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engliſche Farmer kaum mit Hülfe der ſorgfältigſten Mäſtung zu machen vermag. Im Allgemeinen findet ſich auf dem Hochlande kein Tſetſe, um das Rindvieh zu plagen, und keine Muskitos, um den Menſchen läſtig zu fallen.
Eine merkwürdige klimatiſche Eigenthümlichkeit Central⸗ afrika's iſt, daß periodiſch eine große Dürre eintritt. Vom 10. bis 15. Grade ſüdlicher Breite fällt das alle zehn bis funfzehn Jahr, dagegen vom 15. bis zum 200 ſ. Br. alle fünf Jahr einmal vor, ohne daß ſich der Grund dieſer Erſchei⸗ nung bis jetzt hat auffinden laſſen. Sicher iſt, daß der Mangel an Vegetation nicht die Schuld davon trägt. Die Hügel ſind bis an ihre Gipfel mit Bäumen und Gras bedeckt und die Thäler mit der üppigſten Vegetation gefüllt und plötzlich folgt auf eine Reihe fruchtbarer Jahre ein unfruchtbares, in dem von gar keiner Ernte die Rede ſein kann. Dann iſt der ganze Erdboden wie verbrannt, und wer die Landſchaft in ihrer vollen Friſche und ihrem Grün nach einem Regen geſe⸗ hen hat, könnte kaum glauben, daß die braune, ſtaubige Welt, die vor ihm liegt, je grün war.
Zum Schluß wollen wir noch die folgende rührende Stelle aus Dr. Livingſtone's Werke mittheilen:
„In Shupanga ſteht an der hübſcheſten Stelle am Fluſſe ein einſtöckiges, ſteinernes Wohnhaus. Ihm gegen⸗ über führt ein abhängiger freier Platz mit einem ſchönen Mangobaumgarten am ſüdlichen Ende desſelben nach dem breiten Zambeſi hinab, deſſen grüne Inſeln auf dem ſonnigen Grunde ſeiner ſtillen Gewäſſer ruhen. Jenſeits des Zambeſi liegen nordwärts große Felder und Waldungen von Palmen und andern tropiſchen Bäumen, mit dem hohen Morambala⸗ gebirge, das ſich in der Mitte weißer Wolken aufthürmt, und noch weiter fort erſcheinen am blauen Horizont entferntere Hügel. Dieſes ſchön gebaute Haus beſitzt ein melancholiſches Intereſſe, da es in der traurigſten Art mit der Geſchichte zweier engliſcher Expeditionen verknüpft iſt. Hier ſtarb im Jahr 1826 der arme Kirkpatrick, der zur Expedition des Capitain Owen gehörte, am Fieber; und hier entſchlief im Jahr 1862 an derſelben unheilvollen Krankheit die geliebte Gattin des Dr. Livingſtone. Hundert Yards öſtlich vom Hauſe ſind Beide unter einem großen Baobabbaume, weit von ihrem Geburtslande entfernt, beerdigt.“
Ein ſchönes Bild zeigt dem Leſer ihr Grab. Der Bao⸗ babbaum erhebt ſich über denſelben, als wolle er ihre Ueber⸗ bleibſel beſchützen, und wenn das, was für das Auge groß und verehrenswerth iſt, dem Aufenthalte des Todes Feierlich⸗ keit hinzufügt, ſo iſt das bei dem fernen afrikaniſchen Grabe der Miſtreß Livingſtone verwirklicht, die aus Liebe für ihren Gatten die Gefahren der Reiſe mit ihm theilen wollte und dabei ihren Tod fand. C.
Marco Polo,
Bürger von Venedig und Commiſſar des Kaiſers Koubilai⸗Khan.
Um die Mitte des dreizehnten Jahrhunderts hatte ſich der Handel der italieniſchen Seerepubliken bis weit in den Orient hinein verbreitet. Schon zu dieſer Zeit ſtritten ſich Genua und Venedig um die Oberherrſchaft auf den Meeren, und der Handelsneid hatte unter den beiden Mächten einen unverſöhnlichen Haß erzeugt, welcher Jahrhunderte überdau⸗ erte. Die ſtets complet gehaltenen Galeren der eiferſüchtigen Republiken lieferten ſich blutige Gefechte an den Geſtaden Europa's und Aſiens, und oft wurden die genueſiſchen und venetianiſchen Seeleute, nicht zufrieden, ihre Sträuße auf
den Waſſern auszufechten, auch in den Ländern der orien⸗
Jeitung.
taliſchen Fürſten handgemein und tödteten ſich ſogar auf den Straßen der Städte, in welchen die beiden Republiken ihre Comptoirs und Waarenlager hatten. Die Geſchichte dieſer Nebenbuhlerſchaft bildet ein eigenes Capitel und den intereſ⸗ ſanteſten Theil der Annalen des Mittelalters.
