Vierte einer vertraulichen Miſſion in einer der Provinzen ſeines Reiches. Marco Polo entledigte ſich ihrer wahrſcheinlich auf die geſchickteſte Weiſe und ſeine Berichte wurden von dem Kaiſer ſo gewürdigt, daß er ihm den neuen Auftrag ertheilte, alle die unter ſeiner Botmäßigkeit ſtehenden Ländereien zu bereiſen und ihn genau von den dortigen Zuſtänden zu un⸗ terrichten.
Man hat bisher allgemein geglaubt, daß Marco Polo die politiſche Bedeutung ſeiner Miſſionen überſchätzt habe, um ſeinen Leſern zu imponiren, aber die neueren Nach⸗ forſchungen in den chineſiſchen Annalen laſſen keinen Zweifel über die Wahrhaftigkeit der Berichte des berühmten. Veneti⸗ aners übrig. In der That lieſt man in den dortigen reich⸗ haltigen Documenten, daß im Jahre 1277 ein gewiſſer Po⸗lo von Koubilai⸗Khan beauftragt geweſen ſei, den König von Anam bei ſeiner Thronbeſteigung zu beglückwünſchen.
Mehrere Jahre hindurch bereiſte Marco Polo unauf⸗ hörlich die ſeinem Souverain unterworfenen Provinzen, auch ward er beauftragt, die zu Quinſay aufbewahrten Archive des Hofes von Soung zu ordnen, und bald darauf ernannte ihn der Kaiſer zum Gouverneur der Stadt und Provinz Yang⸗Tſcheu, welche ſiebenundzwanzig Präfecturen umfaßte. Später ward Marco Polo zum kaiſerlichen Commiſſar der Armee ernannt, welche Koubilai⸗Khan gegen Japan entſendete, und er leitete als ſolcher ſämmtliche Kriegsoperationen dieſes Feldzugs, durch den dem Khan das Königreich Mien unter⸗ worfen wurde.
So waren ſiebenzehn Jahre verfloſſen, ſeit denen ſich die drei Venetianer dem Dienſte des großen Khan gewidmet hatten. Sie dachten nun an die Rückkehr in ihr Vater⸗ land und erhielten vom Kaiſer auf goldenen Täfelchen eingegrabene Reſcripte, welche ihnen auf der Reiſe jeden er⸗ wünſchten Beiſtand verſchaffen ſollten. Der Khan trug ihnen ſogar auf, eine mongoliſche Fürſtin nach Arghoun zu geleiten, und gab ihnen Briefe an den Papſt, den König von Frankreich und andere abendländiſche Fürſten mit. Nach einer ſechs⸗ undzwanzigjährigen Abweſenheit kehrten ſie wieder in ihr Vaterland zurück, aber kaum wurden ſie von ihren Verwandten und Angehörigen wieder erkannt, ſo ſehr hatten ſie ſich in ihrer Kleidung, in ihren Sitten, ſogar in ihren Geſichtszügen verändert. Sie ſahen vielmehr Tataren als Venetianern ähnlich und ſelbſt ihre Sprache, welche ſie faſt vergeſſen hatten, trug dazu bei, ſie unkenntlich zu machen. Aber die Reichthümer, welche ſie aus den fernen Ländern mitbrachten, in denen ſie ſo lange geweilt hatten, verliehen der Familie ein bedeutendes Anſehen und man nannte ihr Haus den Mil⸗ lionenpalaſt.
Marco Polo vermochte jedoch in der Mitte dieſer Reich⸗ thümer nicht müßig zu bleiben; ſein abenteuerlicher und ritterlicher Charakter wurde der Genüſſe in der Dogenſtadt bald überdrüſſig. Ein zwiſchen Venedig und Genua ſoeben ausgebrochener Krieg bot ihm daher eine willkommene Ge⸗ legenheit, ſeine Zeit und ſein Vermögen zum Nutzen ſeines. Vaterlandes zu verwenden. Er rüſtete auf eigne Koſten eine Galere aus und ſtieß mit derſelben bei Lajazzo in Kl armenien zur venetianiſchen Flotte. Nach einem rühmlichen Gefecht wurde dieſe im Jahre 1296 geſchlagen, Marco Polo fiel in die Hände der Sieger und ward von ihnen in die Gefängniſſe Genua's abgeführt.
