„ nn
macht. Im Juli jedes Jahres, wenn das Gras dürr gewor⸗ den iſt, wird es niedergebrannt. Dieſe Feuer verhindern das Wachſen einer Maſſe von Bauholz, da nur ſehr wenig Bäume von den härteren Holzarten, wie die Boraſſuspalme und Lignumvitä, in dieſem Feuermeer, das jährlich auf den Ebenen wüthet, leben können. Jetzt kommen zwiſchen den Bananen und Cacaopalmen am rechten Ufer einige Hütten der Eingebornen zum Vorſchein; ſie ſtehen über dem feuchten Grunde auf Pfeilern, die einige Fuß hoch ſind, und ihre Be⸗ ſitzer begeben ſich mit Hülfe von Leitern in dieſelben. Der Boden iſt wunderbar reich und die Gärten ſind wirklich ganz ausgezeichnet. Reis wird im Ueberfluß erbaut; ſüße Bataten, Kürbiſſe, Tomatoes, Kohlarten, Zwiebeln oder Schalotten, Erbſen, etwas Baumwolle und Zuckerrohr werden ebenfalls gezogen. Man ſagt, wenn engliſche Kartoffeln in Quillimane in ſolchen Boden, wie dieſer, gepflanzt werden, ſo bekämen ſie in Zeit von zwei Jahren ganz den Geſchmack der ſüßen Bataten(convolvulus batatas) und ſie wären den gefrornen engliſchen Kartoffeln gleich. Die ganze fruchtbare Gegend, die ſich von dem Kongonecanal bis jenſeits Mazaro mehr als 80 Meilen in der Länge und 50 Meilen in der Breite aus⸗ dehnt, iſt wunderbar für den Anbau von Zuckerrohr geeignet, und wäre ſie im Beſitz unſrer Freunde am Vorgebirge der guten Hoffnung, ſo würde ſie ganz Europa mit Zucker ver⸗ ſorgen. Die wenigen Leute, welche wir ſahen, ſchienen ſehr gut genährt zu ſein, aber der Mangel an Kleidungsſtücken bei ihnen war ganz ſchrecklich. Sie waren Alle ſchwarz und portugieſiſche ⸗Colonos⸗ oder Leibeigene. Sie zeigten keine Furcht vor weißen Männern, ſtanden gruppenweiſe an dem Ufer und blickten voller Erſtaunen nach den Dampfſchiffen, beſonders nach dem Pearl, der uns den Fluß hinauf ſo weit begleitet hatte. Ein alter Mann„der an Bord kam, ſagte, er habe nie ein ſo großes Schiff, wie den Pearl, geſehen; es ſei wie ein Dorf.„Iſt es aus einem einzigen Baum gemacht worden?⸗ Alle waren ſehr eifrige Handelsleute und ſie kamen in leichten, ſchnellen Canoes mit jeder Art von Obſt und Nahrungsmitteln, die ſie beſaßen, an das Schiff; Einige brachten Honig und Bienenwachs, das in den Mangelbaum⸗ wäldern in Menge gefunden wird. Als die Dampfſchiffe fortfuhren, liefen Manche, die uns noch etwas zu verkaufen wünſchten, längs des Ufers hinter uns her und hielten Geflü⸗ gel und Körbe mit Reis und Mehl empor, indem ſie riefen: „Malonda! Malonda!“(Sachen zu verkaufen), während Andere uns in Canoes folgten, die ſie vermittelſt kurzer, brei⸗ ter Ruder ſehr ſchnell durch das Waſſer bewegten.“
Hier iſt das Werk reich an Illuſtrationen. Aber dieſer „Garten Eden mit allen ſeinen Liebenswürdigkeiten“ hat auch ſeine ſchwarze Seite. Als Livingſtone Mazaro, eine Bucht an dem Quillimane, erreichte, fand er die Portugieſen mit dem Mulatten Mariano, auch Matakenza genannt, in Krieg verwickelt. Er zeigte ſich den Portugieſen mehr als gewachſen. Er bot ihnen in ſeinem gut errichteten Verhau mit einer Menge gut bewaffneter Gefährten Trotz. Er betrieb das Geſchäft des Selavenjägers, er kaufte keinen. Er ſchickte bewaffnete Leute unter die hülfloſen Stämme im nord⸗ öſtlichen Afrika; hülflos wie der Bogen der Eingebornen gegen das Schießgewehr. Die geſtohlenen Opfer, in Ketten nach Quillimane gebracht, wurden von des Schurken Schwa⸗ ger, Cruz Coimbra, verkauft und als„freie Auswanderer“ nach der franzöſiſchen Inſel Bourbon verſchifft. Da Ma⸗ riano ſeinen Menſchendiebſtahl in entfernten Gegenden betrie⸗ ben, ſo miſchten die Portugieſen ſich nicht hinein; ſie ſuchten nur ihr eigenes Gebiet vor ihm zu ſchützen, das zu verletzen
Vierte Folge. 13
er gar kein Bedenken trug. Ein ſehr hoch ſtehender Herr erzählte dem Dr. Livingſtone, es ſei gar nichts Ungewöhnli⸗ ches, daß zur Zeit, wo er mit ſeiner Familie bei Tiſche ſei, ein Sclave in's Zimmer ſtürze, der von Einem der Leute Mariano's mit einem Speer in der Hand, um ihn zu tödten, verfolgt werde.