In dem Augenblick, als der erſte ernſte Kampf zwiſche den beiden Mächten entbrannte, hatte in Venedig ein Kind das Licht der Welt erblickt, deſſen Familie, die im eilften Jahr⸗ hundert aus Dalmatien eingewandert war, dem Handelsſtande angehörte und Etabliſſements in Soudak an der Küſte des Schwarzen Meeres und in Conſtantinopel beſaß. Der Vater und der Oheim dieſes Kindes, das dereinſt zu großem Rufe gelangen ſollte, in Handelsgeſchäften weit von dem Vaterlande hinweggerufen, verabredeten den Plan, ihre Speculationen weit über die Grenzen hinaus auszudehnen, welche von ihren Landsleuten innegehalten wurden, und Verbindungen mit einem der mongoliſchen Chefs anzuknüpfen, die ſich an den Ufern der Wolga niedergelaſſen hatten. Die beiden Brüder begaben ſich im Jahre 1250 auf die Reiſe, und nachdem ſie ihre Comptoirs in Conſtantinopel und Soudak beſucht hatten, gingen ſie in das Land der Kiptſchaken, wo ſie dem Barbai⸗ Khan die Edelſteine verkauften, welche ſie mitgebracht hatten.
Von hier aus durchreiſten ſie Aſien und betraten das Reich des höchſten Oberhauptes der Mongolen, Koubilai— Khan, bei welchem ſie eine ſehr ehrenvolle Aufnahme fanden und der ſie ſogar mit einer Botſchaft an den Papſt betraute. Nach einem Aufenthalt von einigen Jahren an dem Hofe des Mongolen⸗Khans kehrten die Brüder nach Venedig zurück, wo ſie nach einer Abweſenheit von fünfzehn Jahren im Jahre 1266 wieder eintrafen. Nigolas Polo hatte bei ſeiner Abreiſe nach Aſien ſeine Frau in geſegneten Umſtänden zurückgelaſſen; ſie hatte im Jahre 1251 einen Sohn geboren, welcher in der heiligen Taufe den Namen des Schutzpatrons von Venedig erhielt. Von der früheſten Jugend Marco Polo's weiß man durchaus nichts; man darf daher annehmen, daß ſeine erſten Jahre ohne bemerkenswerthes Ereigniß in dem väter⸗ lichen Hauſe unter den Augen ſeiner Mutter ruhig dahin⸗ floſſen. Von ſeiner zarteſten Kindheit an von den Geſängen der Seeleute eingewiegt, Abends den Erzählungen der Schiffer zuhörend, wurde Marco ſchon früh von dem Verlangen er⸗ griffen, die Meere zu durchſtreifen und das Glück unter dem Schatten der Flagge von St. Marco zu verſuchen.
Marco war fünfzehn Jahre alt, als ſein Vater von ſeiner Reiſe in die Mongolei nach Venedig zurückkehrte, wo er ſeine Gattin nicht mehr am Leben fand. Zwei Jahre ſpäter traten die beiden Brüder Polo eine neue Reiſe an, um ſich wieder in die Staaten Koubilai⸗Khans zu begeben, und nahmen Marco mit ſich. Sie gingen zunächſt nach St. Jean d'Acre, um im Namen des Khan den Papſt Gregor X. zu begrüßen, welcher ſo eben den Stuhl des heiligen Peter beſtiegen hatte; von hier nach Jeruſalem, dann nach Lajazzo, einem Hafen in Klein⸗ armenien, wo ſie beinahe in die Hände der Mameluken des Sultan Bibars gefallen wären, die damals gerade dieſen Platz belagerten. Nach einer drei und ein halbjährigen müh⸗ ſeligen Reiſe langten die Gebrüder Polo im Jahre 1275 endlich bei Koubilar-Khan wieder an, welcher ſeine alten Freunde mit Freuden empfing, ſie bei ſich am Hofe behielt und ihre Ankunft durch mehrere Feſttage feierte. Von hier an beginnt das politiſche Leben Marco Polo's. Der junge Venetianer legte ſich ſogleich nach ſeiner Ankunft auf das Studium der Landesſprachen und ließ ſich in die Sitten und Gebräuche der Tataren einweihen. Koubilai⸗Khan hielt ihn bald ſeiner Auszeichnung werth und beauftragte ihn mit
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