Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
9
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ſeine überaus zahlreichen Geſpräche mit der Damen⸗

welt, mit den Frauen altſpaniſcher Adelsgeſchlechter wiedererzählt, iſt ziemlich ebenſoweit entfernt von der Reſignation der Verſchwiegenheit, wie von dem Mangel an Koketterie. Zur Wahrung der Discretion muß dabei angenommen werden, daß mancher genannte Frauenname ein fingirter iſt; dennoch müſſen wir dem Verfaſſer für ſeine Redſeligkeit in dieſem Punkte der Darſtellung dankbar ſein, denn ſeine gewöhnlich intereſſanten und nicht pointeloſen Referate ſind als pſychologiſches und ſociales Material durchaus von culturgeſchichtlichem Werth.

Er hat ſich beſonders in Madrid, aber außerdem auch in Valencia, Cordova, Sevilla, Cadix, Gibraltar, Malaga, Burgos, Valladolid, mit einem Wort in vielen ſpaniſchen Städten und Provinzen umge⸗ ſehen, und ſeine Schilderungen haben durch ihre natürliche Lebendigkeit ſehr viel überzeugenden Rea⸗ lismus. Das Leben auf der Straße, die Tracht, die Hantirung des Volkes, Nahrungsmittel und Gewerbe, die religiöſen Verhältniſſe, die hiſtoriſchen Einwir⸗ kungen des Muhamedanismus, die auf das Bürger⸗ thum zurückwirkenden ſtaatlichen Zuſtände finden ſich hier zwar nach keiner Seite hin erſchöpfend, überall aber mit friſchem, unbefangenem Blick aufgefaßt und bieten dem gebildeten Laien zahlreiche, ganz uner⸗ wartete Aufſchlüſſe dar.

Ein ſolch lebendiges Charakterbild aus dem Volkstreiben bietet z. B. der Faſching von Sevilla. Der Reiſende beſuchte ihn mit einigen befreundeten Franzoſen. Schon in den Vorſtädten war es lebendig auf allen Gaſſen; hören wir zum Schluß Einiges aus dieſer Schilderung: 1

Welch Leben herrſchte hier! der Carneval war angegangen und halb Sevilla ſchritt geyputzt einher. Einige Herren waren ſchon vollſtändig miaskirt; Viele trugen nur den Domino. Wir ſchlendeerten mit noch mehreren Herren nach der Plaza ueß dem Central⸗ punkt des Treibens. Es war diies fürwahr ein luſtiges Bild; alle Balkone waren mit ſchönen Tep⸗ pichen geſchmückt; von der Giralyba wehten mächtige Flaggen und von einem Haus zußm andern zogen ſich Guirlanden dahin. Die Balkone waren zum Brechen überfüllt; ein pikantes Geſicht zu eigte ſich neben dem andern. Die Sevillanerinnen liezßen ſich in ihrer na⸗ türlichen Anmuth und Ungezwt ungenheit von dem Reize des Feſtes mächtig hinreißezn. Die Carnevals⸗ freiheit ging ziemlich weit, der Tru app junger Elegants blieb faſt vor jedem Fenſter ſtehe a, um auch unmas⸗ kirt ganz fremden Damen die größhten Liebenswürdig⸗ keiten zu ſagen. Die Sennoritasz blieben auch nie eine Antwort ſchuldig, oft flog ſogar eine Blume

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oder ein kleiner Handſchuh vom Altan herab, um deſſen Beſitz ſich förmlich eine Schlacht entſpann. Die Spanierin hat in ihrem Weſen viel Selbſtſtändigkeit, ſie hat es gern, wenn man ihr Liebenswürdigkeiten ſagt, und ihr luſtiger Sinn nimmt jede kleine Neckerei nur als ſolche an.

Auf dem Platze ſelbſt war es gedrängt voll; Soldaten, Zigeuner, junge Elegants aus der Geſell⸗ ſchaft, der Majo aus dem Volke, alle Stände bunt durcheinander! Einzelne Maskeu, zum Theil Bajazzo's, Männer als Frauen angezogen, ſuchten das Publicum durch allerlei Scherze aufzuheitern, doch fehlte der richtige tolle Unſinn, wie er in Köln, Venedig und anderen Städten getrieben wird. Der Andaluſier iſt zu wenig geiſtig entwickelt und auf der anderen Seite wiederum zu phlegmatiſch, um tolles Zeug zu erfinden. Im Mittelpunkt des Platzes war für die Muſik ein Pavillon errichtet worden, die allerhand Tänze dufſpielte. Am populärſten waren nächſt dem Fandango die Havannaheras, ein von der Havannah herübergekommener Tanz, dies ſcheint ſchon der Name zu geben. In den ſehr klangvollen Melodieen herrſchte jedoch eine große Verſchiedenheit des Charakters vor. Der Baß war ſehr tief und abgebrochen, ich möchte faſt ſagen markirt, und in ſeinen Gedanken monoton; es war eines jener barocken Naturbilder der Töne, deren Entſtehung in graue Vorzeit zurückfällt und welchen man wohl mit Recht den Namen Naturlaute giebt. Mein ſpäterer langer Aufenthalt in Afrika gab mir den Schlüſſel zu dieſen Klängen. Ganz die⸗ ſelben Baßmelodieen der klangvollen Havannaheras hörte ich bei oftmaligem Beſuch der Ai Sona, einer religiöſen mohammedaniſchen Secte, und bei einem Negergottesdienſt. Die Arien werden in der Luft getragen; dieſelben monotonen Gedanken, welche in der Muſik der Mauren liegen, waren vielleicht im mittleren Afrika entſtanden und mit den Negern nach Neuſpanien gelangt. Freilich iſt dieſe Annahme im⸗ merhin gewagt. Wahrſcheinlicher wanderten dieſe finſteren muſikaliſchen Gedanken mit dem Kalifat nach Spanien, zu welcher Zeit ſie wohl ganz beſtimmt ſchon die religiöſen Geſänge der Sectirer begleiteten. Ganz anders ſteht es um den Discant, er trägt keinen ausgeprägten Charakter an ſich, melodiſche Accorde ſind durch Zwiſchentöne und Vorſchläge verhunden. Trotz alledem kann man den geſammten P ue hihdan einen entſchiedenen Hang zur Schwermuth nicht ab⸗ ſprechen, die Melodieen ſcheinen eine Reihe ſanfter Klagen zu bilden, ſie drucken Sehnſucht und Begehren aus; ſie erinnern ihrer Schwermüthigkeit wegen an arabiſche Abkunft. In Andaluſien ſind ja viele mauriſche Volksmelodieen heimiſch geworden; die