt ziemlich er⸗
„Mein Herr, dann ſind Sie General, ich bitte um Verzeihung wegen meines Verhörs,“ ſagte der Officier achtungsvoll, welcher glaubte, Einen ſeiner Vorgeſetzten vor ſich zu haben, und wegen der Familiarität, die er ſich erlaubt hatte, etwas verlegen war.
„General— noch mehr als das!“... König heiter, der ſeine Taſſe Kaffee ſchlürfte.
Der Officier hielt das für einen ſchlechten Scherz und fing ſchon an ſeine Stirn zu runzeln.
Plötzlich trat eine dritte Perſon in den Salon, grüßte mit tiefer Achtung den Herrn, der ſich mit dem Officier unter⸗ hielt, und theilte ihm mit leiſer Stimme etwas mit. Der Officier unterſchied indeſſen das Wort ‚Sire“ und blieb über ſein Zuſammentreffen ganz aufgeregt. Leopold bemerkte es und als er ſich erhob, um dem neu Angekommenen zu folgen, ſagte er heiter:
„Sie wiſſen jetzt, welche Uniform ich trage, und wenn Sie mich beſſer kennen lernen wollen, ſo kommen Sie bei Ihrem erſten Urlaub nach Brüſſel, wo Sie mich bereit finden werden, Ihnen mit dem Glaſe in der Hand Genugthuung zu geben, und dann wollen wir zuſammen auf die Geſundheit Frankreichs trinken, das ich liebe, und auf den Ruhm der franzöſiſchen Armee, die ich bewundre.“ C.
. erwiderte der
Ein Jagdabenteuer.
In der letzten Woche des Monats November ſtrichen zwei Gendarmen in der Umgegend von Laon durch das Feld, als ſie in der Ferne einen Mann mit einem Jagdgewehr bemerkten, der ſich ihren Blicken zu entziehen ſuchte. Sofort begannen die braven Gendarmen ihren Lauf nach dieſem Mann, wie ihre Pflicht es ihnen vorſchreibt. Dieſe eigen— thümliche Jagd dauerte ohngefähr eine Viertelſtunde. End⸗ lich glaubten ſie, den Jäger faſſen zu können, der ſehr ermüdet und außer Stande ſchien, ſeinen Lauf fortzuſetzen, als derſelbe plötzlich wie ein Eichhorn einen Baum erkletterte und ſich in der Nähe des Gipfels einen Ruheplatz wählte.
„Steigen Sie doch herab, mein Herr!“ rief Einer der Gendarmen.
Keine Antwort, nur ein ſehr mürriſcher Blick.
Die beiden Vertreter der öffentlichen Wacht ſchworen alsdann, den Platz nicht zu verlaſſen.
. Ohne ſich im mindeſten beunruhigt zu fühlen, zieht der Jäger aus ſeiner Jagdtaſche ganz ruhig ſein Frühſtück, das er
Vierte Folge. 31
ſich ſehr wohl ſchmecken läßt. Die verwunderten Gendarmen fangen an den Muth zu verlieren, aber die Idee, einen ſo ſchönen Fang aufzugeben, giebt ihnen bald ihren Unwillen und ihre Energie zurück. Der Eine von ihnen entſchließt ſich, dem Jäger zu folgen, und ſich ſeiner Hände und der Schultern ſeines Cameraden als Fußgeſtell bedienend, gelangt er bis zu dem Jäger, der gar keine Miene macht, ſeinen Platz zu vertheidigen, worauf ſich das folgende Zwiegeſpräch ent⸗ ſpinnt:
„Im Namen des Geſetzes Ihren Jagdſchein!“ rief der Gendarme, der mit einer triumphirenden Hand den Jäger, der ſich in ſeinem Frühſtück nicht ſtören läßt, beim Kragen faßt.
Dieſer zieht ſeinen Jagdſchein hervor und reicht ihn dem Gendarmen hin.
„Aber er iſt ganz in der Ordnung, vollkommen in Ordnung!“ rief der Gendarme aus.
„Das weiß ich recht wohl!“ lautet die Antwort des Jägers.
„Aber weshalb flüchteten Sie ſich vor uns?“
„Habe ich Ihnen denn geſagt, daß Sie mir folgen ſollen?“
„Weshalb ſind Sie denn auf dieſen Baum geklettert?“
„Habe ich Ihnen geſagt, daß Sie heraufklettern ſollen? Was mich betrifft, ſo frühſtücke ich jeden Morgen hier; das macht mir Vergnügen!“
„Das hätten Sie uns im voraus ſagen ſollen!“
„Es iſt nicht meine Gewohnheit, dem Geſchmack Anderer entgegen zu ſein.“
Den Gendarmen blieb nichts weiter übrig, als ſich vor dieſem bizarren Original zurückzuziehen, was denn auch geſchah, nur daß die Unausſprechlichen des einen Gendarmen bei dem Baumerklettern großen Schaden erlitten hatten.
C.
Misrellen.
Als Philipp der Kühne auf ſeiner Rückkehr von dem Feldzuge in Arragonien zu Perpignan das Zeitliche ſegnete, wurden ſeine Eingeweide zu Narbonne beerdigt, und ſeine Gebeine nach Saint-Denis abgeführt. Die Benedictiner verlangten, daß man ihnen ſein Herz überlaſſe. Philipp der Schöne aber, der einen Dominicaner zum Beichtvater hatte, Namens Nicolas de Goirent, bewilligte das Herz ſeines Vaters den Dominicanern. Gegen dieſe Vertheilung ſetzten ſich die Benedictiner, der König wollte ſie aber behaupten. Der Streit war ſehr lebhaft. Ruhm und Eigennutz waren dabei im Spiel; der Hof ſelbſt nahm daran Theil. Die Univer⸗ ſität gab ſogar ihr Gutachten, und zwar ſo, daß ſie es mit allen Parteien verdarb, die darauf weiter nicht achteten. Nach der Entſcheidung eines Theils der größten Gottesge⸗ lehrten hatten weder der König noch die Mönche von St. Denis, noch die Dominicaner das Recht, über das Herz des verſtorbenen Königs zu verfügen: für den König bedurfte es einer Dispenſation vom Papſt, um es zu verſchenken; für die Dominicaner, um es zu bewahren, und für die Bene⸗ dictiner, um es ſich zuzueignen. Die Dominicaner, welche es einmal beſaßen, behielten es.
Vom deutſchen Büchermarkt. Deutſche Dichter und Proſaiſten von Hein⸗ rich Kurz. Leipzig, Verlag von Teubner.. Dieſer Band iſt der dritte der zweiten Abtheilung und