„Die Scheußlichkeiten dieſes Schurken, den der ver⸗ ſtorbene Gouverneur von Quillimane ganz wahr als zeinen berüchtigten Räuber und Mörder⸗ bezeichnete, wurden zuletzt unerträglich. Alle Portugieſen ſprachen von ihm als von einem ſeltnen Ungeheuer der Unmenſchlichkeit. Man weiß es ſich nicht zu erklären, weshalb Mulatten, wie er, weit grauſamer als die Portugieſen ſind, es iſt aber unzweifelhaft der Fall. Man verſicherte, ſeine liebſte Art, in dem Lande einen Eindruck und ſeinen Namen gefürchtet zu machen, ſei, ſeine Gefangnen eigenhändig mit ſeinem Speer zu durch— bohren. Bei einer Gelegenheit ſoll er in dieſer Art vierzig Unglückliche getödtet haben, die in einer Reihe vor ihm auf⸗ geſtellt waren. Wir ſchenkten dieſen Angaben anfangs keinen Glauben und dachten, es ſeien blos Uebertreibungen von den aufgebrachten Portugieſen, die ihm natürlich feind waren, weil er ihrem Handel Schaden that und ihre weggelaufenen Selaven aufnahm; aber ſpäter erfuhren wir von den Einge⸗ bornen, die uns von den Portugieſen mitgetheilten Angaben hätten die Wahrheit nicht überſchritten, und Mariano ſei wirklich ein ſo großer Schurke, wie ſie ihn beſchrieben hatten. Man ſollte erwarten, daß Eigenthümer von Sclaven ihre menſchlichen Laſtthiere ebenſogut behandeln würden, wie Menſchen werthvolle Thiere behandeln, aber der Sclaven⸗ handel ſcheint immer eine unvernünftige Wildheit, wo nicht gar einen Blutdurſt zu erzeugen.“
Erfreulicher für unfre Reiſenden war die erfolgreiche Erforſchung eines 400 Meilen langen zum Baumwollenbau vorzüglich geeigneten Landes, das die Gegend am Shire River und am See Nyaſſa in ſich begreift. In jedem Orte, den die Reiſenden beſuchten, gewannen ſie das Vertrauen der Bewohner; ihre Neigung zu einem freundſchaftlichen Verkehr wurde beſtärkt; kurz„eine ganz neue Aera hat in einem Lande begonnen, das größer iſt als die Baumwollenfelder in den Südſtaaten Amerika's“.
Dr. Livingſtone's Reiſebeſchreibung erhält dadurch einen großen Vorzug vor andern Werken der Art, daß er ein ganz jungfräuliches Land beſuchte, und Dörfer und Stämme kennen lernte, die noch nie das Geſicht eines weißen Mannes geſehen hatten. Auf dem großen Centralplateau des Tafellandes wohnen zahlloſe Negerſtämme und ein ſchiffbarer Fluß bietet den Europäern das Mittel zu denſelben vorzudringen und mit ihnen Handel zu treiben. An Erzeugniſſen dazu fehlt es nicht. Indigo wächſt dort wild und findet ſich auf großen Strecken in Manneshöhe, und Unterſuchungen haben herausge⸗ ſtellt, daß er an Güte nicht hinter dem oſtindiſchen zurückſteht. Die in manchen Gegenden des Landes gefundene Baumwolle war von ſehr feiner Qualität und Proben davon wurden in Mancheſter 2 P. höher geſchätzt als gewöhnliche Orleans. Ebenſo wuchs die Tabakpflanze und ricinus communis oder die Caſtorölpflanze an vielen Orten wild. Wenn der Boden einen Fehler hat, ſo iſt es der, zu üppig zu ſein. Auf den Inſeln im Shire erntet man zu allen Zeiten des Jahres und mit Hülfe der Bewäſſerung während der vier kältern Monate des Jahres auch Weizen. Europäer können ſich dort jährlich eine Ernte europäiſchen Roggens und zwei Ernten von Mais ſichern. Die Fruchtbarkeit des Landes zeigt ſich auch in den Weiden, worauf Kühe und Ochſen ſo fett werden, wie ſie der
1