Zu keiner Zeit würde dieſer traurige Aufenthalt ſeinen gezwungenen Gäſten einen Reiz geboten haben, Marco Polo ertrug aber die Langeweile dieſes einförmigen Lebens ſchwerer als alle ſeine Gefährten. Er, der von zarteſter Jugend an
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gewohnt war, die freie Luft einzuathmen, der während der ſchönſten Jahre ſeines Lebens eine unbekannte Welt durch⸗ ſtreift, die Fernen zurückgelegt hatte, welche das Adriatiſche Meer von den entlegenſten Geſtaden des äußerſten Oſtens trennen, der an die Sonne der glühenden Wüſten Central⸗ aſiens gewöhnt war, der berühmte Gefangene der genueſiſchen Kerker, litt unſäglich. Er würde ſeinen Leiden auch bald erlegen ſein, wenn nicht ein ganz unerwarteter Umſtand ſeinen Gedanken eine andere Richtung gegeben hätte. Wäh⸗ rend ſeiner Gefangenſchaft machte er die Bekanntſchaft eines Piſaners, den er durch die Erzählung ſeiner Abenteuer ent⸗ zückte, und welchem er die Beſchreibung ſeiner Reiſen in die Feder dictirte.*
Nach Beendigung dieſer Arbeit, welche zu ihrer Zeit eben ſo großes Aufſehen erregte als die Entdeckungen Galilei's, ſcheint Marco Polo ſeine Freiheit wieder erlangt zu haben, denn wir finden ihn in Venedig wieder auf einem der wich⸗ tigſten Poſten des Staats und als Mitglied des Großen Rathes der Republik. Die Geſchichte der letzten Jahre ſeines Lebens iſt in gänzliches Dunkel gehüllt; Alles, was man weiß, iſt, daß er ein noch bis heute aufbewahrtes Teſtament vom Jahre 1324 hinterlaſſen hat, in welchem er einem mongoliſchen Sclaven, den er aus China mitgebracht hatte, die Freiheit ſchenkt.
Noch jetzt zeigen die Führer von Venedig dem Tou⸗ riſten ein Haus von beſcheidenem Anſehen, mit verwittertem Geſtein, aus deſſen Spalten Gras ſproßt und unter deſſen Dache Tauben niſten.„Hier,“ ſagen ſie,„iſt das Haus, in welchem der Reiſende Marco Polo geboren wurde und ſtarb.“— e.
Der König von Portugal Dom Luis und Koſſini.
Am 12. December wollte der portugieſiſche Miniſter am franzöſiſchen Hofe, Vicomte de Pava, mit einem ſeiner Landsleute Roſſini einen Beſuch machen, der aber in Folge einer kleinen Unpäßlichkeit ſein Bedauern ausdrücken ließ, den Beſuch nicht empfangen zu können. Der Vicomte ließ den Maëöſtro bitten, ſie nicht abzuweiſen, da ſie ihm Nachrich⸗ ten von einem Portugieſen, der zu ſeinen Freunden gehöre, mitzutheilen hätten.
Roſſini empfing die beiden Herren mit der Liebenswür⸗ digkeit, die ihn charakteriſirt. Die Unterhaltung kam auf die Muſik. Roſſini fragte den Begleiter Parva's, ob er muſikaliſch ſei, worauf der Letztre antwortete, er ſinge und ſpiele mehrere Inſtrumente.„Dann,“ ſagte der Masſtro, „findet bei Ihnen derſelbe Fall ſtatt, wie bei dem König von Portugal, deſſen Vater zu ſehen ich im vorigen Jahr die Ehre gehabt habe. Ich trinke von Zeit zu Zeit auf deſſen Geſundheit ein Glas ganz ausgezeichneten Portowein, den er mir ſehr gnädig geſchenkt hat.“—
1Dar Beſucher erwiderte:„Ich bin der König von Por⸗ tugal...
Der überraſchte Roſſini wollte Sr. Majeſtät die ihm gebührenden Ehrenbezeigungen erweiſen, als der Souverän, um jeden Gedanken an die Etiquette zu beſeitigen, ſich an das Piano ſetzte und das Terzett und ebenſo das berühmte Duett aus Wilhelm Tell ſpielte, um in dieſer Art ſeine Bewunde⸗ rung für die Souveränetät des Genies zu beweiſen. Dann begann er die italieniſche Muſik die Revue paſſiren zu laſſen und ſpielte Sachen von Verdi, von Donizetti, Stellen aus Martha, indem er zuweilen eine Pauſe machte, um die alte
und die neuere Muſik ebenſo ſehr als vollendeter Muſiker


