Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
22
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22 Novellen⸗

morgen nur des Nachts weiter ziehen. Dann ſind wir in den Bergen und Niemand wird es einfallen, uns dort zu ſuchen.

Ich ſtimmte ihr bei, und wir verſteckten uns bis zum Einbruche der Nacht, worauf wir die Cueſta de Prado beſtiegen, bei einer Bekannten von Chola's Mutter aber, welche dort im Walde ein beſcheidnes Haus beſaß, bis zum folgenden Abende blieben, und uns dann auf den Weg machten, um Renca, ein großes Dorf bei Santjago, noch vor Tagesanbruch zu erreichen.

Als wir auf der Höhe angelangt waren, blieb Chola ſtehn und machte mich auf die wundervolle Nacht aufmerkſam, und auf das reizende landſchaftliche Bild, welches ſich vor uns entfaltete.

Das Mädchen hatte, wie faſt alle ihre Lands⸗ leute, einen lebhaften Sinn für die Schönheiten der Natur, und ſie zeigte mit Begeiſterung auf die rieſigen Maſſen der hohen Cordillera, welche ich dort zum erſten Male ſah.

Das iſt die Mauer, ſagte ſie,die mein Vater land ſchützt vor unſeren Feinden, die dort drüben wohnen; ſie wagen es nicht über die Schneefelder zu ſteigen, die dort im Sternenlichte glänzen. Dort unten und faſt am Fuße der Berge liegt unſere prächtige Hauptſtadt und rings um ſie die Speiſe⸗ kammer Chiles, die ewigen Weizenfelder, welche uns reichlich Brod geben, ohne daß wir jemals Unrath auf dieſelben bringen müſſen, wie das bei Euch armen Europäern nöthig ſein ſoll, und die Fruchtgärten, welche die beſten und ſüßeſten Früchte der Welt tragen.,

Das mit dem Weizen war richtig, und wenn auch die Früchte, wie ich ſpäter wohl erfuhr, mancherlei zu wünſchen übrig ließen, ſo widerſprach ich ihr doch nicht, ja ich hörte ihr gläubig zu.

Dann blickte ſie nach dem Himmel, welcher ſeine ganze Sternenpracht entfaltet hatte und das Licht des Mondes, der im erſten Viertel ſtand, beſchämte.

Mit ſeinen tauſend goldenen Augen, ſagte ſie, blickt dort oben Gott herab, auf uns, ſeine Kinder, uns zu ſchirmen und zu ſchützen. Du glaubſt an Gott, nicht wahr Cornelio, und biſt kein Heide wi manche, die auf den Schiffen zu uns kommen?

Es ſchien aber dennoch ein leiſer Zweifel in ihrer Stimme zu liegen, und ich beruhigte ſie. Sie hatte mir die uneigennützigſte Liebe geſchenkt, ſollte ich ihr den frommen Glauben rauben?

Und dann ſchritten wir abwärts durch den bewaldeten Weg, nach dem blühenden Fruchtgarten Chiles, ſcherzend, lachend, von unſeren Hoffnungen ſprechend, unſerem zukünftigen Glücke.

Zeitung.

Da fühlte ich plötzlich ein Etwas, das ich nie vorher empfunden.

Ich fühlte mich gehoben als ſtände ich auf einem rieſigen Thierleib, der mit einem Male zu athmen beginnt, dann aber ſank ich wieder, und es war als wolle der Leviathan mich abſchütteln, denn ich begann zu wanken und ſtrauchelte.

Als ich nach Chola blickte, ſah ich, daß ſie zur Erde geſtürzt war, und als ich ſie aufheben wollte, fiel ich mit ihr zu Boden..

In dieſem Augenblicke begann hinter und um uns ein furchtbarer Lärmen, die Steine ſchienen lebend geworden, und ſprangen neben uns bergabwärts, wäh⸗ rend drinnen im Walde ſtürzende und zu Thal rollende Felſenſtücke mit donnerähnlichem Krachen die Baum⸗ ſtämme zertrümmerten, welche ihnen im Wege ſtanden.

Ich hatte indeſſen Chola aufgehoben, die ſich jetzt heftig zitternd an mich klammerte und entſetzt aus⸗ rief: Ave Maria purissima, un terremoto!- und obgleich ich der ſpaniſchen Sprache nicht ganz vollſtändig mächtig war, und das Wort terremoto nie vorher gehört hatte, ſo verſtand ich es doch im Augenblicke.

Un terremoto! Ein Erdbeben!*)

Ja, es ane de Penn eines Erdbebens, und das zwar eines der furchtbarſten, welche ſeit Men⸗ ſchengedenken jemals Chile verwüſteten.

Ich rief indeſſen Chola zu, daß wir ſo raſch als möglich ſuchen wollten die Ebene zu erreichen, da von den abwärts ſtürzenden Felstrümmern das Schlimmſte zu befürchten war, und dann liefen wir, ſo raſch als es gehen wollte, bergab, obgleich ich Chola mehr mit mir ziehen, als führen mußte.

Glücklicher Weiſe hatten wir nicht mehr weit bis zum Flachlande, und obgleich links und rechts von uns die Felſen niederſtürzten, ja ſelbſt noch weit bis in die Ebene ſprangen, ſo blieben wir doch unben ſchädigt. Aber auch noch auf der Fheue danerte das furcht⸗ bare Schütteln der Erde fort, und mir kam die Zeit⸗ dauer deſſelhen unerddlich lange vor, obgleich wiſſen⸗ ſchaftliche⸗Beobachtungen, wie ich ſpäter erfuhr, nach⸗ wieſen, daß jene erſte ſtärkſte Erſchütterung des odens, eine wellenförmige Bewegung, welche das Stehen kaum möglich machte, nur zwei und eine halbe Minute dauerte.

Dann aber, nachdem das Erſte, Schrecklichſte, wie

*) Es war dies in der That das Erdbeben, traurigen An⸗ denkens, welches im September des Jahres 1822 Chile ſo hart mitnahm. Die einzelnen, vhen folhenden Schilderungen ſind, in⸗ ſofern ſie auf das Naturereigniß ſelbſt Bezug haben, und auf deſſen Einwirkung auf die Bevölkerung, vollſtändig der Fit getreu gegeben, und ich habe ſie größtentheils aus einer* lung, erſchienen in der Zeitſchrift der Akademie von G

Apuntes sobre el terremoto de 1822. Por el Miguel, entnommen. B

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